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Thailand

Ruhe zwischen Phuket und Krabi

29.11.2007 | 17:46 Uhr
Ruhe zwischen Phuket und Krabi

Koh Yao Noi - das "kleine, lange Eiland" ist ein prima Ziel für jene, die das ursprüngliche Thailand plus Komfort suchen

Versprochen hatte Ped uns nichts. Keine Karettschildkröten, keine Blaupunktrochen und auch keine Leopardenhaie. Diese maritimen Exoten schwimmen zwar in den Gewässern der Phang Nga Bay zwischen Thailands größter Insel Phuket und der Festlandsküste von Krabi. Aber eine Garantie, sie beim Schnorcheln zu sehen, gibt es nicht. Doch unser Guide weiß, dass es sich trotzdem lohnt, hier mit Maske und Flossen in die Andamanensee zu steigen. Auf den ersten Blick ähnelt er den Piraten, die 500 Kilometer südlich die Seefahrtsstraße von Malakka unsicher machen: schmal, drahtig, schwarze Mähne, buntes Stirnband und Flatterhose. Sein gemütvolles Lächeln lässt diesen Eindruck verfliegen. Schon vor seinem Job als Gästeführer hatte Ped seriöse Berufe: Er war Mönch in einem buddhistischen Kloster und später Fischer.

Info
Weltweit

Lage: Koh Yao Noi liegt im Süden Thailands in der Andamanensee, etwa eine Bootsstunde südöstlich von Phuket.

Anreise: Ab Düsseldorf fliegt die LTU nach Phuket, Condor und Thai Airways fliegen ab Frankfurt (teils über Bangkok) nach Phuket. Der Transfer vom Flughafen auf Phuket nach Koh Yao Noi dauert etwa zwei Stunden.

Einreise: Bei Reisen bis zu 30 Tagen genügt der Reisepass, der bei der Einreise noch mindestens sechs Monate gültig sein muss. Vorliegen soll auch ein bestätigtes Flugticket für die Rück- oder Weiterreise.

Gesundheit: Phuket und Koh Yao Noi gelten als malariafrei. Neben dem üblichen Impfschutz (Tetanus, Polio, usw.) ist es ratsam, sich gegen Hepatitis A und B impfen zu lassen.

Sicherheit: Mit Blick auf die Terroranschläge zum letzten Jahreswechsel und unter Hinweis auf Anschlagsdrohungen verschiedener Terror-Gruppen weist das Auswärtige Amt auf eine erhöhte Gefahr terroristischer Attentate hin, die sich auch gegen touristische Einrichtungen richten könnten.

Reisezeit: Die angenehmsten Monate auf Koh Yao Noi sind November bis April mit Tagestemperaturen um 32 Grad und Wassertemperaturen um 28 Grad. Die Regenzeit dauert von Mai bis Oktober.

Währung: 100 Thailändische Baht (THB) entsprechen etwa 2,18 Euro.

Veranstalter: Lotus Travel Service hat Koh Yao Noi im Programm, Reisen nach Phuket bieten Dertour, Alltours, Schauinsland Reisen und Explorer Fernreisen an.

Kontakt: Thailändisches Fremdenverkehrsamt,  069/138 13 90, www.thailandtourismus.de; www.phukettourism.org (jede Menge Info und Service zur Region, leider nur auf Englisch)

Behutsam manövriert Ped das Langschwanzboot um ein paar Klippen. Dann stoppt der Motor, lautlos gleiten wir an den Sichelstrand von Koh Hong. Die unbewohnte Insel gehört zum Thanboke Khoranee Nationalpark. Die Schönheit ist berührend: blaugrünes Wasser, Silbersand, steil aufragende Kalksteinfelsen und üppige Vegetation. Am Strand entdecken wir eine seltsame Spur: wie von Fahrradreifen, aber gesäumt von handgroßen Klauenumrissen. Ein Waran! „Keine Sorge, die werden hier nur 1,50 Meter lang und fressen meistens Vögel”, ruft Ped uns nach. Seine Bemerkung, dass es hier auch riesige Pythons gibt, überhören wir und beten, dass uns weder Echsen noch Schlangen ins Wasser folgen mögen.

Fische werden mit Brot angelockt

Um Fische anzulocken, nehmen wir ein Stück Brot mit, tauchen ab und warten. Tatsächlich: Bald tummeln sich schwarzweißgelb gestreifte Wimpelfische, blaue Mondsichel-Junker und rote Juwelenbarsche um uns herum und zupfen an dem Bissen. Ein Papageienfisch schnappt herzhaft zu - und zwickt in den Finger. Zimperlich darf man bei dieser Methode nicht sein. Auf der Rückfahrt zu unserem Resort auf Koh Yao Noi genießen wir eine Szenerie, wie sie typisch ist für die Phang Nga Bay: Zahllose samtgrün überwucherte Inseln ragen aus dem Wasser, in der Ferne mit immer blasser werdenden Konturen und Farben, am Horizont sind sie im Dunst gerade noch als Schemen zu erahnen.

