Ruhrgebiet als Modell-Region für Industrie-Tourismus
01.10.2011 | 08:00 Uhr 2011-10-01T08:00:00+0200
Brüssel. Mehr als 10 Millionen Touristen lockte das Kulturhauptstadt-Jahr Ruhr.2010 ins Revier - Zahlen, von denen andere Industrieregionen Europas nur träumen können. In Sachen Vermarktung orientieren sich immer mehr von ihnen am Positiv-Beispiel Ruhrgebiet.
Alte und moderne Industrie wird immer mehr zum Touristenmagnet. Ein erfolgreiches Beispiel dafür ist das Ruhrgebiet, an dem sich viele Industrieregionen Europas orientieren. Der Rausch des Kulturhauptstadtjahres 2010 wirkt noch nach. Wie das Ruhrgebiet sein industrielles Erbe vermarktet hat, beeindruckte jetzt auch Experten anderer EU-Länder auf einer Konferenz in Brüssel. Schließlich lockte „Ruhr.2010“ 10,5 Millionen. Gäste in die einstige Bergbauregion. Insgesamt 2,2 Mio. besuchten auch die Zeche Zollverein, die seit zehn Jahren UNESCO-Weltkulturerbe ist. Und der Trend hält an.
Von Touristenzahlen wie im Ruhrgebiet träumen andere Industriegegenden in Europa derzeit noch. So zum Beispiel die „Route der Technikdenkmäler“ in Schlesien/Polen. Dort gibt es insgesamt 36 Sehenswürdigkeiten zu bestaunen, besonders Bergwerke und Brauereien. Eigentlich, so erklärte Tourismuskoordinator Adam Hajduga, hätten die polnischen Organisatoren alles richtig gemacht. Die Schlesienstrecke ist weit vernetzt, als Teil einer europäischen Industriekulturroute, zu der auch das Ruhrgebiet gehört.
Schlesien ganz weit vorne
Beim Marketing liegen die Schlesier ganz weit vorne, halten einen interaktiven Internetauftritt und vielfältiges Info-Material für die Touristen bereit. An die Zahlen des Ruhrgebiets mit seiner langen Tradition und dem Plus als Kulturhauptstadt kommt die schlesische Route jedoch noch lange nicht heran. Hajdun: „Im Jahr 2010 hatten wir etwa 500 000 Besucher.“
Die Vernetzung und die Zusammenarbeit mit anderen Industriestandorten sind Grundvoraussetzungen für einen funktionierenden Tourismus, stellten die Experten in Brüssel fest. Und auch da ist das Ruhrgebiet mit seiner „Route Industriekultur“ und dem Erfolg von „Ruhr.2010“ Spitze. Martina Tendick von der Stiftung Zollverein: „53 Städte haben 2010 zusammengearbeitet. Das ist für uns auch ein Teil der Nachhaltigkeit.“ Denn meistens haben Industriestädte, gerade wenn sie kleiner sind, allein nicht die Mittel und das Wissen, um Touristen rundum zu versorgen. Die Zusammenarbeit mit touristisch attraktiven Nachbarorten lohnt sich.
Es gibt auch Schattenseiten
Der Erfolg des Ruhrgebiets und speziell der Zeche Zollverein hat aber auch seine Schattenseiten. Denn der Titel „UNESCO Weltkulturerbe“ verträgt sich nicht immer mit den Bedürfnissen der Touristen, wie Tendick in Brüssel erklärte: „Es ist schwer, Tourismus auf einem Weltkulturerbe zu betreiben.“ Wobei der Titel prinzipiell noch mehr Gäste anlockt. Die erwarten allerdings von ihrem Ausflugsziel Angebote wie eine abwechslungsreiche Gastronomie und Shoppingmöglichkeiten.
Das kollidiert oft mit Auflagen der UNESCO, etwas für neue Gebäude rund um das Kulturerbe: .Zu hoch dürfen sie nicht sein, die Zeche muss immer gut sichtbar sein. Auch darf das Erscheinungsbild des Geländes nicht maßgeblich verändert werden. Viele Pommesbuden und Souvenirgeschäfte würden das aber tun. Einschränkungen gibt es auch bei der erlaubten Besuchermenge: Mehr als 400 Personen dürfen aus Sicherheitsgründen nicht gleichzeitig in der Zeche sein. Die Stiftung Zollverein muss folglich ständig eine Balance finden zwischen dem Respekt für das historische Gebäude und den Wünschen der Besucher. Schließlich will man den kostbaren Titel Weltkulturerbe nicht aufs Spiel setzen.
19:55
@ # 1 HaPes
Ob das Image des Potts grottiger ist als vor 50 Jahren und ob es dreckig und verrottet ist, bezweifele ich mal sehr stark.
Ich denke da an die ganzen ehemaligen Industriebrachen, die zu Naherholungsgebieten oder Feststätten gestaltet und begrünt wurden. Oder der Renaturierung der Emscher. Oder die Erschließung des Rhein-Herne Kanals (Radwege, Weiße Flotte, sogar Kanutouren). Oder an die alten Zechensiedlungen, die ständig modernisiert werden. Oder die Infrastruktur, die sich in den letzten Jahren enorm gebessert hat.
Das unsere Region ein schlechtes Image hat, liegt auch vielleicht an den Bewohnern an sich. Wenn ich, als Einwohner, trotz allem was sich hier getan hat, diese Region permanent schlechtrede und gewisse Neuerungen nicht annehme (n will), kann sich dass Image gar nicht verbessern. Da können sich Marketing-Experten noch soviel Mühe geben, da können noch mehr Millionen Euronen verbrannt werden, ändern wird sich durch das Kaputtreden nix!
Das Ruhrgebiet hat keine Perspektive??? Als Montanindustriestandort mit Sicherheit nicht, aber als bedeutender Kunst-, Kultur-, Forschungs- und Wissenschaftsstandort. Das ist nun mal Fakt.
Ich kann Zeiten, die unwiderbringlich vorbei sind, nicht hinterhertrauern, und mich darauf berufen, was einst war aber nicht mehr IST. Stattdessen sollte ich Stolz auf unsere Region sein, das Erbe unserer Geschichte sorgsam bewahren und das beste daraus machen.
19:16
Die gefühlten 10,5 Mio Besucher verbuchen wir mal unter auf den Putz hauen, die Loveparade hatte auch nach Aussagen ihrer Veranstalter immer mehrere Mio Teilnehmer....
Und was das Marketing anbetrifft: Gemessen an den Abermillionen, die da in den letzten Jahren verbrannt wurden, ist der Erfolg doch faktisch nicht feststellbar: Das Image des Potts ist doch noch grottiger als vor 50 Jahren, damals wars dreckig, aber es gab jede Menge Arbeit und damit Geld, heute ist´s immer noch dreckig, verrottet und dazu arbeits- und perspektivlos!
Da steht Schlesien imagemäßig deutlich besser da und ist mit seinen 500.000 Besuchern sehr gut bedient.
Vielleicht sollte sich mal jemand ums Marketing des Ruhrgebietes kümmern, der Ahnung vom Metier hat und nicht immer nur irgendwelche Kumpels von Kollegen, die dauerhaft schlechte Arbeit für überhöhte Gagen abliefern!