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Big Five der Meere: Deutscher Autohersteller engagiert sich

Südafrika: Auge in Auge mit dem Weißen Hai

27.01.2015 | 17:43 Uhr
Für Öko-Touristen: Der Weiße Hai kommt in Gaansbaai ganz nah
Für Öko-Touristen: Der Weiße Hai kommt in Gaansbaai ganz nah

Nirgendwo auf der Welt kommt man Walen und dem Weißen Hai so nahe wie in der Walker Bay vor Gaansbaai in Südafrika. Die Idee dazu hatte ein Mann, der sich für die Erhaltung der Big Five des Meeres einsetzt. Einer seiner Partner ist die südafrikanische Tochter des VW-Konzerns.

Natalie ist ein Weibchen, bei dem die Verniedlichung des Geschlechts nicht zwingend angebracht ist. Jedenfalls möchte man ihr nicht begegnen, und wenn schon, dann mit respektvollem Abstand. Vier Meter lang, ein Körper aus Stahl, die Zähne scharf wie Rasierklingen. Natalie ist ein Weißer Hai, schwimmender Bewohner der Walker Bay in Südafrika und als solcher Forschungsobjekt des Dyer Island Conservation Trust. Die Organisation hat sich dem Schutz der Big Five des Meeres verschrieben, zu denen bekanntlich Wale, Delfine, Robben und Pinguine gehören - und Haie.

Das Besondere an Natalie wiederum ist, dass sie einen GPS-Sender unter der Haihaut trägt, den ihr jene Mitarbeiter des Trusts mittels einer Handharpune vom Boot aus eingepflanzt haben, die sie auch tauften. Die Wissenschaftler wollen mehr über die Meeresspezies erfahren, die spätestens seit Steven Spielbergs Horrormovie aus den Siebzigern als unersättliches Killermonster gebrandmarkt ist. Völlig zu unrecht. Schon eher sind Weiße Haie Rennmaschinen der Weltmeere. Innerhalb eines Jahres hatte Natalie nach Senderangaben 22.000 Kilometer zurückgelegt. Unter anderem war sie mal schnell in Australien.

Kleinbaai bei Gaansbaai, 170 Kilometer südöstlich von Kapstadt. Die kleine Gemeinde mit ein paar versprengten Häusern nennt sich stolz "White shark capital of the world", was sich zwar lustig anhört, aber so falsch nicht ist. Nicht nur, dass sich alles - Great White Junction, Great White House, White Shark Guestroom usw. - um den Weißen Hai dreht; das Meer zwischen der Küste und der acht Kilometer entfernten Insel Dyer Island ist Hoheitsterritorium des Big White. Die Populationszahl schwankt zwischen 800 und 1000 Exemplaren. Tendenz steigend. Denn bereits 1991 von der südafrikanischen Regierung zum Haischutzgebiet erklärt, ist das Gewässer um Dyer Island Sicherheitszone für den weltweit gejagten Weißen Hai. Warum sich gerade dort so viele tummeln? Weil gleich neben Dyer Island rund 60.000 Seelöwen auf Geyser Rock leben. Jeder von ihnen ein potentieller Haihappen.

Nach Gaansbaai zum Whale Watching und Shark Diving

Der Mann hinter dem Dyer Island Conservation Trust, Gründer und Chef zugleich, ist Wilfred Chivell, 56. Aufgewachsen in der Gegend, ausgezogen, um Selfmade-Millionär als Bauunternehmer zu werden, nach der großen Immobilienkrise in den Neunzigern pleite zurückgekehrt. Frau, Villa, Luxusautos - alles weg. Dann der Neustart. "Ich war der Erste", erzählt der schnauzbärtige Macher, "der 1999 eine Lizenz für das Whale Watching beantragte." Chivell löste damit einen Boom aus, der die Walker Bay um Gaansbaai weltberühmt machte. Zwischen Juni und Dezember paaren sich Hunderte von Südlichen Glattwalen in der Bucht, Walkälber werden geboren und verbringen ihre ersten Monate dort, bevor sie kräftig genug sind, sich auf den langen Weg in die Antarktis zu machen. Dies alles unter den Augen von zigtausenden faszinierten Touristen aus aller Welt. Aus dem einstigen Fischerdorf Gaansbaai mit knapp 1.000 Einwohnern wurde so ein Städtchen mit über 12.000 Wal-Profiteuren, und aus Wilfred Chivell wieder ein wohlhabender Mann.

