Urlaub in Frankreich - Der Charme der Normandie

Saint-Céneri-le-Gérei gehört zu der Vereinigung „Schönste Dörfer Frankreichs“.
Saint-Céneri-le-Gérei gehört zu der Vereinigung „Schönste Dörfer Frankreichs“.
Was wir bereits wissen
Um mehr deutschsprachige Gäste in die Normandie zu locken, hat der Tourismusverband mit der Gruppe „Charmante Hotels“ eine neue Initiative gestartet.

Saint-Céneri-le-Gérei.. Der pensionierte Banker Bernard le Royer führt oftmals durch sein 129 Einwohner-Dorf: Das verträumte Saint-Céneri-le-Gérei am Südrand der Basse-Normandie, das hoch über einer Flussschleife der Sarthe liegt, gehört zu Recht zur Vereinigung „Schönste Dörfer Frankreichs“. Bernard le Royer erzählt: Die unverputzten Häuser in den liebevoll restaurierten Gassen wurden aus den Steinen der zerstörten Festung gebaut und zeigen noch das Dorfbild von 1850. Auf der Spitze eines Felssporns steht die kleine Kirche mit romanischen Fresken und wuchtigem Vierungsturm. Der Ort war schon im 19. Jahrhundert eine ideale Kulisse für Maler. Berühmte Impressionisten kamen. Ihre weniger bekannten Nachfolger sind nicht nur in Ateliers zu bewundern, sondern auch in der „Auberge des Peintres“, wo früher ihre Bilder und Graffiti als Zahlungsmittel angenommen wurden.

Hier empfiehlt sich eine Verschnaufpause auf der Terrasse mit weitem Blick ins Dorf hinein. Viel Zuspruch erhält die Eierterrine Œufs cocotte mit Crème fraîche nach Großmutters Art. Anschließend wären am Ortsrand Philippe und Michèle Manson in ihrem ein Hektar großen Gartenareal zu besuchen.

Ein Weidegrundstück mit majestätischen Bäumen

Mit viel Liebe haben die beiden ein Dutzend thematischer Gartenräume geschaffen: neben dem Rosengarten etwa einen der Düfte, einen der Stille und einen gotischen Garten. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, berichtet Philippe, ein heiterer älterer Herr, der weiterhin seine Apotheke leitet, während Michèle durch die Gärten führt. 1986 haben sie das einzigartige Dorf entdeckt und dieses Weidegrundstück mit seinen majestätischen Bäumen. So sind sie hierher gezogen.

Der Tourismusverband Normandie hat mit der Gruppe „Charmante Hotels“ eine Initiative gestartet, um mehr deutschsprachige Gäste in die Region zu locken. Sie nennt sich „Willkommen in der Normandie“. Mit den derzeit 25 Hotels kann man auf Deutsch kommunizieren, per Mail wie an der Rezeption. Im ländlichen Frankreich fast eine Sensation! Zu dem Projekt gehört „Le Moulin de Connelles“. Nicht weit flussaufwärts von Rouen liegt dieses Minihotel an der gemächlich mäandrierenden Seine. Bis vor 100 Jahren eine Mühle, überbrückt dieses Vier-Sterne-Haus einen schmalen Seitenarm hin zu einer kleinen Privatinsel.

Gut genährte Kühe im Schatten

Mit blau gestrichenem Fachwerk, zahlreichen Türmchen, Holzbalkonen und Mansarden sowie den stilvoll eingerichteten zwölf Zimmern und Suiten schwebt dieses Haus als charmanter Traum über dem Wasser. Hotelchef Pierre Torello, früher Direktor im Pariser Hotel Ritz, erklärt bei romantischem Kerzenlicht in exzellentem Deutsch die Speisekarte, und fügt hinzu: „Vergessen Sie nicht unsere La Tatin de Pommes Caramélisée, einen normannischen Apfelkuchen!“