Am nächsten Morgen weckt uns das Keckern eines Nashornvogels, der im Mangobaum neben der Veranda hockt. Gerade recht, Ped wartet schon. Heute soll per Jeep die Insel erkundet werden. Auf einer Holperpiste rumpeln wir durch den Dschungel, später durch Gummibaumplantagen. Die meisten der etwa 4000 Einwohner leben von der Kautschukproduktion und vom Fischfang. „25 Jahre kann man einen Gummibaum anzapfen”, erzählt Ped. „Dann wird er gefällt und zur Möbelherstellung nach Bangkok verschifft. Bis ein neuer Setzling Latex liefert, vergehen sieben Jahre.” Der klebrige Saft wird mit Säure verhärtet. Durch altmodische Mangeln gepresst entstehen daraus Gummimatten, die überall auf Holzgestellen zum Trocknen hängen.

Wir erreichen die einzige Straße von Koh Yao Noi. Erst vor zwei Jahren wurde sie asphaltiert, um die sieben Dörfer auch bei Monsunregen zu verbinden. Reisfelder säumen die Piste, in denen sich Wasserbüffel suhlen. „Willkommen in Downtown”, grinst Ped, als wir an der Einkaufsstraße des Hauptdorfes Ban Yai zwischen zwei Dutzend Läden aussteigen: Obst- und Gemüsehändler, ein Reisverkäufer, der 20 verschiedene Sorten in bunt bedruckten Säcken anbietet, Garküchen, ein Supermarkt und sogar ein Internet-Café. Aber kein Souvenir-Shop. Postkarten gibt es nicht auf Koh Yao Noi, noch ist die Insel ein touristischer Geheimtipp. Nur einige kleine Resorts liegen an den malerischen Sandbuchten entlang der zwölf Kilometer langen Ostküste. Die Westküste ist Mangrovengebiet, den hügeligen Norden beherrscht der Urwald, die Südküste säumen Palmenhaine.

Postkarten gibt es keine

Beim Fischhändler zeigt Ped, welches Meeresgetier die Inselbewohner schätzen. Im gekachelten Becken gleiten Pfeilschwanzkrebse umher, die wegen ihrer Eier gefangen werden. Dazwischen wimmeln Mangrovenkrebse, Tigergarnelen und Schwimmkrabben. Stolz präsentiert der Chef Langusten, die Taucher mit der Hand gefangen haben. Die Preise von 30 Euro pro Kilo können sich nur Touristen leisten. Darum werden diese kulinarischen Preziosen an Restaurants auf Phuket verkauft. Am Nachmittag möchte Ped uns zu einem mysteriösen Ort bringen. „Ihr werdet Skelette sehen”, verspricht er, als wir ins Boot steigen. Augenblicke später stoppt Ped auf der anderen Seite des Felsmassivs, das den Resort-Strand begrenzt. Über unseren Köpfen öffnet sich eine Höhle. Ped steigt aufs Dach der Kajüte, klettert über das scharfkantige Gestein und hilft uns hoch. Tropfsteine hängen von der Decke, im Boden entdecken wir eine Mulde - und menschliche Knochen. „Schade, die Schädel sind weg, ich war eine Weile nicht mehr hier”, sagt Ped. Drei Erwachsene und zwei Kinder wurden hier bestattet. Sie waren See-Nomaden, ein aus Malaysia stammendes Volk von Fischern und Perlentauchern.

The Beach von Koh Hong

An Bord erklärt Ped, was mit den Köpfen passiert sein könnte. „Vielleicht haben Einheimische sie geholt, für magische Rituale. Ich kenne noch mehr Höhlen mit Skeletten, da fehlen auch die Schädel.” Auf einer Nachbarinsel soll es einen Magier geben. Ob seine Zauberkraft hilft? Ped zuckt die Schultern: „Ich glaube nicht an diesen Hokuspokus.” Bei zwei Fischern, die gerade noch ein Nickerchen in ihrem Boot hielten, kaufen wir Fische für unser Barbecue auf Lao Roi. Von einem der beiden Strände führt ein Tunnel durch die Felsen zu einer Lagune, die Mangrovenbäume umgeben. An den anderen Strand wuchert der Urwald heran. Hier lassen wir uns nieder. Über der Glut des verlöschenden Feuers grillt Ped die Fische. Als wir später aufbrechen, scheint schon der Mond. So hell, dass die Umrisse der Inseln deutlich zu erkennen sind und wir uns zutrauen würden, das Boot selbst nach Koh Yao Noi zu steuern.

Für einen rührungsvollen Abschied bleibt keine Zeit. Ped hat noch etwas vor. Er ist mit Freunden verabredet, einen Büffel für die Hochzeit seiner Nachbarn zu zerlegen. Morgen soll gefeiert werden. „Schade, dass Ihr dann schon wieder unterwegs seid, Ihr könntet mitkommen.” Ped winkt, dann verschwindet er mit seinem Boot in der Nacht. Länger, als wir seine Gestalt erkennen können, hören wir das Tuckern des Motors, bis es verhallt. Ped, beim nächsten Mal sind wir dabei.

Heike Weichler

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