Einer freilich, der sich nicht ausruhte. 2005 stieg er ins Hai-Business ein. Wieder war keiner vor ihm da. Darauf ist er stolz: "Ich gründete die erste Shark-Company der Welt." Zum Schutz für den Weißen Hai. "Weltweit handeln 174 Ländern mit Haiprodukten," beklagt Chivell. "Dabei ist der Hai nur 100 Dollar wert, wenn er als Haifischflossensuppe in der Dose landet. Aber zwei Millionen Dollar, wenn er Öko-Touristen anlockt." Sein Geschäftsmodell: Hai-Lights für Touristen. Den Big White aus nächster Nähe betrachten. Entweder vom Boot aus, oder unter Wasser in einem Gitterkäfig. 25.000 Neugierige taten das im letzten Jahr, und sie spülten nicht nur der Konkurrenz, sondern hauptsächlich der "Marine Dynamics Shark Tours" eine Menge Geld in die Kassen. So heißt Chivells schwankendes Freilufttheater, die Nummer 1 am Platz. Und das ist auch gut so, weil die Company Zweck zum Selbstzweck ist und die Erlöse in den Conservation Trust fließen.

Um dessen vielfältige Aufgaben zu finanzieren, reichen die Einnahmen freilich lange nicht. 57 Angestellte wollen bezahlt werden, und auch die 250 Volunteers, die freiwilligen Helfer, die jedes Jahr aus allen Teilen der Welt kommen, erhalten eine Vergütung. Deshalb sind Sponsoren für die gute Sache gefragt. Volkswagen South Africa ist einer von ihnen, stellt u. a. ein halbes Dutzend Touaregs und Polos als Dienstfahrzeuge, und sie bezahlt den Treibstoff für die Bootsmotoren. Seit 2011 engagiert sich die Tochter des Wolfsburger VW-Konzerns mit Werk und Firmensitz in Uitenhage bei Port Elizabeth für den Dyers Conservation Trust, und wenn Wilfred Chivell über seinen Förderer spricht, dann sind das nicht die üblichen Floskeln, verpackt in netten Worthülsen: "Unsere Projekte brauchen Zeit. Deshalb bin ich an Partnerschaften interessiert, die uns über einen längeren Zeitraum unterstützen. Volkswagen ist solch ein Partner. "

Neues Reha-Zentrum für Pinguine und Seevögel

Auch beim jüngsten Projekt des Trusts sind die Autobauer mit dabei. In diesen Tagen stellen Bauarbeiter und Handwerker zwei Kilometer von Kleinbaai entfernt ein Rehabilitationszentrum für Pinguine und Seevögel fertig. Noch im Februar soll es eingeweiht werden. Das Schicksal der Afrikanischen Pinguine, von denen eine 1000-köpfige Kolonie auf Dyer Island lebt, ist Wilfred Chivall ein besonderes Anliegen. "Noch vor hundert Jahren", beklagt er, "lebten rund 750.000 von ihnen in Südafrika. Mittlerweile sind es nur noch 18.000." Im Rehazentrum von Kleinsbaai, in dem es neben einem OP-Raum auch ein eigenes Labor gibt, sollen künftig kranke und verletzte Tiere aus diesem Teil des Western Capes ärztlich versorgt und gepflegt werden. Aufgespürt und eingesammelt werden sie von Fahrzeugen des Sponsors, der sich zusätzlich mit einer halben Million Rand an dem Vier-Millionen-Projekt beteiligte.

Für Tierlieberhaber mit einem Herz für Pinguine geht Hilfe auch ein paar Nummern kleiner: Vor ein paar Jahren hatte Wilfred Chivell die geniale Idee mit den Nestern. Das Pinguin-Fertighaus aus Kunststoff ist so groß wie ein halbes Fass und schützt den Nachwuchs ideal vor der Witterung oder Angriffen von Raubvögeln. Es kostet 400 Rand, das sind aktuell umgerechnet gerade mal 30,17 Euro. Weitere Informationen: Dyer Island Conservation Trust, www.dict.org.za

(mabo/spot) (SpotOn)

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2015-01-27 17:43
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