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Interview

Tui-Cruises-Chef über ein neues Kreuzfahrt-Schiff und das Costa-Drama

24.01.2012 | 08:31 Uhr
Tui-Cruises-Chef über ein neues Kreuzfahrt-Schiff und das Costa-Drama
Binnen vier Jahren wurde die Reederei Tui Cruises zum zweitwichtigsten deutschen Anbieter für Kreuzfahrtreisen.

Essen.  Die Reederei Tui Cruises hat sich binnen vier Jahren als zweitwichtigster Anbieter von Kreuzfahrtreisen etabliert. Pascal Brückmann sprach mit dem Geschäftsführer der Tui Cruises, Richard J. Vogel - über Erfolge, Pläne und die Auswirkungen des Costa-Concordia-Unglücks auf die Branche.

Ein Unternehmen schwimmt auf der Erfolgswelle. Die Reederei Tui Cruises hat sich innerhalb von nur vier Jahren auf dem deutschen Kreuzfahrtenmarkt als wichtigster Anbieter nach Aida Cruises etabliert. Wir sprachen mit Richard J. Vogel, Geschäftsführer Tui Cruises.

Nur vier Jahre nach Firmengründung haben Sie mit inzwischen zwei Schiffen im Jahr 2011 die magische Auslastungsgrenze von 100 Prozent geknackt – haben Sie auf dieses Ergebnis eigentlich schon angestoßen?

Richard J. Vogel: Explizit gefeiert wurde noch nicht, ein großes Dankeschön an die Mitarbeiter gab es aber natürlich schon. Aber das gute Ergebnis sorgt nicht für Übermut, wir gehen dankbar damit um. Und wir werden uns nicht darauf ausruhen, sondern sind weiter hungrig.

Sie gelten als sehr akribischer und detailverliebter Manager. Wie gefällt Ihnen in diesem Zusammenhang der Titel „Mister 100 Prozent“?

Vogel: Vom Grundsatz her möchte ich schon wissen, wie alles funktioniert. Ob ich wirklich in allen Themenfeldern immer die hundert Prozent erreiche, glaube ich eher nicht. Aber um maximalen Erfolg zu erreichen, muss man zunächst sich selbst und auch seinem Team hohe Ziele stecken. Insofern nehme ich den Titel gerne an (lächelt).

Erst im Mai 2014 können Sie das dritte Schiff in Dienst stellen. Wurden Sie vom eigenen Erfolg überrascht?

Vogel: Ein Neubau hat natürlich ganz andere Vorlaufzeiten als im Fall der umgebauten Gebrauchtschiffe. Aber natürlich könnten wir die zusätzliche Kapazität schon heute gut gebrauchen. Bei uns überwiegt dennoch die Vorfreude, schließlich sind es ab heute auch nur noch zwei Jahre und vier Monate bis zur Taufe...

Bedeutet das, dass in der Zwischenzeit die Gäste mit steigenden Preisen rechnen müssen, da ein knappes Angebot auf hohe Nachfrage trifft?

Vogel: Da bringen Sie mich auf eine Idee (lacht). Wir werden sicher das beste aus der Situation machen und uns nicht unter Wert verkaufen. Aber keine Sorge, wir werden nicht fahrlässig an der Preisschraube drehen. Wichtigster Maßstab bleibt ein adäquates Preis-Leistungs-Verhältnis.

Der Neubau wirft aber auch Fragen auf, beispielsweise nach der künftigen Positionierung. Wird Ihr neues Schiff über die bestehenden Schiffe gestellt?

Vogel: Durch die neue Hardware wird es selbstverständlich sichtbare Unterschiede geben. Aber hinsichtlich unserer Philosophie werden wir nichts ändern und erneut ein Wohlfühlschiff bauen.

Und die Preise? Wird das „neue Schiff“ für die Passagiere am Ende teurer als die „alten“ Schiffe?

Vogel: Eine zwangsläufige Teuerung gibt es nicht, wohl aber werden die Preise im Durchschnitt steigen. Das hängt schon allein damit zusammen, dass wir auf dem neuen Schiff über 80 Prozent Balkonkabinen haben und auf den bestehenden Schiffen nur rund 45 Prozent.

