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Namibia

Zebra auf dem Landestreifen

25.07.2008 | 15:18 Uhr
Zebra auf dem Landestreifen

Eine Flugsafari mit der Cessna zu den schönsten Plätzen des afrikanischen Landes.

Auf dem Flugplatz von Mokuti im Norden von Namibia gibt es keinen Kontrollturm. Piloten, die auf der staubigen Piste mitten im Niemandsland landen wollen, kündigen ihre Absicht mit einer knappen Meldung auf der allgemeinen Funkfrequenz an - und wenn niemand Einspruch erhebt, geht's 'runter. Hellmut aber will noch nicht: „Ich fliege 'ne Runde und schau' nach, ob Zebras oder Warzenschweine auf der Landebahn stehen.” Irritierte Blicke wechseln ihre Besitzer: Unter „Begegnung mit wilden Tieren” hatten wir uns eigentlich etwas anderes vorgestellt.

Kein Zebra auf dem Landestreifen - wir können landen.

Unser Pilot steuert die einmotorige Cessna in geringer Höhe parallel zur Piste, schaut abwechselnd durchs Seitenfenster und auf seine Instrumente - wir machen's vorsichtshalber mal genauso -, um dann wieder in Gegenrichtung abzudrehen. „Sieht gut aus, halten alle Siesta da unten”, vermeldet Hellmut über das Mikrophon, das mit unseren Kopfhörern verbunden ist, rückt die Schirmkappe zurecht und zielt jetzt mit der Flugzeugnase auf den schmalen Streifen vor dem Cockpitfenster.

Der entgegen aller optischen Gesetze immer kleiner zu werden scheint, je näher wir kommen: „Habt Ihr Eure Gurte fest angelegt?”, grinst Zebra-Hellmut über die rechte Schulter nach hinten und ignoriert den ungläubigen „Da-sollen-wir-landen?”-Ausdruck in unseren Gesichtern.  Finger krallen sich in Sitzleder, Herzschläge beschleunigen sich, und...dann hat uns die Erde wieder. Die Räder knattern über den steinigen Boden, die Cessna schlingert und schüttelt sich unwillig, als wollte sie dagegen protestieren, dass der Ausflug schon beendet ist, aber Hellmut tritt sachte in die Pedale der Seitenruder, die am Boden zusätzlich die Bremsen betätigen und lenkt das kleine Flugzeug auf das leere Vorfeld.

Dann stoppt der Propeller und das einzige Motorengeräusch, das jetzt noch durch das geöffnete Fenster dringt, ist das Zirpen der Grillen: Willkommen in Afrika. Und wo sind jetzt die Löwen?

Info
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Namibia

Lage: Namibia liegt im südlichen Afrika. Es grenzt an Angola, Sambia, Botswana, Südafrika und den Atlantischen Ozean. Hauptstadt ist Windhoek. Die Fläche beträgt 824 000 Quadratkilometer (BRD = 357 000). Es leben aber nur 1.9 Millionen Menschen in Namibia.

Anreise/Einreise: Air Namibia fliegt fünfmal pro Woche ab Frankfurt nach Windhoek. Air Berlin fliegt ab Düsseldorf via München nach Windhoek. Flugzeit ab Frankfurt etwa zehn Stunden. Da der Zeitunterschied zu Deutschland je nach Jahreszeit nur eine Stunde beträgt, gibt es keinen Jetlag. Für die Einreise wird ein Reisepass mit einer Gültigkeit von mindestens sechs Monaten benötigt.

Klima: Namibia ist ein Ganzjahresziel. Das Klima ist im Sommer (Oktober bis April) heiß mit Temperaturen zwischen 18 und 35 Grad, im Winter (Mai bis September) tagsüber bis 20 Grad. Nachts können die Temperaturen dann unter den Gefrierpunkt fallen. Regenzeit ist zwischen November und April.

Währung: 1 Euro = 12 Namibische Dollar

Gesundheit/Sicherheit: Der Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amtes empfiehlt Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie und Hepatitis A. In einigen Landesteilen besteht Malaria–Risiko.

Sprache: Seit 1990 ist Englisch die offizielle Amtssprache. Afriakaans und Deutsch sehr verbreitet.

Veranstalter: Die beschriebene siebentägige Flugsafari „Namibian Visions” hat der Spezialveranstalter AeroSki/Outdoor Passions im Programm: Im Banngarten 15, 61273 Wehrheim, 06081/20 82, www.aeroski.com.Preise bis Oktober 2007 ab 3380, November 2007 bis Oktober 2008 ab 3730 Euro pro Person (inklusive Unterkunft, ohne Flüge ab/nach Deutschland). Die Flüge dieser Tour werden vom namibischen Unternehmen Naturefriend Safaris, angeboten und durchgeführt, das auch individuell planbare Flugsafaris anbietet. www.naturefriendsafaris.com

Infos zu Flugsafaris in Namibia auch bei Exclusive Travel Choice, 06081/68 84 89, www.exclusivetravelchoce.com.

