Wie Ägypten trotz Unruhen als Reiseland punkten will
02.02.2012 | 16:45 Uhr 2012-02-02T16:45:00+0100
Ägypten. Mohamed Gamal, Generaldirektor des Ägyptischen Fremdenverkehrsamtes, spricht im Interview über die aktuellen Ausschreitungen und die touristische Situation im Land. Er meint: "Die Reisen in unser Land sind nicht gefährlich."
Es waren schreckliche Bilder, die aus Port Said um die Welt gingen: Ein brennendes Fußball-Stadion – rohe Gewalt. Über 70 Tote, unzählige Verletzte . Seit der Revolution vor gut einem Jahr fehlen im Reiseland Ägypten ohnehin die Urlauber. Die Touristen, die doch ins Land des Tutanchamuns, der Sphinx und endlosen Sandstrände fliegen, haben die Pyramiden – aber auch viele der weltweit schönsten Tauchgebiete quasi für sich allein. Und durch die neusten Schreckensbilder droht weiter Vertrauen zerstört zu werden. 2011 besuchten knapp zehn Millionen ausländische Gäste Ägypten, ein Jahr zuvor waren es noch fast 15 Millionen. Wir sprachen mit Mohamed Gamal, Generaldirektor des Ägyptischen Fremdenverkehrsamtes, über die touristische Situation im Lande.
Herr Gamal, haben Sie die schrecklichen Bilder von den Ausschreitungen in Port Said schon verarbeiten können?
Gamal: Ich bin total geschockt, wie alle Ägypter auch. Ich komme aus Kairo und bin selbst Fan von Al-Ahly, es ging immer sehr herzlich in den Stadien zu.
Wie kann so etwas passieren? Es gab Vorwürfe in Richtung der Polizei.
Gamal: Die Polizei und das Militär beleuchten die Hintergründe, derzeit gibt es aber noch keine Fakten. Aber das, was passiert ist, gehört nicht zum politischen Geschehen im Land. Die Ägypter wollen Demokratie, aber es gibt immer Kräfte, die das kaputt machen wollen.
Die Reisebranche hat Einbrüche von gut einem Drittel im Vergleich zu 2010 , ausländische Investoren bleiben fern. Wie beruhigen Sie die Urlauber angesichts der noch anhaltenden Unruhen im Land?
Gamal: Die Gäste müssen sich keine Sorgen um ihre Sicherheit machen. Gewalt würde sich nie gegen Touristen richten, sonst ginge die Wirtschaft kaputt. Die Reisen in unser Land sind nicht gefährlich. Veranstalter, Fluggesellschaften und andere touristische Unternehmen kümmern sich um die Urlauber.
Was tut die ägyptische Regierung, um die Veranstalter zu motivieren, ihre Kapazitäten schneller wieder nach oben zu fahren?
Gamal: Wir unterstützen die Reiseveranstalter schon seit letztem Jahr mit Subventionen bei den Charterflügen für Ziele wie Hurghada und Luxor. Aber auch für neue Destinationen: Alexandria, das Mittelmeer hat viel zu bieten – wunderschöne Strände, versunkene Schätze.
Die weltweit größte Reisemesse steht kurz bevor, Ägypten ist dieses Jahr das Partnerland der ITB in Berlin. Wie wollen Sie sich den Besuchern präsentieren?
Gamal: Wir wollen das neue Ägypten zeigen, als traditionelle, aber auch moderne Destination. Wir haben immer noch viel zu bieten: in erster Linie Kultururlaub, aber auch Tauchen, Wüste, Wellness sind ein großes Thema. Doch das Bild Ägyptens gilt es weiterzuentwickeln. So wollen wir zum Beispiel versuchen, die Nil-Kreuzfahrten als eigenständiges Urlaubserlebnis aufzubauen. Bisher wurde die Schifffahrt immer in Kombination mit einem Badeurlaub gebucht, das wollen wir verändern. Bald wird die lange Kreuzfahrtroute ab Kairo bis Assuan als Tourismus-Produkt wieder eingeführt.
Die islamischen Parteien in Ägypten waren bei den Wahlen sehr erfolgreich, die meisten Stimmen holte die Muslimbruderschaft. Von der Einführung der Scharia ist die Rede, man befürchtet Bikini- und Alkoholverbote, getrennte Strände für Männer und Frauen. Wie sehen Sie die Zukunft mit einer islamistisch geprägten Regierung ?
Gamal: Die Muslimbruderschaft fördert den Tourismus. Ich glaube nicht an Bikiniverbote oder ähnliches. Die Regierung braucht diesen im Land so bedeutenden Wirtschaftszweig.
Jeder achte Arbeitnehmer ist in der Reisebranche tätig, 20 der 85 Millionen Ägypter sind vom Tourismus abhängig. Wie sieht die Bevölkerung die weitere Entwicklung des Tourismus im Lande?
Gamal: Die Ägypter verlassen sich auf ihn. Was könnten die Leute sonst machen? Es wäre eine Katastrophe, wenn sie ihre Arbeit verlieren würden und zu Hause bleiben müssten. Sie haben schon unter der Revolution sehr gelitten. Wir brauchen einfach Zeit für die Weiterentwicklung des Landes, für die politische Reformation. Die Revolution ist mehr als die (sichtbaren) Bilder von jungen Menschen, die um Demokratie kämpfen.
21:17
Allein in Hurghada 3 Raubüberfälle innerhalb von 24 Std. ... viel Spaß beim Schönreden
Genauso wie in jeder anderen Großstadt in jedem anderen Land auch! Demzufolge dürfte man nirgendwo Urlaub machen, auch nicht in z.B. Berlin oder Köln!
Nichtsdestotrotz: Die Ägypter sägen momentan kräftig an dem Ast, auf dem sie sitzen! Auch ich, als eingefleischter Ägypten-Fan, überlege, ob ich mir dieses Jahr ein anderes Urlaubsziel suche, :-/