Warum das Kursbeben in der Schweiz dem Tourismus schadet

Die Abkoppelung des Franken von dem Euro hat weltweit Turbulenzen an den Finanzmärkten ausgelöst.
Die Abkoppelung des Franken von dem Euro hat weltweit Turbulenzen an den Finanzmärkten ausgelöst.
Foto: Oliver Berg
Was wir bereits wissen
Die plötzliche Aufhebung des Euro-Mindestkurses wird der Schweizer Tourismusindustrie schwere Zeiten bescheren. Pascal Brückmann erklärt, warum.

Essen.. Der 15. Januar dürfte für die Schweizer Tourismusindustrie als „schwarzer Donnerstag“ in die Geschichtsbücher eingehen: Mit der plötzlichen Aufhebung des Euro-Mindestkurses wurden nicht nur hunderttausende ausländische Urlauber verärgert, deren bereits gebuchter Ski- oder Sommerurlaub sich auf einen Schlag um rund 15 Prozent verteuert. Viel schlimmer noch: Mit der Entscheidung könnte die Schweiz als Ziel für Jedermann von der touristischen Landkarte verschwinden.

Selbst mit dem eingefrorenen Wechselkurs von 1,20 Franken pro Euro war das Preisniveau für Unterkünfte und Restaurants in der Schweiz schon viel zu hoch und nicht mehr wettbewerbsfähig. Fast nur noch Liebhaber konnten und wollten sich die Schweiz auf Grund der hohen Preise leisten, entsprechend sind die Übernachtungszahlen aus dem Nachbarland Deutschland seit Jahren rückläufig.

"Die Schweiz ist unbezahlbar"

Doch nun kommt es richtig heftig. Wenn eine Pizza oder ein Teller Spaghetti satte 30 Euro kostet, vergeht auch gut verdienenden Urlaubern der Appetit auf die Schweiz. Und wenn in einem Quartier für Rucksackreisende ein acht Quadratmeter großes Zimmer ohne Bad umgerechnet mehr als hundert Euro kostet, dann kommt man eben gar nicht mehr.

Die Schweizer Tourismuswirtschaft ist nun doppelt gekniffen. Nicht nur, dass die Zahlen ihrer ausländischen Gäste jetzt dramatisch einbrechen werden. Auch die Schweizer selbst werden noch mehr als ohnehin schon im für sie unglaublich günstigen Ausland ihren Urlaub verbringen und dafür das eigene Land meiden. Die Hoteliers in Bayern, Baden-Württemberg und Österreich gehören zu den großen Gewinnern und lassen gerade die Sektkorken knallen.

Um die Schweiz ist es jammerschade. Es gibt kaum ein schöneres und vielfältigeres Reiseland auf dieser Welt. Aber leider ist sie unbezahlbar geworden.