Sechstes Todesopfer von Costa Concordia geborgen
16.01.2012 | 06:56 Uhr 2012-01-16T06:56:47+0100
Giglio.Die Zahl der Toten des Schiffsunglücks vor der Toskana-Küste ist auf sechs gestiegen. Kurz vor Morgengrauen sei die Leiche eines weiteren Passagiers von Bord der "Costa Concordia" geborgen worden, berichtete das italienische Fernsehen am Montag. Damit werden noch neun Passagiere und fünf Besatzungsmitglieder vermisst. Unter den Vermissten ist auch ein Ehepaar aus Hessen. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Offenbach bestätigte am Montagmorgen, dass eine Frau ihre aus Mühlheim am Main stammenden Eltern als vermisst gemeldet hat. Das Ehepaar im Alter von 71 und 72 Jahren war als Teilnehmer der Kreuzfahrt der "Costa Concordia" registriert.
Bergungsmannschaften haben am Morgen vor der italienischen Küste die Suche nach den noch vermissten Passagieren und Besatzungsmitgliedern des Kreuzfahrtschiffs "Costa Concordia" fortgesetzt. Mehr als zwei Tage nach dem Kentern des Schiffes wurden immer noch 15 Menschen vermisst. Die Reederei warf unterdessen dem Kapitän schweres Fehlverhalten vor. Das Schiff sei viel zu nah an der Küste entlanggefahren, räumte die Reederei ein. Der Kapitän sitzt seit Samstag in Untersuchungshaft.
Reederei distanziert sich von Kapitän der "Costa Concordia"
Unterdessen wurde mit den Vorbereitungen für ein Leerpumpen der Öltanks der "Costa Concordia" begonnen. Die niederländische Bergungsfirma Smit sei vom Eigner und dem Versicherer des Kreuzfahrtschiffs mit den Pumparbeiten beauftragt worden, sagte ein Sprecher des Smit-Mutterkonzerns Boskalis Westminster am Sonntag.
Nach der Havarie des Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" vor der toskanischen Küste verdichten sich Hinweise auf schwere Fehler des Kapitäns.Die Reederei Costa Crociere schloss menschliches Versagen als Unglücksursache nicht aus. "Die Route des Schiffes führte offenbar zu nahe an der Küste vorbei, wobei sich die Einschätzung des Kapitäns für einen Notfall nicht mit den von Costa vorgegebenen Standards deckte", erklärte die Reederei in der Nacht zum Montag. Die "Costa Concordia" mit rund 4200 Menschen an Bord - darunter hunderte Deutsche - war Freitagnacht auf Felsen gestoßen und gekentert. Der Käpitän sitzt seit Samstag in Untersuchungshaft. Costa ist ein Tochterunternehmen des Kreuzfahrtkonzerns Carnival Corporation & plc.
Kapitän soll Schiff weit vor den letzten Passagieren verlassen haben
Ein Vertreter der italienischen Küstenwache sagte, Kapitän Francesco Schettino sei bereits zu einem Zeitpunkt an Land gesehen worden, als die Evakuierungsaktion noch in vollem Gange gewesen sei. Die Küstenwache habe ihn aufgefordert, seiner Pflicht nachzukommen und zu dem sinkenden Schiff zurückzukehren, sagte Francesco Paolillo. Der Kapitän habe dies aber ignoriert.
In einem Interview hatte sich Schettino am Sonntag gegen Vorwürfe gewehrt, er habe das Schiff bereits verlassen, als sich noch Passagiere an Bord befunden hätten. "Wir waren die letzten, die das Schiff verlassen haben", sagte er. Passagiere hatten dem bereits widersprochen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Schettino wegen fahrlässiger Tötung, Verursachung eines Schiffbruchs und wegen des Verlassens des Schiffs vor anderen.
Die Betreibergesellschaft Costa Crociere mit Sitz in Genua räumte am Sonntagabend ein, es habe den Anschein, dass der Kapitän fehlerhafte Entscheidungen getroffen habe. Er sei anscheinend zu nahe an die Küste gefahren und von den vorgegebenen Evakuierungsprozeduren abgewichen, hieß es laut Medienberichten in einer Erklärung des Unternehmens. Costa äußerte "sein tiefstes Bedauern über diesen schrecklichen Unfall".
