Seit 25 Jahren lockt die Deutsche Fachwerkstraße Reisende an

Die Fachwerkstraße soll das kulturelle Erbe des Fachwerks erhalten und den Tourismus in den Mitgliedsstädten fördern.
Die Fachwerkstraße soll das kulturelle Erbe des Fachwerks erhalten und den Tourismus in den Mitgliedsstädten fördern.
Foto: Kurverwaltung Bad Waldsee
Was wir bereits wissen
Marktplätze, umrahmt von prächtigen Fachwerkbauten gibt es in Hessen häufig. Seit 25 Jahren lotst die Deutsche Fachwerkstraße Reisende direkt dorthin.

Frankfurt/Main.. Es geht vorbei an mittelalterlichen Rathäusern, Patrizierbauten und schmucken Fassaden. Die Deutsche Fachwerkstraße führt Touristen durch fast 100 Altstädte und 700 Jahre Bau- und Kulturhistorie. "Fachwerkhäuser leben weiter. Man kann sie besichtigen und Geschichte erleben", sagt Marlies Siemon von der Geschäftsstelle der Deutschen Fachwerkstraße in Fulda. Seit 25 Jahren gibt es diese Route nun, die sich mittlerweile auf rund 3000 Kilometern von der Elbe bis zum Bodensee windet und auch mehr als 30 hessische Kommunen miteinander verbindet.

Die Fachwerkstraße ist eine Arbeitsgruppe der vor 40 Jahren gegründeten Arbeitsgemeinschaft Deutscher Fachwerkstädte. Zu den Zielen gehört, das kulturelle Erbe des Fachwerks zu erhalten sowie den Tourismus in den Mitgliedsstädten zu fördern. Es gehe darum, "den sanften Tourismus, ökologische Bauweise, Tradition und lebendige Moderne zu verknüpfen". Anlässlich des Jubiläums gibt es am Samstag (13. Juni) einen "Tag des Fachwerks" mit besonderen Führungen in mehreren Städten.

Hessens Holzkonstruktionen faszinieren Experten

Hessen ist reich an den prächtigen Holzkonstruktionen, die nicht nur Besucher faszinieren, sondern auch die Expertenwelt: "An Fachwerkbauten lassen sich die typischen Merkmale einer Region, einer Epoche und der technische Fortschritt ablesen", erklärt Roswitha Kaiser, Landeskonservatorin beim hessischen Landesamt für Denkmalpflege. Sie geben zudem Hinweise auf die Bauherren, etwa dann, wenn sich diese mit Inschriften verewigten.

Gerade die Häuser zur Blütezeit des Fachwerkbaus um das 16. Jahrhundert zeigen Kaiser zufolge das Repräsentationsbedürfnis der Erbauer oder Eigentümer. Daher könne man an den Gebäuden auch die frühere Sozialstruktur von Städten ablesen.

Wie im Städtchen Idstein (Rheingau-Taunus-Kreis), das einen denkmalgeschützten Ortskern besitzt und nach eigenen Angaben zu den Mitbegründern der Regionalstrecke "Vom Westerwald über Lahntal und Taunus zum Main" der Fachwerkstraße gehört. "Unsere Altstadt ist unser Aushängeschild, das ist das, was Idstein ausmacht", sagt Marianne Diefenbach, die Leiterin der Tourist-Info. Insbesondere für einen kleinen Ort sei die Zugehörigkeit zur Fachwerkstraße wichtig, "weil wir dadurch eine Plattform genießen, die über unseren Radius hinausreicht, gerade was die Werbung angeht." Die Route sei ja ein "Label, fast wie eine Marke".

Besucherzahl wird nicht gemessen

Wie viele Besucher deswegen in die Stadt kommen, sei schwer messbar, sagt Diefenbach weiter. Eine Statistik darüber gebe es nicht. "Gefühlt" sei es ein hoher Prozentsatz, gerade Wohnmobilfahrer machten in Idstein Station.

Auch Erbach im Odenwald führt keine Statistik, wie viele Besucher dank der Zugehörigkeit zur Straße anreisen. Dennoch lohne es sich, dabei zu sein. "Es ist wichtig, Präsenz zu zeigen", sagt Frank Reubold, der Leiter des Stadtmarketings. Das ist natürlich nicht umsonst, die Kommunen zahlen Beiträge für ihre Mitgliedschaft.

Vor einiger Zeit gab es daher auch Diskussionen, diese angesichts der Erbacher Finanzlage zu beenden, wie Reubold weiter berichtet. Es seien damals alle Mitgliedschaften der Kommune grundsätzlich auf den Prüfstand gestellt worden. Die einhellige Meinung sei dann gewesen, auf jeden Fall weiterhin zur Fachwerkstraße gehören zu wollen. Die Mitgliedschaft sei wichtig für den Tourismus in der Stadt.

Trotz aller Aufmerksamkeit drohen den historischen Fachwerkhäusern auch Gefahren: "Der demografische Wandel macht nicht Halt vor hessischen Fachwerkdörfern", sagt Expertin Kaiser. Gerade in einigen ländlichen Gebieten gebe es Leerstand - oder es komme zum Abriss. Und auch in den Städten stehen demnach manche Gebäude leer. Einige Fachwerkhäuser seien heutzutage zum Wohnen nicht mehr so attraktiv, vermutet Kaiser als einen der Gründe. Wegen der Enge, des gestiegenen Komfortbedürfnisses - oder weil die Menschen heute schlicht größer sind als die Bauherren anno dazumal.(dpa/lhe)