Schmuck und Musik: Ein Streifzug durch die Gassen Athens

Neben historischen Bauwerken finden Touristen in Athen auch allerhand Schmuck und farbenfrohe Souvenirs.
Neben historischen Bauwerken finden Touristen in Athen auch allerhand Schmuck und farbenfrohe Souvenirs.
Die Gassen Athens sind geprägt von Kunst-, Design- und Souvenierläden. Die Händler sind freundlich und zurückhaltend. Wir haben uns umgeschaut.

Essen.. Wenn Ioanna Kolyvanou mit der Metro ins Zentrum von Athen fährt, freut sie sich jedes Mal darüber, wie sich ihre Stadt verändert hat. Wo noch vor gut zehn Jahren chaotischer Straßenverkehr, Lärm, Smog und Schmutz nervten, zieht sich jetzt rund um die Akrópolis eine Fußgängerzone mit viel Grün und schönen Ausblicken auf die berühmten antiken Stätten. „Seit den Olympischen Spielen 2004 hat sich Athens Erscheinungsbild sehr verändert“, sagt die Mittvierzigerin mit den roten Locken, die uns durch die verkehrsberuhigte Altstadt Pláka zu Füßen der Akrópolis begleitet.

In die alten Häuser mit Erkern, Giebeln und Balkonen sind Kunst- und Design-Galerien und Souvenirläden eingezogen. Bunte Tücher, Schmuck und traditionelle Musikinstrumente werden angeboten. Entspannt geht es in den schmalen Gassen zu, kein Händler bedrängt die Touristen.

Im „Remember Fashion“ in der Adrianou Street, den sein Besitzer, „Altrocker“ Dimitris Tsouanatos, den „verrücktesten Laden Athens“ nennt, findet man originell bemalte T-Shirts, witzige Klamotten und Installationen mit Blechmenschen im Hinterhof. Ein Stückchen weiter auf dem geschäftigen Monastiraki-Platz, wo man sonntags auf dem Flohmarkt stöbern kann, drängen sich die Menschen um eine improvisierte Technotanz-Show. Von einer Krise ist hier nichts mehr zu spüren. „Es kommen wieder viele Gäste“, sagt Ioanna. „Wir haben ein Plus von 40 Prozent bei den Rundreisen.“

Vor zwei Jahren sah es noch düster aus. Nur Kreuzfahrttouristen seien noch in den Häfen gelandet, und manchmal habe sie als Reiseführerin unangenehme Situationen erlebt. In einer Taverne weigerte sich zum Beispiel ein deutsches Paar zu bezahlen. „Ihr habt ja schon unsere Rente gekriegt“, musste sie sich anhören. Die Griechin ist in Deutschland geboren, nachdem ihre Eltern in den 60er Jahren nach München ausgewandert waren, um dort zu arbeiten. Sie war zwölf, als die Familie nach Athen zurückkehrte. Inzwischen hat Ioanna eine 17-jährige Tochter. Vor einiger Zeit ist ihr Mann gestorben. „Ich habe mit dem Akrópolis-Museum überlebt.“

Ein gigantisches Meer aus Häusern

Kurz vor der Krise, im Juni 2009, ist dieses neue spektakuläre Museum nur wenige hundert Meter südlich des Akrópolis-Felsens eröffnet worden und landete sofort auf Platz eins der besten Museen der Welt. Schon der Eingang ist ein Erlebnis. Auf einem Glasboden geht man über den Resten ausgegrabener Siedlungen aus der Zeit der Akrópolis in das Gebäude hinein. Auch dieser unterirdische Trakt, sagt Ioanna, solle eines Tages für Besucher geöffnet werden. Mit Raffinesse bezieht sich das Museum auf Athens Blütezeit vor 2500 Jahren und ihr berühmtestes Monument. Hier sind die Statuen zu bewundern, die in der Akrópolis seit Ewigkeiten nicht mehr da sind. Manche Figuren sind freistehend zwischen den Säulen so platziert, als ginge man durch einen antiken Tempel. Schließlich der Höhepunkt, die Giebelfiguren des Párthenon, des glanzvollsten Baus auf der Akrópolis. Der Fries mit der Darstellung aller olympischen Götter ist in den Maßen und der Reihenfolge wie einst im Original zu sehen, exakt 300 Meter lang.