Flugsafaris durch Namibia bieten u.a. auch Airtours, Dertour, Ikarus Tours, Meier's Weltreisen, FTI und TUI an.

Unterkünfte:

Onguma Tree Top Camp (vier Baumhäuser, bis zu acht Gäste),

Onguma The Fort (13 Suiten für bis zu 26 Gäste),www.onguma.com

Mowani Mountain Camp (12 Zeltsuiten für bis zu 24 Gäste)www.mowani.com

Wolwedans Dune Camp (6 Zeltsuiten für bis zu 12 Gäste)

Boulders Safari Camp (4 Zeltsuiten für bis zu 8 Gäste)www.wolwedans.com

Kontakt: Namibia Tourism Board, Schillerstraße 42-44, D-60313 Frankfurt am Main, 069/13 37 360, www.namibia-tourism.com

Mokuti liegt am östlichen Rande des Etosha-Nationalparks und ist erste Station einer Flugsafari durch Namibia. Eine Woche lang wird unsere Reisegruppe unterwegs sein. Vier Gäste aus Deutschland und Hellmut, der nicht nur unser Flugzeug steuert, eine sechssitzige Cessna 210, sondern uns als Tourguide auch die Schönheiten seiner namibischen Heimat nahebringen soll.

Auf einem Rundkurs, der von der namibianischen Hauptstadt Windhoek zunächst nach Norden, dann über die Etosha-Pfanne nach Westen bis zur Atlantikküste und zurück nach Osten ins Landesinnere führt: Namibia von oben im Schnelldurchgang, übernachtet wird in Safari-Camps mitten in der Wildnis.

Ein- bis anderthalb Stunden dauern die Hüpfer durch die dünne Luft des namibischen Herbstes jeweils, dabei legen wir Entfernungen zwischen 300 und 400 Kilometer zurück - Strecken, für die Leihwagen-Piloten gut und gerne sechs Stunden benötigen. Luftlöcher statt Schlaglöcher also - dafür verzichten wir freiwillig auf überflüssigen Komfort wie Pinkelpausen, Hartschalenkoffer oder den Luxus, sich nennenswert bewegen zu können: Cessnas sind die VW-Käfer der Lüfte - laut, eng und mit einem viel zu kleinen Kofferraum ausgestattet: Zwölf Kilo Gepäck hatte Hellmut jedem von uns zugestanden, nachdem er die Antworten auf jene Frage, die man Frauen nie und Männern in meinem Alter besser nicht mehr stellt, durchgerechnet hatte: „Was wiegt Ihr?”

Kein guter Ort für Menschen

Tiere sind vom Flugzeug aus nicht zu erkennen, dafür fliegen wir zu hoch. Aber es gibt zum Glück ja die Ausflüge mit dem Jeep, die an jeder Station auf dem Programm stehen. Und gleich heute, am ersten Tag unserer Flugsafari, haben wir die Löwen zum Abendessen eingeladen: Wir sind im Onguma Natur-Reservat gleich am Rande des Etosha-Nationalparks, der für seinen Tierreichtum bekannt ist.

Eigentlich ist das Onguma Tree Top Camp kein guter Ort für Menschen: „Die Eingeborenen nannten die Stelle „der Platz, an dem Du nicht bleiben möchtest”, begrüßt uns Wildführer J.J., der am Flugplatz mit seinem Toyota-Jeep auf uns wartet. „Wegen der vielen Löwen hier.” Wir dagegen finden die Gegend bezaubernd, machen es aber sicherheitshalber wie die Eingeborenen, die zum Schutz vor den Raubtieren in den Bäumen lebten: Die vier Holzhütten des Tree Top Camp wurden in die Bäume gezimmert - mehr als zwei Meter über dem Erdboden - und sind nur über Holzstege miteinander verbunden. Das Erdgeschoss, macht J. J. uns unmissverständlich klar, ist für uns tabu: „Niemals”, schärft er uns ein, „betretet Ihr ohne einen Führer den Erdboden.”

Einverstanden, wenn die Löwen sich an Ihren Teil der Abmachung halten und nicht zu uns hochkommen, gehen wir garantiert auch nicht 'runter - zumal man von oben viel besser sieht: Die Seitenwände unserer geräumigen Hütten bestehen aus Tuch und lassen sich hochrollen. So liegt man dann auf dem schneeweißen Laken seines breiten Doppelbettes mitten in der Wildnis, lässt sich anstecken von der Trägheit des afrikanischen Spätnachmittags, schaut fasziniert auf die Wasserstelle, keine 30 Meter entfernt, und fragt sich bloß irgendwann, wo eigentlich die Löwen bleiben...

