Tourismus-Projekt "Greetland" entzweit ostfriesisches Dorf Greetsiel
12.10.2011 | 08:45 Uhr 2011-10-12T08:45:00+0200
Greetsiel. An sich ist das ostfriesische Fischerdorf Greetsiel sehr idyllisch. Doch nun hat ein Streit um ein 82 Millionen Euro teures Bauprojekt die Beschaulichkeit vertrieben. "Greetland" spaltet die Bewohner der Region, die Gegner fürchten um die Natur.
Mit Postkarten-Idylle und romantischer Beschaulichkeit ist es im ostfriesischen Fischerdorf Greetsiel vorerst vorbei. Statt frischer Brise herrscht dicke Luft. Die Heerscharen von Touristen werden schon weit vor dem Dorf mit großformatigen Protest-Plakaten empfangen. "Keine Bettenburgen" oder "Greetsiel: Verraten und verkauft?" steht in Handschrift auf den Bannern. Stein des Anstoßes ist das 82 Millionen Euro teure Projekt "Greetland".
Investor Kay Schwarz aus Dresden und seine "Greetland Projektentwicklungsgesellschaft" wollen den Wohn- und Freizeitpark am Ortsrand von Greetsiel bauen. Auf 85.000 Quadratmetern sollen Ferienwohnungen, ein Vier-Sterne-Hotel mit Restaurant, Schwimmbad, Spielscheune und eine Wasserburg als architektonisches Highlight entstehen. Geplant sind fast 1.200 Betten. Noch ist von "Greetland" nichts zu sehen. Wo künftig 20.000 Autos pro Jahr anrollen sollen, steht eine grüne Wiese. Petrus Boomgaarden hat das Projekt aber schon vor seinem geistigen Auge: "Greetland bedeutet Massentourismus. Das passt nicht zu uns", sagt der Sprecher der Bürgerinitiative "Stopp Greetland". "Außerdem geht dieser schöne Blick verloren", ergänzt der 63-Jährige und zeigt auf den fünf Kilometer entfernten Kirchturm in Pilsum.
"Eines der schönsten Dörfer an der deutschen Küste"
Mehr als 15.000 Unterschriften gegen den Park hat die vor zwei Jahren gegründete Bürgerinitiative gesammelt. Ihre 100 Unterstützer verfolgen ganz unterschiedliche Ziele. "Wir sind eines der schönsten Dörfer an der deutschen Küste. Unsere Stammgäste lieben die Ruhe und die beschauliche Landschaft. Sie würden nicht mehr kommen, wenn Greetland gebaut wird", ist Ute Keller überzeugt. Die 57-Jährige betreibt gemeinsam mit ihrem Mann ein Hotel im Zentrum. Feriengäste nimmt auch Diane Saathoff auf. Die 50-Jährige bewirtschaftet gemeinsam mit ihrer Familie einen landwirtschaftlichen Betrieb in unmittelbarer Nähe des Großprojektes. Sie befürchtet einen Preiskampf und ein touristisches Überangebot.
Gegen die Zerstörung des Landschaftsbildes und des dörflichen Charakters kämpft der Diplom-Ingenieur und Ratsherr der Freien Bürgerliste, Henning Paulsen. Außerdem möchte er einen "drohenden Verkehrsinfarkt" in den umliegenden Dörfern vermeiden. Neben Widerstand gibt es aber auch Zustimmung. "Ich finde das Konzept toll", sagt Carsten Nowak. Er hat flugs die Initiative "Pro Greetland" gegründet. 35 Mitstreiter hat er nach eigenen Angaben schon gewonnen. "Greetland" bringe Arbeitsplätze, ein besseres Angebot für Familien und Ganzjahrestourismus nach Greetsiel, begründet der 43-jährige Tourismusdienstleister seine Initiative.
Ergebnis erst bei Wahlbeteiligung von 35 Prozent bindend
Viel zu sagen haben sich die beiden Aktionsgruppen nicht mehr. Nach nur einer Sitzung verließ die Bürgerinitiative den "Runden Tisch". "Ein Konsens war nicht möglich", begründet Boomgaarden den Schritt. Immerhin bleibt es friedlich. "Es ist kein Krieg, es ist ein Disput. Wir gehen nicht mit Knüppeln aufeinander los", sagt Nowak. Stattdessen warten Befürworter und Gegner mit Spannung auf den 20. November. Für jenen Sonntag hat der Rat der Gemeinde Krummhörn, zu der auch Greetsiel gehört, eine Bürgerbefragung angesetzt. Die Zukunft von "Greetland" liegt in den Händen von 10.600 Wahlberechtigten. Bei einer Wahlbeteiligung von mindestens 35 Prozent hat das Ergebnis bindenden Charakter. Darauf hat sich eine interfraktionelle Arbeitsgruppe geeinigt, sagt Gemeindebürgermeister Johann Saathoff (SPD). Saathoff ist Befürworter des Tourismusprojektes. "Ich habe alle Argumente abgewogen. Das Ergebnis spricht klar für Greetland", sagt er. Vom Ergebnis der Bürgerbefragung erhofft sich Saathoff, "dass die Diskussion endet".
Diese Hoffnung ersticken die Gegner aber bereits im Keim. "Am schönsten wäre es natürlich, wenn die Bürger dagegen stimmen", sagt Petrus Boomgaarden. Weitere politische oder rechtliche Schritte im anderen Fall will er aber nicht ausschließen. Investor Schwarz hat das Areal bereits aus einer Insolvenzmasse herausgekauft. Noch in diesem Jahr soll der überarbeitete Bebauungsplan ausgelegt werden. Sollte das Wahlergebnis pro "Greetland" ausfallen, könnten in zwei Jahren die ersten Gäste einziehen. Mindestens bis dahin würden die Plakate des Widerstands das Ortsbild prägen. (dapd)
13:48
Ich kann mich meinen Vorschreibern nur anschließen. Die ganze Gegend würde zu Grunde gerichtet. Hat man von Mallorca nicht gelernt? Und der Investor kommt aus Dresden? Schöne Gegend, aber Weltkulturerbe schon aberkannt wegen der tollen Brücke. Jetzt soll wohl Ostfriesland dran glauben. Na danke!
12:04
Erhaltet bitte die idyllische, ruhige Landschaft. Nichts ist schöner und erholsamer als Natur pur.
Kein Wellnesspalast kann hier mithalten!!!!
11:14
Da braucht man doch nur mal ein paar Dörfer weiter fahren, dann sieht man das schon.
09:27
Um Himmels Willen, erhaltet bloß die Natur der ostfriesischen Küstenlandschaft! Was Massentourismus anrichtet sieht man im Mittelmeerraum zur Genüge.
Die Küste mit ihrer ganz besonderen Ausstrahlung und dem besonderen Charakter ihrer Bewohner darf nicht den Interessen geldgieriger, profitgeiler Investoren geopfert werden.