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Thailand

Dünn und ausgehungert

23.01.2010 | 08:00 Uhr

Elefantendoktor Preecha Phuangkum kritisiert das Elefantenreiten

Der Ritt auf dem Rücken eines Elefanten darf in keinem Thailand-Urlaub fehlen. Ein unvergessliches Erlebnis, ein toller Schnappschuss für Zuhause. Doktor Preecha Phuangkum, 58, ist Mitbegründer und Direktor des Friends of the Asian Elephant Hospitals. Das weltweit erste Elefantenkrankenhaus im Norden Thailands kümmert sich seit 30 Jahren um Elefanten, die in schlechtem Zustand eingeliefert werden.

Herr Phuangkum, was stört Sie denn am Elefantenreiten?

Phuangkum: Der Ritt ist nicht das Schlimmste. Der Mahut – Eigentümer und Hüter des Elefanten – ist das Problem. Diese Männer sind in der Regel vertriebene Burmesen aus Myanmar, die kein Thai sprechen. Ihre Elefanten werden bei Holzfällarbeiten im Dschungel eingesetzt, wenn die Tiere nicht spuren, werden sie mit Fleischerhaken und Messern malträtiert. In der touristischen Hochsaison, zwischen Dezember und Februar, werden die Mahuts mit ihren Tieren dann von einem der 300 im ganzen Land verteilten Elefanten-Camps angemietet, wo sie als Touristenattraktion dienen. Doch viele der Camps machen fast nie Gewinn.

Was verdient ein Mahut mit dem Elefantenreiten?

Dr. Preecha Phuangkum

 Phuangkum: Er bekommt monatlich rund 9000 Baht, etwa 180 Euro. Da ein ausgewachsener Elefant täglich nahezu 300 Kilogramm Futter – Gräser, Laub, Früchte – frisst, müsste der Mahut dafür Nahrung im Wert von 300 Bath (6 Euro) kaufen, um das Tier ausreichend zu ernähren. Entweder ist das eine Nullrechung oder man spart eben an der Menge. Ausgehungerte Elefanten zählen oft zu unseren Patienten.

Kommen viele Elefanten zu Ihnen?

Phuangkum: Ja, neben der Unterernährung sind Stichwunden, Darmprobleme und Augenentzündungen die häufigsten Beschwerden. Das ist auch ein Thema: Aufgrund der starken Sonnenstrahlung leiden viele Elefanten unter entzündeten Augen. Manche erblinden sogar. Den Mahuts ist das nicht klar und sie reagieren frustriert, wenn die Elefanten aufgrund ihrer schwachen Sehkraft anders handeln als befohlen. Die Mahuts lassen ihren Frust an den Tieren aus.

Wie lange bleibt ein Patient im Hospital?

Phuangkum: Sie bleiben Monate oder sogar Jahre. Die Mindestzeit beträgt vier Wochen. Die Mahuts leben in diesem Zeitraum auch bei uns. Es kommt vor, dass ich einen gewissen Abschiedsschmerz verspüre, wenn ein genesener Elefant nach einem langen Aufenthalt das Hospital verlässt. Noch trauriger ist es, wenn gesund gepflegte Tiere nach wenigen Monaten mit neuen Blessuren wieder bei uns einquartiert werden.

Wer bezahlt die Behandlung?

Phuangkum: Sie ist umsonst. Wir verlangen kein Geld. Die Mahuts haben ja selbst keins. Das Krankenhaus lebt zu 100 Prozent von Spenden.

Gibt es staatliche Elefanten-Schutzgesetze?

Phuangkum: Es existieren keine. Jeder kann einen asiatischen Elefanten kaufen. Ein fünf bis sieben Jahre altes Tier kostet ungefähr 300 000 Baht (6000 Euro). Nach dem Kauf kann der Besitzer mit seinem Tier machen, was er will. Wir haben versucht mit der thailändischen Tourismusindustrie über dieses Thema zu sprechen. Niemand hört uns zu. Wir fordern daher gesetzliche Schutzmaßnahmen. Es muss geregelt werden, wer einen Elefanten kaufen und was er mit dem Tier machen darf.

Würden Sie Urlaubern von einem Elefantenritt abraten?

Phuangkum: Jeder muss das selbst entscheiden. Einige Camps haben sehr gute Standards, andere – wegen Geldmangels – allerdings erschreckend niedrige.

Wie erkennt man, ob es sich um ein gut oder schlecht geführtes Camp handelt?

Phuangkum: Man sollte genau hinschauen. Sieht der Elefant gesund oder abgemagert aus? Macht der Mahut im Umgang mit dem Tier einen vertrauensvollen Eindruck? Niedrige Preise sind immer ein schlechtes Zeichen. Ein Elefantenritt kostet normal pro Person 1000 Baht (20 Euro). 700 Baht gehen davon an den Veranstalter, der die Touristen in das Camp schafft, und 300 erhält der Camp-Besitzer.

Info
Asian Elephant Hospital

Seit 1993 gibt es das Friends of the Asian Elephant Hospital. Pro Jahr behandeln die Ärzte etwa 300 Elefanten. Das Krankenhaus liegt in der Provinz Lampang, 70 Kilometer von Chiang Mai. Die Anlage ist täglich geöffnet, der Besuch ist kostenlos.

 Mögen die Elefanten, dass auf ihnen geritten wird?

Phuangkum: Einigen macht das Spaß, aber sicherlich nicht allen. Die Tiere stehen dabei unter erhöhtem Druck. Kaut der Elefant auf seinem Rüssel, ist er zum Beispiel gestresst. Wenn er seinen Kopf langsam schüttelt, nervös. Ich würde niemals zum Spaß auf einem Elefanten reiten.

Arne Hübner

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