Saarbrücken, eine Stadt mit französischer Prägung

Der Sankt Johanner Markt liegt im Herzen Saarbrückens. Mehr als 60 Cafés, Kneipen und Restaurants scharen sich mit ihren Terrassen um den Platz.
Der Sankt Johanner Markt liegt im Herzen Saarbrückens. Mehr als 60 Cafés, Kneipen und Restaurants scharen sich mit ihren Terrassen um den Platz.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Die Hauptstadt des Saarlands gilt als jung und alt zugleich. Mit seinen 177.000 Einwohnern bietet die Großstadt eine weit zurückreichende Geschichte. Der Einfluss der Franzosen wirkt noch immer nach: Ein Rundgang.

Saarbrücken.. Am späten Nachmittag schieben die Boule-Spieler in der kleinen Grünanlage des Nanteser Platzes eine ruhige Kugel. Das Klackern unterbricht für Sekunden den Autolärm der nahe Vorstadtstraße. Frankreich ist stets nahe im 177.000 Einwohner zählenden Saarbrücken, Hauptstadt des Saarlandes und einzige Großstadt im kleinsten Flächenland der Bundesrepublik.

Saarbrücken ist alt und jung zugleich. „Die Großstadt entstand erst 1909 durch den Zusammenschluss von Alt-Saarbrücken auf der linken Saarseite sowie Sankt Johann und Malstatt-Burbach am rechten Saarufer“, erklärt die Kunsthistorikerin Nicole Baronsky-Ottmann bei einem Stadtrundgang. Links und rechts der Saar, verbunden durch Brücken – daher stammt der Name Saarbrücken? „Leider falsch“, sagt die Stadtführerin. Er sei wahrscheinlich keltischen Ursprunges.

Das Historische Museum zeigt die regionale Geschichte

Bereits im 8. Jahrhundert existierte das Castellum Sarabrucca, wobei Brucca nicht Brücke sondern Felsen oder auch großer Stein bedeute. „Auf dem Felsen über der Saar glänzt heute das im Laufe der Jahrhunderte mehrfach zerstörte und in den 80er-Jahren sanierte Schloss“, erzählt Baronsky-Ottmann. Das Historische Museum Saar im Schlosskeller zeigt die Geschichte der Region.

In den unterirdischen Gewölben wird tausendjährige Geschichte dargestellt, im Sonnenlicht des weiten Platzes herrscht Müßiggang. „Das Café am Schloss zählt zu meinen Lieblingsorten“, schwärmt der Saarbrücker Fotograf und Buchverleger Florian Brunner. Sobald die ersten Sonnenstrahlen blitzen, verlagert das Café wie so viele Restaurants, Kneipen und Cafés in der Stadt den Betrieb nach draußen.

Stengel-Bauwerke sind in der Stadt beliebt

Open Air wie unter der südlichen Sonne Frankreichs, das ganz nahe ist. 20 der 76 Kilometer langen Stadtgrenze sind auch Staatsgrenze zum westlichen Nachbarland.

Auch auf der breiten Freitreppe an der Wilhelm-Heinrich-Brücke genießen ein paar Flaneure die Frühlingssonne. Der Abgang zur träge dahin fließenden Saar gehört zur Berliner Promenade, die bis 2013 als eine Art Flaniermeile entstand. „Stadtmitte am Fluss“ heißt das Projekt, die Promenade ist noch unvollendet. Am Saarufer wollen die dunklen Toreinfahrten zu Kaufhäusern noch aufgehübscht werden.

Von den Saarbrückern geliebt und zum Pflichtprogramm eines Rundganges für Besucher zählen die Bauwerke von Barockbaumeister Friedrich Joachim Stengel. Der Architekt schuf im Auftrag des Fürsten Wilhelm Heinrich aus dem Hause Nassau-Usingen ab 1754 die barocke katholische Basilika Sankt Johann, das Schloss aus dem Jahr 1738 und die barocke Turmhaube der spätgotischen Schlosskirche.

„Das Hauptwerk Stengels ist die Ludwigskirche mit den weißen Stadtpalais zu beiden Seiten, die ein einzigartiges Barockensemble bilden“, erläutert Baronsky-Ottmann. Die Kirche gilt als eines der schönsten evangelischen Gotteshäuser in Deutschland, manche vergleichen es mit der Frauenkirche in Dresden.

„Der Platz ist das Herz unserer Stadt"

Von der Ludwigskirche leitet die Fußgängerbrücke über die Saar zum Sankt Johanner Markt. „Der Platz ist das Herz unserer Stadt, gekrönt von dem barocken Marktbrunnen aus dem Jahr 1759 nach dem Entwurf von Baumeister Stengel“, sagt Baronsky-Ottmann. Mehr als 60 Cafés, Kneipen und Restaurants scharen sich mit ihren Terrassen um den Platz, der bei Sonnenschein zum Treffpunkt für Einheimische und Besucher wird.

„Die französische Lebensart hat sich in Saarländisches verwandelt“, meint Dagmar Schlingmann, seit 2006 Intendantin des Staatstheaters Saarbrücken. Der gebürtigen Niederrheinerin gefällt die gesellige Lebensart: „Die Menschen hier sind aufgeschlossen und kontaktfreudig, und sie lieben die gute Küche.“

Das ist ein gutes Stichwort! So ein Rundgang durch die Stadt macht hungrig. Die Saarbrücker lieben gutes Essen und Trinken, wobei deftige Hausmannskost auf Sterneküche trifft.

Saarländer sind wahre Meister am Grill

Nahrhafte Speisen stammen aus der etwa 200-jährigen Ära des Steinkohlebergbaus, die im Juni 2012 an der Saar endete. Dibbelabbes, ein Kartoffelauflauf mit Speckwürfeln, ist nur eine davon. Eine weitere regionale Spezialität sind die länglichen Kartoffelklöße „Hoorische“, die mit Specksoße und wahlweise Sauerkraut oder Salat auf den Tisch kommen.

Nicht fehlen dürfen die Wurstwaren: Die Fleischwurst Lyoner wird erwärmt oder gegrillt serviert. Saarländer sind wahre Meister am Grill, dem Schwenker, auf dem Rinder- und Schweinesteaks brutzeln. „Gott lenkt, der Mensch denkt, der Saarländer schwenkt“, heißt es einprägsam. Die Spezialitäten genießen manche Büroarbeiter zur Mittagspause im Biergarten „Am Staden“.

Zusammengenommen fünf Michelin-Sterne glänzen auf nur 700 Metern an der Mainzer Straße – das ist einmalig. Klaus Erfort kocht im gleichnamigen Gästehaus auf Drei-Sterne-Niveau, das „Bistro Noir“ von Jens Jacob glänzt mit zwei Michelin-Sternen. Wer denkt da noch an die französische Küche? Fotograf Florian Brunner gibt zu: „Ich fahre hinüber. Aber nur, um Käse zu kaufen.“