Related content Der Spaziergang vom Museum zum Akrópolis-Felsen führt am Odeon, dem klassisch-antiken Theater und Konzerthaus aus dem Jahr 161 nach Christus vorbei, wo bis heute an Sommerabenden Konzerte stattfinden. Wir steigen auf den glatten Steinen zur Akrópolis hinauf, wo jedes Jahr andere Tempelteile gereinigt und eingezäunt werden, um das griechische Nationalheiligtum zu erhalten. Ganz oben am äußersten Ende des Párthenon ist der Weitblick über Athens gigantisches weißgraues Häusermeer überwältigend, umrandet von den Bergen und der Ägäis. „In einer halben Stunde ist man am Strand oder in den Bergen zum Skifahren“, sagt Ioanna bewegt.

Von Athen bis an die Südspitze Attikas ziehen sich Sandstrände und versteckte Buchten an den Küsten entlang. Zum Baden bietet sich auch der wunderschöne Vouliagméni-See an, umgeben von hohen Kalksteinfelsen und gespeist von Thermalquellen, die die Wassertemperatur konstant zwischen 21 und 29 Grad halten. Der See ist nur 20 Kilometer vom Athener Stadtzentrum entfernt. Nach dem Baden am See zu sitzen und zum Lunch eine Platte „meze & ouzo“ zu bestellen, Garnelen, geräucherte Makrelen und Octopus, dazu Tomatensalat und Tzatziki – eine Hochgenuss-Tour durch Athens Umgebung ist voller Überraschungen.

Griechischer Wein

Dass weiter südlich der Hauptstadt, in der Gegend von Anavissos, seit 3000 Jahren Wein und Öl produziert wird, erfahren wir in der Katogi Strofilia Winery. Auf den steilen Hängen des Pindos Gebirges begann Evangelos Averoff 1959, die französische Rebsorte Cabernet Sauvignon anzupflanzen und die alte Weinbautradition wiederzubeleben. Heute werden in Anavissos 80.000 Flaschen Weißwein von mehr als zehn Rebsorten hergestellt, berichtet Petros Kneknopoulos bei der Weinprobe. Ob die 1100 Meter hohen Weinberge die höchsten Griechenlands oder gar Europas sind – ein Titel, den bisher die Schweiz beansprucht – bleibt ungeklärt.

Unbestritten einer der schönsten Ausflüge von Athen ist eine Tageskreuzfahrt zu den Argosaronischen Inseln Hydra, Póros und Ägina. Auf dem komfortablen Schiff sind 400 Passagiere. „Doppelt so viele wie vor einem Jahr“, sagt Kapitän Ioannis Oikonomou. Hauptsächlich Griechen und Asiaten, Deutsche treffen wir nicht.

Die drei Schönen im Saronischen Golf sind sehr verschieden. Am weitesten entfernt ist Hydra, eine karge Felseninsel, deren Bewohner als Kapitäne, Reeder und Händler reich wurden. Ihre weißen, festungsartigen Häuser kleben an den Hängen, zugänglich nur durch enge, stufenreiche Gassen, die wir schwitzend hinaufsteigen, belohnt mit grandiosen Ausblicken. Unterwegs begegnen uns Esel und Maultiere, das einzige Verkehrsmittel.

Póros dagegen, an einer Meerenge dicht vor der Küste des Peloponnes gelegen, ist ländlich und traditionell, mit einer sich am Ufer lang hinziehenden Inselhauptstadt. Zuletzt Ägina, die grüne Insel der Pistazienbäume und Wälder, mit dem wundervollen Aphaia-Tempel, dessen Giebelskulpturen sich seit langem in der Münchner Glyptothek befinden. „Ich bin in der ganzen Welt mit Schiffen herumgekommen“, sagt Kapitän Ioannis Oikonomou noch zum Abschied, „aber mehr als alles andere liebe ich die Ägäis, dieses herrliche, tiefblaue Meer“.


Die Tageskreuzfahrt zu den Argosaronischen Inseln mit Hydraiki Naval Company ab 99 Euro.
www.onedaycruise.gr
Weingut Katogi Strofilia:
www.katogi-strofilia.gr