Bisher drei Menschen aus Schiffsrumpf der "Costa Concordia" lebend gerettet
Taucher der Küstenwache fanden am Sonntag in dem Kreuzfahrtschiff zwei weitere tote Passagiere. Damit stieg die Zahl der bestätigten Todesopfer am Sonntag auf fünf, nachdem kurz nach dem Unglück bereits drei Leichen geborgen worden waren. Bei der Havarie der "Costa Concordia" wurden zudem mehrere Deutsche verletzt. Das Auswärtige Amt sprach am Sonntag von zehn Verletzten, die in Krankenhäusern behandelt, mittlerweile aber schon wieder entlassen worden seien.
Außerdem gab es bis Sonntagabend zu einigen Deutschen keinen Kontakt. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass es noch deutsche Todesopfer geben könnte, hieß es. Unter den 4200 Passagieren und Besatzungsmitgliedern aus mehr als 60 Ländern waren 566 Deutsche. Die meisten von ihnen seien bereits mit Flugzeugen oder Bussen wieder nach Hause gebracht worden, sagte der Sprecher von Costa Kreuzfahrten, Werner Claasen, am Sonntag.
Die ARD-"Tagesthemen" berichteten, eine Frau aus Hessen habe sich gemeldet, weil sie bisher keinen Kontakt zu ihren Eltern gehabt habe. Außerdem habe ein Reiseleiter aus Baden-Württemberg noch nicht mit zwei Mitgliedern seiner Reisegruppe sprechen können.
Über die Nationalität der beiden am Sonntag gefundenen Toten wurde zunächst nichts bekannt. Die Behörden teilten lediglich mit, die Leichen von zwei in Rettungswesten gekleideten älteren Menschen seien an einem Treffpunkt für die Evakuierungsaktion nahe dem Schiffsrestaurant entdeckt worden. Drei Menschen wurden am Samstag und Sonntag lebend aus dem Wrack gerettet: ein frisch verheiratetes Ehepaar aus Südkorea und ein italienisches Besatzungsmitglied. (afp/rtr/dapd)
19:04
Technik hilft, Personal nicht
An diesem Unglück sieht man ganz klar:
Was zählt ist die Technik, nicht das Personal!
Natürlich ist es ziemlich lächerlich, sowas mit dem Titanic-Unglück zu vergleichen: Damals gabs viel Personal - aber ohne Technik konnten die nicht viel ausrichten!
Heute gibts genug Technik, da braucht man kein Personal.
Mein Rat:
jeder, der in ein Schiff, ein Flugzeug, Bus, Tunnel oder was auch immer einsteigt, sollte mal schauen, wo die Notausgänge, Rettungsboote, Schwimmwesten, Feuerlöscher usw. sind.
Untersuchungen zeigen, dass bei Bränden hauptsächlich Frauen und Kinder sterben, während Männer sich und Andere retten. Da sollten insbesondere die Frauen und Kinder also am besten zu Beginn der Reise sich die Einrichtungen erklären lassen.
Jeder sollte wissen, wie man eine Schwimmweste, einen Feuerlöscher usw. bedient.
Jeder sollte sich im Falle des Falles selbst eine Schwimmweste anziehen und ins Rettungboot begeben, falls er nicht gerade schwer verletzt oder behindert ist.
Sie suchen Spezialrettungswesten für Kinder?
Sprechen Sie das Personal am besten bereits zu Beginn der Reise an. Zur Not bringen Sie Ihre eigenen Schwimmflügel mit. Aber auch eine große Rettungsweste ist für Kinder besser als gar keine.
Und natürlich sollte man nicht einfach springen.
Näheres lesen Sie in meinem Beitrag:
"Aids ist Völkermord" zum Weltaidstag:
http://www.rp-online.de/panorama/deutschland/27000-neue-hiv-infektionen-in-europa-1.2622850?commentview=true
Christian_D
10:29
Man möchte es kaum glauben, das Kaptain und wohl auch der 1. Offizier so bescheuert waren um diese waghalsige Aktion zu begehen.
Wenn es ein Film wäre, wäre es ein ziemlich schlechter und jeder würde sagen "sowas kann im normalen Leben doch NIE passieren"... tja, wohl eben doch...
09:10
Wie kann ein so großes Schiff so nah am Ufer vorbeifahren wollen? Eigentlich nur, wenn der Kapitän so besoffen war, dass er glaubte, in einem Tretboot zu sitzen.