Ausflug in den Busch und viele Häkchen 

Wir verschieben die Antwort auf den Morgen. Wenn die Löwen nicht zu uns kommen, gehen wir eben zu ihnen. Wir folgen J. J. in den Busch. Der trägt - nur zur Sicherheit - seine Flinte, Kaliber 3,75. Wir tragen unsere Teleobjektive, Kaliber 200 mm und mehr. Wir fotografieren: Termitenhügel, Oryxe, Impalas und Schakale, Löwen fotografieren wir nicht.

J. J., der stets ein paar Meter vor uns herläuft, macht's zwischendurch spannend, legt den Zeigefinger an den Mund und bedeutet uns, zwischen den hüfthohen Büschen niederzuknien. Fliegen surren, Gespräche verstummen, Ferngläser wandern langsam an die Augen. Dann Hufgetrappel: Eine Herde Zebras zieht vorbei, dann ein paar Gnus auf der Flucht vor wem oder was auch immer - wahrscheinlich nicht vor unserem Löwen. Der hat gerade anderes im Sinn.

Löwen bei der Familienplanung

Das Tree-Top-Camp in Onguma. Fotos: Frank Roczniok

Wir entdecken den König der Tiere wenig später im Schatten eines Busches in ziemlich unkönglicher Haltung: Er ist gerade ...nun ja... mit der Familienplanung beschäftigt. Wir verzichten auf ein Erinnerungs-Foto und sehen zu, dass wir Land gewinnen. Immerhin, hinter „Panthera Leo” auf der Checkliste im Reiseführer können wir ein Häkchen setzen.

Und am Nachmittag kommen noch einige hinzu: Wir sind unterwegs im Etosha-Nationalpark, der ans Onguma Reservat angrenzt. Das Park wirkt mit seinen Schotterpisten, auf denen die Urlauberjeeps zwischen den Wasserlöchern hin und her knattern, wie ein Freiluftzoo. Viele Tiere. Und viele Besucher, die kommen, um Häkchen hinter möglichst viele Tiernamen setzen zu können. Wir sind wieder auf der Pirsch, diesmal allerdings halten wir erstmal Ausschau nach einer Parklücke zwischen den Jeeps am Wasserloch. Giraffen und Zebras stillen hier - wenige Meter von uns entfernt - ihren Durst, ein Nashorn hat beschlossen, sich an Ort und Stelle zu Tode zu langweilen und liegt träge im Uferschlamm. Auf dem Rückweg kreuzt eine Elefantenherde den Weg.

Wir nehmen den Sundowner auf der Terrasse des luxuriösen „Fort” im Onguma Park ein. Das Camp ist im Stil einer marrokanischen Festung erbaut, mit 13 Suiten für maximal 26 Gäste. Ein magischer Ort mitten im Nirgendwo. Die Sonne versinkt passgenau hinter einer Schirmakazie und wir stoßen an. Auf unseren ersten Löwen. Auf die Schönheit des Augenblicks. Und auf Hellmut, der Wasser trinken muss, weil er morgen wieder fliegt.

Die Pfanne ist voll

Es geht nach Südwesten, ins Damaraland, 320 Kilometer entfernt. Rechts unter uns zieht die Etosha-Pfanne vorbei, ein riesiger See, eigentlich wäre die Senke jetzt nahezu ausgetrocknet, aber der Sommer war ungewöhnlich regnerisch, erzählt Hellmut. Überhaupt, die Erde ist erstaunlich grün. Und einsam: Selten nur ist eine Farm zu erkennen, wenige Straßen schlängeln sich durch die Landschaft, die jetzt immer hügeliger wird - und übersät ist von seltsamen kreisrunden Flecken kahlen Erdbodens, die wie Krater aussehen. „Feenkreise”, klingt Hellmuts Stimme durch die Kopfhörer.

Feenkreise

„Eine eindeutige wissenschaftliche Erklärung gibt es nicht.” Die unwissenschaftliche gefällt uns schon ganz gut: „Nachts kommen die Feen und tanzen. Und dadurch entstehen dann die Kreise. Die meisten Wissenschaftler vermuten allerdings Termiten als Ursache.”

Im Tal von Twyfelfontein, der „zweifelhaften Quelle”, dreht Hellmut nach 80 Flugminuten seine obligatorische Platzrunde - und weil weder Feen noch Termitenhügel im Wege stehen, landet er unsere Cessna sanft zwischen dem wogenden, silbriggrünen Buschgras.