Welche bekannten „Mein-Schiff“-Elemente werden die Gäste wiederfinden?

Vogel: Es wird ebenfalls viele Rückzugsmöglichkeiten geben und selbstverständlich ein großes SPA. Dazu die Tui-Bar und die Blaue-Welt-Bar ebenso wie die Fine-Dining-Restaurants Richards und unser Steak-House. An einem klassischen Theater halten wir fest, dazu gibt es aber an unterschiedlichen Orten „Spielplätze“ für zusätzliches Entertainment.

Welche Neuerungen gibt es?

Vogel: Das Schiff wird so gebaut, dass es als echtes Zwölfmonatsschiff auch in Regionen eingesetzt werden kann, wo nicht immer nur die Sonne scheint. Wir beabsichtigen beispielsweise unsere Saisonzeiten für die Nordland- und Ostseetouren zu verlängern. Außerdem gibt es einen tollen neuen Bereich, der sich Große Freiheit nennt. Details und weitere Neuerungen möchte ich aber mit Blick auf den Wettbewerb noch nicht verraten.

Hinsichtlich des Namens „Mein Schiff“ spricht vieles dafür, die Serie fortzusetzen...?!

Vogel: Ja und nein. Als Marketingmann kann ich mir auch noch einmal einen Namenswettbewerb vorstellen. Das haben wir aber noch nicht entschieden. Wenn das Schiff am Ende „Mein Schiff 3“ heißt, wäre das aber definitiv keine Enttäuschung.

Die Entscheidung darüber, ob es einen zweiten Neubau gleicher Bauart gibt, soll noch in diesem Jahr getroffen werden. Wie ist der Stand der Dinge?

Vogel: Die Option dafür haben wir uns bis Ende Oktober gesichert, erst zu diesem Termin wird auch eine Entscheidung verkündet. In der Zwischenzeit tun wir alles dafür, dass unsere Anteilseigner diesem Vorhaben zustimmen.

Im kommenden Sommer sind Ihre Schiffe nahezu ausgebucht. Im Winter wagen Sie den Schritt nach Dubai. Kein leichtes Pflaster, oder?

Vogel: Dubai ist kein Frühbucher-, sondern eher ein Last-Minute-Ziel. Wir sind daher entspannt und machen uns derzeit keine Sorgen.

Die Nachwirkungen des arabischen Frühlings, die Unruhen in Syrien, dazu eine mögliche Iran-Krise – diese Themen sind doch nicht gerade verkaufsfördernd. Haben Sie einen Plan B?

Vogel: Wir haben grundsätzlich für jedes Fahrtgebiet eine Alternative in der Hinterhand.

Und wann bieten Sie eine klassische Weltreise an?

Vogel: Es ist ein Hobby von mir, meine Fahrplaner ab und zu darauf anzusprechen, die kriegen dann immer eine Krise (lacht). Logistisch ist eine Weltreise für ein Schiff mit zweitausend Passagieren eine riesige Herausforderung, allein wegen der Flüge. Ich will das Thema Weltreise aber für die Zukunft nicht ausschließen.

Welche Maßnahmen gedenken Sie in Folge des Schiffsunglücks der Costa Concordia zu ergreifen?

Costa-Concordia-Unglück
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Vogel: Die internationalen Bestimmungen schreiben die Seenotrettungsübung innerhalb der ersten 24 Stunden einer Reise vor. Tui Cruises führt die Übung bislang am ersten Morgen, also innerhalb der ersten zwölf Stunden, durch. Inzwischen haben wir uns entschieden, dass die Seenotrettungsübung noch am Anreisetag durchgeführt wird. Hierfür werden zurzeit neue Ablaufpläne erarbeitet.

Rechnen Sie aufgrund der schlimmen Costa-Katastrophe mit einem Dämpfer für die ganze Branche?

Vogel: Eine seriöse Antwort auf die Frage nach den Auswirkungen kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand geben. Wir analysieren mit Sorgfalt die Situation.

Pascal Brückmann

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