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Schnupperkreuzfahrten in die Karibik - Zwischen Party-Rausch und Ruhe

13.02.2012 | 08:47 Uhr
Schnupperkreuzfahrten in die Karibik - Zwischen Party-Rausch und Ruhe
Das Studenten ihren Spring Break auf einem Kreuzfahrtschiff feiern könnten, darüber sollte man sich vor der Buchung einer Schnupperkreuzfahrt Gedanken machen.

Miami.  Wer eine Kurzkreuzfahrt bucht, die zwar mit "modänen und doch entspannten Abiente" im Prospekt angepriesen wird, sollte sich dennoch auf vieles gefasst machen. Gerade Schnupperkreuzfahrten von Miami aus ziehen auch Partyvolk an.

Die Polonaise ist der Gipfel des Party-Rauschs: vier hübsche Tänzerinnen voraus, die angesäuselte Masse hinterher. Die halbleere Pina Colada kommt mit auf den Schunkelmarsch rund um den Pool des Kreuzfahrtschiffs . Nur die sieben Studenten, jeder mit einer Alu-Bierflasche Budweiser in der Hand, bleiben faul im Whirlpool sitzen.

Wer den Reiseprospekt der Kreuzfahrtgesellschaft gelesen hat, reibt sich verwundert die Augen: Eigentlich ist da die Rede von einem „mondänen und doch entspannten Ambiente“. Von Kreuzfahrten „für anspruchsvolle Trendsetter mit eleganten Restaurants für Feinschmecker“. Eigentlich. Denn auf Kurzkreuzfahrten vom südlichen Florida in die Karibik oder zu den Bahamas ist vieles anders. Da wird die gediegene Fahrt mit einem Edel-Schiff schon mal zur fröhlichen Party, und in den noblen Shops an Bord gibt es Wühltisch-Schlussverkauf mit Shopping-Animateuren.

Schiffe
Schnupperkreuzfahrt

Die Schiffe: Vier US-Kreuzfahrtgesellschaften bieten Karibik-Kurztrips an:

Royal Caribbean ( 069/92 00 71 55, www.royalcaribbean.de) mit je einem Schiff von Miami, Fort Lauderdale, Port Canaveral und Tampa aus.

Carnival Cruises ( 089/51 70 31 30, www.carnivalcruiselines.de) mit derzeit acht Schiffen in vielen Häfen Floridas, Alabamas und Texas.

Norwegian Cruise Line ( 0611/3 60 70, www.ncl.de) mit der „Norwegian Sky“ ab Miami.

Celebrity Cruises ( 069/92 00 71 55, www.celebritycruises.de) mit der „Celebrity Century“ ab Miami. Letztere dürfte einigen Kreuzfahrtgästen vertraut sein – ein baugleiches, etwas modifiziertes Schiff fährt bei TUI Cruises ( 040/2 86 67 71 11, www.tuicruises.com) unter dem Namen „Mein Schiff 1“.

Deutsche Florida-Urlauber buchen trotzdem gern diese Vier- oder Fünf-Tage-Kreuzfahrten ab Miami oder Fort Lauderdale – meist ohne vorher zu wissen, worauf sie sich einlassen. Bei einem Strandurlaub in Südflorida drängt es sich geradezu auf, für wenig Geld einmal eine Kreuzfahrt auszuprobieren. Schnupper-Kreuzfahrt nennen Reisebüros das. Miami-Cozumel-Miami in vier Tagen kostet oft nur 200 Euro pro Person – günstiger als ein Hotel an Land. Wer weiß, was er tut, der kann hier Kreuzfahrten zum Schnäppchenpreis genießen. Doch wer zum ersten Mal eine Seereise ausprobieren will, bekommt hier einen recht verzerrten Eindruck. Und je kürzer und billiger ein solcher Trip ist, desto weniger typisch ist das wohl das Kreuzfahrterlebnis.

Die Profis buchen gerne mal eine Kategorie höher

Profis buchen bei Kurztrips ab Miami oder Fort Lauderdale daher mindestens eine Kategorie höher als gewöhnlich. Statt Mittelklasse bietet sich ein Schiff der gehobenen Mittel- oder unteren Premium-Klasse an. Wenn im Reederei-Prospekt die Rede von Partystimmung am Pool ist, dann ist die auf einer Kurzkreuzfahrt besonders ausgeprägt. Preist der Prospekt dagegen ein gediegenes Ambiente an, fällt die Pool-Party deutlich gemäßigter aus. USA-Profis wissen außerdem: Von Mitte Februar bis Ende April ist Spring Break, die Ferien an den amerikanischen Universitäten. In dieser Zeit gilt sowohl in Florida als auch auf den Kurztrips erhöhter Party-Alarm.

Kommentar
Kreuzfahrtbranche – Kommunikation gefragt

Einen Monat nach der Costa-Katastrophe versucht die Kreuzfahrt-Branche langsam wieder zur Normalität zurückzukehren. Anders als in ersten Darstellungen der Reedereien gibt es doch eine erhebliche Verunsicherung der Verbraucher, die sich nun in stark rückläufigen Buchungszahlen ausdrückt. Angesichts der massiven Berichterstattung und der drastischen TV-Bilder wäre alles andere als eine heftige Buchungsdelle auch schwer vorstellbar gewesen.

Die schnelle Reaktion der deutschen Marktführer Aida und Tui Cruises, künftig die Sicherheitsübungen am ersten Tag einer Kreuzfahrt durchzuführen, war ein richtiges und wichtiges Signal. Doch reicht dies aus, um das verlorene Vertrauen in die Kreuzfahrt zurückzugewinnen? Und was unternehmen eigentlich die übrigen Reedereien?

Die Kreuzfahrtbranche hat in der Vergangenheit bewiesen, dass sie – z.B. bei der bundesweiten „Woche der Kreuzfahrt“ – an einem Strang ziehen kann. Jetzt wäre es an der Zeit, wieder in gut gemachtes Gattungsmarketing zu investieren und dem Thema Sicherheit auf Seereisen künftig einen hohen Stellenwert in der Kommunikation einzuräumen. (Pascal Brückmann)

Erfahrene Kreuzfahrer suchen sich freilich trotzdem unbeirrt ihre Lieblingsschiffe aus und machen eine Fahrt zum günstigen Preis oder gönnen sich den bezahlbaren Luxus einer Suite. Denn Essen und Service an Bord sind bei den großen Reedereien flottenweit immer gleich gut. Und auch auf voll besetzten Party-Kreuzfahrtschiffen finden sich ruhige Ecken mit traumhaftem Meerblick, weitab des Trubels. Dort trifft man dann auch den einen oder anderen gleichgesinnten Party-Flüchtling.

Die „Majesty of the Seas“, ein Klassiker von Royal Caribbean, fährt eine attraktive Route von Miami aus nach Key West, Nassau (Bahamas) und zur Privatinsel Coco Cay; sie bietet für ruheliebende Passagiere viele Rückzugsbereiche.

Auf etwas abseits gelegenen Sonnendecks herrscht ebenso angenehme Ruhe wie in einer Bar auf dem Oberdeck. Dorthin verirrt sich das Partyvolk zumindest tagsüber eher nur selten. Und das Mittagessen im etwas abseits gelegenen Compass Deli Restaurant auf Deck zwölf ist geradezu ein Geheimtipp.

Franz Neumeier

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