Zu der anspruchsvollen Vereinigung „Schönste Dörfer Frankreichs“ gehören in der ganzen Normandie nur fünf Dörfer. Auch das in der Mitte der Haute-Normandie gelegene 420 Seelen-Dorf Le Bec Hellouin. Typisch normannisch mit zweistöckigen Fachwerkhäusern, umgeben von hügeligen Weiden mit Apfelbäumen, in deren Schatten gut genährte Kühe. Das Zentrum des stillen Ortes ist die bereits im Spätmittelalter berühmte Benediktinerabtei mit dem strahlend weißen, weithin sichtbaren quadratischen Glockenturm. Gut besucht sind jeden Sonntag die gregorianischen Gesänge der Patres.

Infobox666-055.xml An der Mündung der Seine liegt das malerische Hafenstädtchen Honfleur, einst eine der Geburtsstätten des Impressionismus. Auch heute noch stehen die Künstler am Hafenkai und malen das Alte Bassin. Nur wenige Kilometer westlich liegt das kleine Seebad Villerville auf einer kleinen Anhöhe über dem Meer, über Treppen gut erreichbar. Von der Gartenterrasse des ruhigen Hotels „Le Bellevue“ ist das Spiel des Meeres mit Ebbe und Flut ausgezeichnet zu beobachten. Hotelier Roland Domen, ein Niederländer, spricht fast perfekt Deutsch. Mit seiner Sprachkenntnis habe er sich natürlich der Initiative „Willkommen in Frankreich“ angeschlossen. Im Gespräch über seine Vorbesitzer erzählt er, dass der Erbauer der Villa zu Ende des 19. Jahrhunderts der Direktor der Pariser Opéra-Comique war. Nun ist sie ein Drei-Sterne-Hotel mit vielen Stammgästen.

Normannische Verführung

Viel spektakulärer als in Villerville zeigt sich in nördlicher Richtung die Alabasterküste am Ärmelkanal. Besonders bei Étretat, wo gut 70 Meter hohe Kreideklippen den Ort einrahmen. Wie Celine Jean vom Tourismusverband beim Bummel über den Kiesstrand erklärt, haben die Impressionisten da oft ihre Staffeleien aufgestellt und die grandiose Szenerie festgehalten. Allein Claude Monet malte an diesem Ort rund 80 Gemälde. Diese Bilder der Maler haben dazu beigetragen, den Ort touristisch bekannt zu machen. Die spektakulären Felsformationen beflügelten immer die Fantasie. Der Dichter Victor Hugo sah in dem gewaltigen Felsbogen der Porte d’Aval „einen Elefanten, der seinen Rüssel ins Meer taucht“.

Solche Gedanken machen sich die Ziegen von Bernard Dhérbecourt nicht, auch wenn sie auf ihrer Grasweide die Klippen von Étretat in Reichweite haben. Er mache gern Führungen, nicht nur, um seine kluge Leitziege Equerre vorzuführen, erläutert der Hausherr schmunzelnd in gutem Deutsch. Er träume sogar in dieser Sprache. Bernard kennt alle 45 Tiere beim Namen: etwa die Gamìn, Idline, Farook und Erina. Sie liefern ihm die Milch für seinen in Feinschmeckerlokalen beliebten Rohmilchkäse „Le Valaine“. Der Ziegenhof rund um das Herrenhaus Manoir de Cateuil umfasst insgesamt rund 20 Hektar.

Nach dem Rundgang durch die Käserei stellt er den Gästen im Hofladen seine Zusatzprodukte vor. Hier beweisen Bernard und seine Frau viel Fantasie. Speiseeis aus Ziegenmolke und Früchten mit Zucker ist vorstellbar. Aber Pralinen? Als bei der Probe die edlen Stücke mit Benediktinerlikör oder Calvados langsam auf der Zunge zergehen, schmeckt man: Familie Dhérbecourt ist auf dem richtigen Weg – eine charmante normannische Verführung!