Der Flug war viel zu kurz, aber das Beste des Tages steht uns noch bevor: Das Mowani Mountain Camp, rund 30 Jeepminuten entfernt, ist einer jener Orte, an dem Unverheiratete plötzlich unwillkürlich überlegen, mit wem sie hier ihre Flitterwochen verbringen könnten: Die Hütten mit ihren pilzförmigen Dächern ducken sich auf einer Anhöhe zwischen rundlichen, wie von Riesenhand aufgeschichteten Felsen, die im warmen Licht der Abendsonne rot leuchten. Eine schier endlose, menschenleere Felslandschaft breitet sich jenseits des Camps aus, und wieder spüren wir die Energie, die von der stillen Schönheit der namibischen Landschaft ausgeht. Würden jetzt die Feen kommen und für uns tanzen, der Zauber könnte nicht mehr größer sein.

Ausblicke auf die Milchstraße und ein Labor ohne Fenster

Nachts liegen wir angelehnt an einem Baumstamm auf einem Felsplateau, blicken in die Milchstraße und lassen uns von Hellmut das Kreuz des Südens erklären. Hellmut, der Deutsch-Namibier, der „von Seydlitz” mit Nachnamen heißt, aber so nichts von einem preussischen Junker hat, erzählt von seiner Kindheit und Jugend, die er als einer von fünf Brüdern auf der Farm seiner Eltern verlebte. Und von dem forensischen Labor in Kansas/USA, indem der studierte Viehwirt vor Jahren nach seiner Auswanderung in die Staaten arbeitete und Lebensmittelproben untersuchte. „Das Labor hatte kein Fenster und mir fehlte der Ausblick auf die Natur. Und dann sagte meine Frau Carola, 'warum machst Du nicht Deinen Flugschein?' Am nächsten Tag habe ich in der Schule angerufen.”

Seitdem kann Hellmut, der seine Leidenschaft zum Beruf machte, nicht mehr ohne das Fliegen leben: „Wenn ich nicht mindestens einmal am Tag Flugbenzin rieche, bin ich unglücklich.” Uns geht's mittlerweile fast genauso. Hellmut ist zum Freund geworden, die Cessna zum treuen Begleiter, der wir beim Einstiegen - nur wenn keiner hinschaut - kurz liebevoll über das genietete Aluminium streicheln.

Ein Schiffswrack in der Wüste

Über Swakopmund führt unsere Reise südwärts an der Küste entlang, wo die Sanddünen der Namibwüste steil in den Atlantik fallen. Einfach so. Hellmut dreht landeinwärts. Wir kreisen über der „Eduard Bohlen”, einem 1909 an der Küste gestrandeten Frachter. Damals war hier noch Wasser.

Jetzt liegt das Wrack hunderte Meter landeinwärts - mitten in Wüste, überspült von Wogen aus Sand. Wir überfliegen verlassene Diamantenminen und schauen zu, wie der kleine Flugzeugschatten über die scharf gezeichneten Kanten der Sanddünen hüpft, die hier bei Sossusvlei über 300 Meter hoch werden. Im Namib-Rand-Naturreservat genießen wir den Anblick der Strausse und Antilopen. Häkchen machen wir keine mehr. Namibia ist schöner ohne Checklisten.

Hellmut fliegt uns zurück nach Windhoek. Die Piste ist aus Asphalt, es gibt einen Tower, und weder Zebras noch Warzenschweine stehen auf der Landebahn. Schade. Aber wir kommen wieder irgendwann. Denn wir haben den besten Grund, den es gibt. Sagt Hellmut: Einen Freund in Namibia.

Noch mehr Bilder von dieser Reise finden Sie >hier

Frank Roczniok

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Kommentare
14.08.2008
22:27
Zebra auf dem Landestreifen
von Passatlehrer | #3

Ein wunderbares Land, faszinierende Landschaft und einmalige Tierwelt. Auf die Riesendüne muß man hoch,Hunderte verschiedene Tiere an den Wasserlöchern beobachten und sich einen Flug über die Skelettküste gönnen , unvergeßliche Eindrücke ! Ein starkes Erlebnis.

29.07.2008
14:48
Zebra auf dem Landestreifen
von pit01 | #2

Auch ein sehr schöner Artikel. Der Mann war mit Leib und Seele dabei und hat das gut vermittelt.

26.07.2008
13:29
Zebra auf dem Landestreifen
von Vanagas | #1

Super schönes,faszinierendes Land !
Hab Verwandte unten und war vor 16 Jahren für 2,5 Monate da.
Unbedingt mal hinfahren.

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