Warum das Fliegen trotz vieler Zwischenfälle sicher ist

Viel zu regeln: Towerlotsen überwachen das Flughafen-Rollfeld.
Viel zu regeln: Towerlotsen überwachen das Flughafen-Rollfeld.
Foto: DFS, VK/PD, H.-J. Koch
Eine Anfrage der Grünen im Bundestag legt nahe: Fliegen wird unsicherer. Aber stimmt das? Wir haben Heino Küster von der DFS gefragt.

Essen.. Nachdem die Fraktion der Grünen im Bundestag eine Anfrage zur Flugsicherheit ans Luftfahrtbundesamt gestellt hatte, wurde in den Medien zuletzt von einem Fünf-Jahreshoch für gefährliche Zwischenfälle berichtet. Tenor: Fliegen wird immer gefährlicher. Das Reise Journal wollte es genau wissen – und hat bei der Deutschen Flugsicherung (DFS) nachgehakt. Ein Gespräch mit Heino Küster, Leiter Ereignis-Management und Safety Performance bei der DFS.

Herr Küster, eine Anfrage der Grünen im Bundestag zur Flugsicherheit hat ergeben, dass es seit fünf Jahren nicht mehr so viele Zwischenfälle gab. Was ist da los am Reisehimmel?

Heino Küster: Der Bundestag hat eine Statistik vom Luftfahrtbundesamt bekommen. Diese erfasst alle von deutschen Fluggesellschaften gemeldeten Zwischenfälle. International allerdings.

In der Statistik ist also der Vogelschlag beim Start in Kenia genauso berücksichtigt, wie eine kritische Annäherung zweier Flugzeuge über dem amerikanischen Luftraum?

Küster: Ganz genau.

Aber die Meldung las sich, als sei das Fliegen über Deutschland unsicherer geworden.

Küster: Das hat ein Reporter zumindest daraus gemacht.

Aber ganz falsch ist die Meldung dennoch nicht. Denn 2014 gab es ja mehr Zwischenfälle. Weltweit zwar, aber Flugzeuge fliegen nun mal über Ländergrenzen hinweg, das ist ihr Sinn und Zweck.

Küster: Wir können nur den Luftraum über Deutschland bewerten. Wir arbeiten aber sehr eng mit unseren europäischen Partnern zusammen. Und da können wir von einem ähnlich bis gleich hohen Sicherheitsstandard ausgehen wie in Deutschland. Wie es über Afrika oder Südamerika aussieht, können wir von hier aus nicht beurteilen. Aber gehen wir mal davon aus, dass es da Unterschiede gibt.

Wie sieht denn die Sicherheitssituation konkret am Himmel über Deutschland aus?

Küster: Seit 1996 haben wir Sicherheits-Management-Systeme, die dazu geführt haben, dass die Zahl der Vorfälle stetig heruntergegangen ist. Und im Gegensatz zu den Erhebungen des Luftfahrtbundesamtes analysieren wir jeden bei uns gemeldeten Fall für sich – und bewerten ihn. Das reine Erfassen von Ereignissen sagt nicht unbedingt etwas über die Flugsicherheit aus. Seit 2008 kann übrigens jeder unsere Berichte auf der Website der Flugsicherung einsehen.

Die Deutsche Flugsicherung hat in den 80er Jahren einmal gesagt, dass bei einer Millionen Flugbewegungen pro Jahr die kritische Grenze erreicht sei. Heute sind wir bei drei Millionen Flügen. Ein Sicherheitsrisiko?

Küster: Ich bin seit 1974 bei der Flugsicherung. Ich kenne diese Aussagen. Und wir haben das damals auch geglaubt. Aber mit neuer Technik und neuen Verfahren konnten wir 1996 schon zwei Millionen Flüge betreuen. Und jetzt drei Millionen. Und ich kann Ihnen versichern: Wir haben heute einen Sicherheitsstandard, wie wir ihn in den 80ern nicht hatten.

Wie sieht es speziell mit dem Luftraum über NRW aus?

Küster: NRW, Hessen und Rheinland-Pfalz zusammengenommen bilden einen der komplexesten Luftverkehrsräume der Welt. Die Flughäfen Frankfurt, Köln-Bonn und Düsseldorf, alles große Flughäfen, trennen nur wenige Flugminuten. Aber die Sicherheit darf nicht zu kurz kommen. Das einzige Problem, das sich dann unvermeidlich auftut, ist die Lärmbelastung, weil Flugzeuge teilweise viel länger tief anfliegen müssen als in Gegenden mit nur einem Flughafen auf der vergleichbaren Fläche.

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