Eine Insel putzt sich heraus
15.05.2009 | 12:00 Uhr 2009-05-15T12:00:00+0200
Hamilton Island beherbergt den Luxus, aber die Naturgewalten und der Dschungel bleiben wild
Die Kulisse – wie gemalt. Rechts kristallklares Wasser, links weißer Sandstrand. Mittendrin eine Gruppe gähnender Touristen aus Deutschland, die noch dabei sind sich den Schlaf aus den Augen zu reiben. Es ist 5.20 Uhr morgens. Keine Zeit für Manuela, Peter und Stefan. Doch wer die ersten Sonnenstrahlen am Passage Peak, dem höchsten Punkt von Hamilton Island, erleben möchte, der hat keine andere Wahl. Also Rucksack raus und los geht's!
Über 600 Inseln zieren das Great Barrier Reef, die 2000 Kilometer langen Korallenbänke vor der Ostküste Australiens. Doch keine ist so gut für den Tourismus ausgebaut wie Hamilton Island. Fast 30 Jahre ist es her, als Multimillionär Bob Oatley zum ersten Mal vor der Küste des Eilands segelte und hier die Vision von einer exklusiven Urlaubsdestination hatte. Nach verschiedenen Zwischenstationen erfüllte er sich 2003 mit dem Kauf von Hamilton Island seinen Traum und versucht nun das Eiland zu einer der luxuriösesten Ferienregion der Welt zu machen.
Ein Anfang ist längst gemacht. Das tropische Ferienparadies mit rund 2000 Hotelbetten verfügt über einen eigenen Flughafen für Linienflieger, eine perfekt ausgebaute Marina und ein paar der besten Hotels des Landes. Noch in diesem Jahr soll ein neuer Yachtclub eröffnen. Auf der unbewohnten Nachbarinsel Dent-Island entsteht zudem ein 18-Loch-Golfplatz, der vom australischen Profigolfer Peter Thomson geplant wurde. Eine Insel putzt sich heraus.
Es ist 6.15 Uhr, als die Frühaufsteher den Asphalt hinter sich lassen und den australischen Busch erobern. Lianen hängen vor Peters Nase, tropische Palmen und Eukalypten stellen sich Manuela in den Weg. Zwar erhebt sich der Passage Peak nicht einmal 400 Meter über dem Meer, doch der Anstieg ist kein Spaziergang. Immer höher führt der Pfad, bis auf der rechten Seite schließlich der Escape Beach erscheint – einer der vielen Traumstrände.
Qualia im Norden, das neueste Luxux-Domizil von Bob Oatley, ist vom Passage Peak aus nicht zu sehen. Die freistehenden Pavillons befinden sich in einem abgetrennten Bereich des Eilands. Mindestens 1450 Euro müssen Urlauber für zwei Übernachtungen bezahlen. Viel Geld, aber dafür wimmelt es in Qualia angeblich nur so von Prominenz. Nicole Kidman soll beispielsweise zu den Stammgästen zählen.
Um 6.30 Uhr beginnt das steilste Stück des Aufstiegs. Ein Kakadu stört mit seinen lauten Schreien die morgendliche Stille. Der Atem wird schwer. Es sind aber beileibe nicht nur Wanderer, die nach Hamilton Island pilgern. Es sind vor allem verliebte Pärchen. An die fünfhundert geben sich jedes Jahr in der All Saints Chapel das Jawort. Rund 4000 Euro kostet das Hochzeits-Paket mit Pfarrer, Make-up, Blumen und Schmetterlingen: „Wer will, kann aber auch mehrere hundertausend Euro ausgegeben”, erzählt Rohan Gull. Der Wedding-Planner organisiert seit Jahren die Hochzeitszeremonien auf der Trauminsel. „Nur ein einziges Mal ging alles schief”, erinnert er sich: „Damals ist die Braut mit dem Trauzeugen durchgebrannt.”
Die Sonne ist bereits aufgegangen als Peter den Passage Peak erreicht. Stefan und Manuela folgen mit einigem Abstand. Peticost Island und der Traumstrand Whitehaven Beach – das alles scheint von hier oben zum Greifen nah. Die drei Gipfelstürmer bewundern die Aussicht und machen sich frohen Mutes an den Abstieg. Da wussten sie ja noch nicht, dass gleich der große Tropenregen einsetzen wird . . .
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