Saar-Hunsrück-Steig - Die Einsamkeit der Wälder erleben

Foto: Tourismusverband
Was wir bereits wissen
Ein großes Stück Natur, das gibt es hierzulande selten. Aber genau das bietet der Hunsrück, und ein Teil davon wird in diesem Jahr Nationalpark.

Saar-Hunsrück.. Ein großes Stück Natur, das gibt es hierzulande nur noch selten. Aber genau das bietet der Hunsrück, und ein Teil davon wird in diesem Jahr Nationalpark. Die Natur erhält freien Lauf, und auf dem Saar-Hunsrück-Steig erlebt man zu Fuß die Einsamkeit der Wälder, tiefe Schluchten und Höhen – von der Mosel bis zur Nahe. Ab April führt die über 400 Kilometer lange Fernwanderroute noch weiter bis an den Rhein: Ein echter Wandergenuss!

Gertrud Bartsch von der Daubisberger Mühle ist gar nicht zufrieden: „Früher war es so, da sind die Leute sonntags die Ehrbachklamm gelaufen und danach immer bei mir eingekehrt“. Sie stellt ein Tablett mit Käsebroten und Strammen Max auf den Tisch, dann lässt sie sich auf ihrem Stuhl nieder.

Beseelt von der Ungezähmtheit der Natur

Gertruds Stuhl hat jemand ins Holz hinein geschnitzt. Und sie schimpft: „Du liebe Güte, ich weiß nicht, wo heute überall gelaufen wird.“ Dabei zeichnet ihre Hand einen weiten Bogen in der Luft. „Es gibt ja so viele dieser Traumschleifen zum Wandern, die Leute wollen immerzu etwas Neues erleben!“ In den letzten Jahren kämen immer weniger Wanderer bei ihr vorbei, klagt Gertrud. Aber die Wirtin, die in den Siebzigern sein dürfte, braucht nicht mehr lange warten – alles wird gut. Seit kurzem nämlich führt eine neue Etappe des Saar-Hunsrück-Steigs an der Mühle vorbei, er bringt Gertrud hungrige Wandergäste direkt vor die Tür.

Sie tauchen auf aus der wilden Schlucht im Ehrbachtal. Dabei sind die meisten noch ganz beseelt von der Ungezähmtheit der Natur. Anfangs wirkt der Ehrbach eigentlich ganz friedlich, wandelt sich aber rasch zum Wildwasser. Besonders, wenn es geregnet hat: Es tost, es rauscht, kleine Wasserfälle stürzen vorwärts, ergießen sich über dicke Felsbrocken. Die Natur hat bizarre Kunstwerke aus miteinander verwachsenen Steinen, Moosen und totem Holz im Bachlauf geformt. Manch kleine Holzbrücke führt darüber. Am Ufer setzt man auf schmalen Pfaden möglichst konzentriert Fuß vor Fuß, hin und wieder über Steine balancierend, wenn das Wasser die Erde am Ufer überspült hat. Zum Festhalten gibt es Drahtseile, die an von Efeu ummantelten Felswänden befestigt sind. Und wenn sich nach einem Regenguss die ersten Sonnenstrahlen hervor wagen, dann kommt die Zeit der Feuersalamander: Fast bewegungslos genießen sie die Sonne, mitten auf dem Wanderweg.

Und plötzlich kamen viele Wanderer

Die Ehrbachklamm gehört zur Wanderetappe 23, eine von insgesamt 27 Etappen auf dem mal abenteuerlichen, mal eher verträumten Saar-Hunsrück-Steig. Er führt durch tiefe Schluchten, gefolgt von buckligen Höhen, die mitunter 600 Meter erreichen können, wie auf dem keltischen Ringwall bei Otzenhausen. Typisch für den Hunsrück sind die einsamen Buchenwälder, darin hielt sich früher der Räuberhauptmann Schinderhannes versteckt. Hier gibt es nichts als helle Baumstämme, so weit das Auge reicht. Sonnenstrahlen durchdringen im Sommer das dichte Blätterwerk und inszenieren ein faszinierendes Spiel von Licht und Schatten. Manchmal huscht ein Eichhörnchen vorbei. Bald glaubt man, der Wald hört nicht wieder auf. Besonders zwischen Hermeskeil und Morbach ist es ziemlich waldreich. Bis er sich dann auf der Höhe öffnet, Platz macht für eine große Blumenwiese.

Hinter einer solchen Wiesenhöhe befindet sich Morshausen. Es liegt auf einer der zwölf neuen Etappen des Steigs. Morshausen erreicht auch, wer auf der „Murscher Eselsche“-Traumschleife unterwegs ist, sie führt aus dem Baybachtal herauf. Schritt für Schritt arbeitet man sich schnaufend auf felsigem Pfad vorwärts, über das „Eselsche“, so heißt der steile Felsen aus Schiefergestein.

Die Verlängerung des Saar-Hunsrück-Steigs verbindet etliche Traumschleifen miteinander. Jene Rundwanderwege, die in den letzten Jahren entstanden sind und gut für eine Tagestour passen. In Morshausen berichtet Thomas Biersch, Leiter der Touristeninformation, dass sich vor dem im Jahr 2012 eröffneten „Murscher Eselsche“ kaum jemand ins beschauliche Dorf verirrte. „Wir waren ziemlich erstaunt, wie viele Wanderer plötzlich zu uns kamen“, erzählt er. „An schönen Tagen laufen schon mal über dreihundert Leute durch den Ort.“

Hunsrück-Hochwald: Ein Magnet für die Region

Bislang handelt es sich meist um Tagesausflügler, etwa aus Koblenz. Doch durch die Anbindung an den Steig erhofft sich die Gemeinde auch Weitwanderer, die dann über Nacht bleiben. Nicht nur mit der Weiterführung des Premiumwanderweges von Idar-Oberstein bis Boppard am Rhein will man im Hunsrück mehr Besucher anziehen, an Pfingsten steht auch die Eröffnung des rund 10.000 Hektar großen Nationalparks Hunsrück-Hochwald auf dem Programm. Er soll ein Magnet für die Region werden.

Nah dran am neuen Nationalpark und auf der Wanderstrecke liegt das mittelalterliche Städtchen Herrstein. Statt einsamer Naturpfade gibt’s hier Kopfsteinpflaster unter den Sohlen, man lässt die Füße ruhen bei Kaffee und Kuchen, betrachtet die hübschen Fachwerkhäuser. Auch den Schinderhannesturm im alten Ortskern, dort war der Räuberhauptmann eine Nacht lang gefangen.

In Herrstein fühlen Wanderer ein bisschen touristisches Leben, bevor es dann weiter geht, und Kilometer um Kilometer nur Vogelgezwitscher in die Ohren dringt. So auch auf der letzten Etappe, die unweit des 400 Meter hohen Steinigkopf entlang führt. Danach steuert der Saar-Hunsrück-Steig allmählich sein Ziel an, das Weinstädtchen Boppard. Freilich nicht ohne zuvor herrliche Ausblicke auf die große Rheinschleife zu gewähren - nach Mosel, Saar und Nahe ist es die letzte Flussschleife auf der 410 Kilometer langen Wanderstrecke.