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Thailand

Die die Bäume hochgeht

12.10.2007 | 17:09 Uhr

Nang ist großartig. Sie ist Anfang 30, hat langes, gelocktes Haar, untypisch für Thailänderinnen. Sie trägt Zahnspange und lange, sehr lange Fingernägel. Und sie ist unsere Führerin durch den Urwald.

Es mag an der Einbildung egozentrischer Städter liegen. Aber es fällt schwer zu glauben, dass sie uns nicht auslachen, die Affen in den Wipfeln. Wenn wir also seitlich die Schuhe in den Schlamm stemmen und trotzdem rutschen, dann lachen sie. Dieses Keckern ist kein fremdes Geräusch. Man kennt es als Standard in der Klangkulisse eines jeden Regenwald-Kriegsfilms. Wir denken da an Rambo. Es ist warm, es ist feucht. Wir tragen Wadenwickel. Zum Schutz gegen Blutegel, die sich nach uns recken, dünn wie Fädchen, solange sie nüchtern sind. Angenuckelt von unten, verspottet von oben und eingelullt vom Höllengrün sollen wir uns in die Alpen versetzen. "Es ist wie beim Skifahren", sagt Nang, wedelt den Hang hinunter und hinein in den Dschungel. Weg ist sie.

Nang hockt hinter einem Busch und will die linkischen Deutschen auf Safari erschrecken, was nicht klappt. Wir atmen zu laut. "Ihr macht mehr Krach als die Elefanten", sagt sie. Die Elefanten waren vor uns hier, wir treten in ihre Fußstapfen. Ein wenig erweitert hat man die Trampelpfade im Laufe der Jahre für Touristen, die anderes sehen wollen als Tempel und Strand. Die ein ungefährliches Abenteuer suchen, wie hier im ältesten Nationalpark des Landes, im Khao Yai. Am besten nach der Regenzeit ab Anfang Dezember. Dann ist die Sicht klar.

Knapp drei Autostunden nördlich von Bangkok liegt das Gebiet, in dem sich vor 100 Jahren zum ersten Mal Menschen niederließen. Nach dem Zweiten Weltkrieg machten Wilderer hier Jagd auf Tiger und Krokodile, Teakbäume wurden hemmungslos abgeholzt, später verkam das Gebiet zum Versteck für Schmuggler und Gauner. 1962 räumte die Regierung auf und erklärte es zum Nationalpark. Das Areal bietet Zuflucht für bedrohte Arten wie Leoparden, Nashornvögel - und die höhnischen Gibbons. Siedlungen gibt es immer noch, übernachten kann der Tourist hier auch. Aber selbst ein Tagesausflug von den angrenzenden Provinzen aus lohnt.

Thailand ist bemüht, auf die Naturschönheiten hinzuweisen, inklusive Nervenkitzel. Auch wenn der zunächst darin besteht, von wilden Tieren beobachtet zu werden. Wir sehen nur ihre Spuren. Die wassergefüllten Tretlöcher der Elefanten, den Baum, in dessen Rinde der Bär in übler Laune seine Krallen versenkte. Wir wissen von den Raubtieren. Hören die Zikaden, die für das typische Dschungelrauschen ihre Beinchen reiben. Und die Gibbonäffchen, die man nie orten kann. Es sei denn, sie schmeißen mit angebissenen Früchten. Wahrscheinlich gezielt. "Die orangefarbenen Früchte schmecken besonders gut im Wodka", sagt Nang und lutscht sie aus.

Nang ist großartig. Sie ist Anfang 30, hat langes, gelocktes Haar, untypisch für Thailänderinnen, "aber es ist wirklich echt". Sie trägt Zahnspange und lange, sehr lange Fingernägel. Sie sagt, sie lege sehr viel Wert auf ihre weiblichen Attribute und pflegt sie in wirkungsvoller Asymmetrie zu ihrem Extremzeitvertreib: Nang streichelt Spinnen, Nang lässt haarige Raupen über ihre Hand laufen, Nang geht die Bäume hoch. Nang macht einheimischen Männern Angst. "Ich werde so schnell keinen Freund finden", sagt sie.

Sie liebt die Natur und will sie zeigen, die Orchideen, die Schmetterlinge, die immergrünen Trocken-, Regen- und Nebelwälder, die Grassteppen. Nang scheut sich davor, Thailänder durch den Wald zu führen, weil sie so empfindlich reagieren, wie sie sagt. Thailänder reden leise. Rede man also lauter, klinge das wütend. Seien sie tatsächlich wütend, redeten sie trotzdem leise. Das ist Nang zu umständlich. Sie mag Deutsche. Die verstehen Englisch und machen alles mit.

Sie lässt uns keine Wahl, sie ist der Boss, setzt uns auf armdicke Lianen, schickt uns in hohle Bäume, macht uns auf gehörnte Spinnen aufmerksam. Nang selbst ist nicht leicht zu beeindrucken. Einer hat es dennoch geschafft. Leonardo di Caprio: Nicht weil er besonders gut aussieht. Mitnichten. Nang lacht. Er soll ein Teamworker sein, einer mit Anstand und Sinn für Abenteuer. Der Promi-Klatsch mitten im Regenwald klingt komisch, ein bisschen wie Reklame. Für diesen Baum zum Beispiel, auf den sie beide geklettert sind, damals, als er "The Beach" ganz in der Nähe drehte. Der Baum hätte diese Geschichte nicht nötig: Er ist einer dieser imposanten Riesen, die im Griff der Würgefeigen ums Überleben kämpfen. Der Haew-Suwat-Wasserfall, in dem Leo schwamm, ist übrigens auch nicht weit. Traumhaft, und dort am Ufer tut sich was im Gebüsch, endlich: Wir sehen was, was uns nicht sieht: keinen Schauspieler. Einen großen Waran.

Lage

Der Khao-Yai-Nationalpark liegt mit seiner größten Fläche in der Provinz Nakhon Ratchasima (Khorat), Teile liegen auch in Saraburi, Prachinburi und Nakhon Nayok. Er ist mit 2172 Quadratkilometern der drittgrößte Park des Landes.

Anreise

Etihad Airways, LTU, Condor und Emirates mit Zwischenstopp. Royal Brunei, Thai Air und Lufthansa nonstop.

Währung

Thailändischer Baht (THB): 1 € = 44 - THB

Unterkunft

Preiswerte Bungalows und Zimmer im Khao Yai Garden Lodge. Inhaber Klaus Derwanz bietet Touren durch den Dschungel an. Wer es luxuriöser mag, findet am Rande des Parks in Prachinburi und in Nakhon Ratchasima Hotels in jeder Preisklasse. Allerdings muss dann bei jeder Fahrt in den Khao Yai Maut bezahlt werden: 50 Baht fürs Auto, 200 Baht pro Erwachsenen.

Besonderheiten

Trekkingtouren führt Udon Jantboworn (Nang) von North by North East Tours. Neben mehrtägigen Touren bietet der Nationalpark auch Rundwege, die in mehreren Stunden zu bewältigen sind und Nachtsafaris.

Kontakt

Thailändisches Fremdenverkehrsamt, Bethmannstraße 58, 60311 Frankfurt,  Tel.: 069/13 81 390

Ina Henrichs

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