Rügen bringt Urlaubern Geschichte mit E-Trabis näher

Da reibt man sich schon mal verdattert die Augen – ausgerechnet die kultige "Rennpappe" aus der DDR, der heiß geliebte, aber ökologisch ausgesprochen desaströse Zweitakt-Stinker, posiert stolz als sympathischer Saubermann und Ikone des nachhaltigen Tourismus.
Da reibt man sich schon mal verdattert die Augen – ausgerechnet die kultige "Rennpappe" aus der DDR, der heiß geliebte, aber ökologisch ausgesprochen desaströse Zweitakt-Stinker, posiert stolz als sympathischer Saubermann und Ikone des nachhaltigen Tourismus.
Foto: TV
Was wir bereits wissen
Zur 25-jährigen Deutschen Einheit hat sich Rügen etwas Besonderes einfallen lassen: Umgebaute E-Trabis bringen Urlauber zu geschichtsträchtigen Orten.

Essen.. Vor drei Wochen sorgte die Insel Rügen auf der Tourismusmesse ITB in Berlin für Furore – mit einer Weltpremiere. Als Symbol der Jahreskampagne „25 Jahre Deutsche Einheit“ nämlich wurde dort dem baff erstaunten Messepublikum ein knalloranger Trabant (!) präsentiert, dessen Herz – und das ist der Clou – ganz und gar elektrisch schlägt. Da reibt man sich schon mal verdattert die Augen – ausgerechnet die kultige „Rennpappe“ aus der DDR, der heiß geliebte, aber ökologisch ausgesprochen desaströse Zweitakt-Stinker, posiert stolz als sympathischer Saubermann und Ikone des nachhaltigen Tourismus – was für ein brillanter Coup!

Die Karosserie ist original, der Innenraum noch immer karg wie in alten Zeiten – rein äußerlich hat die Metamorphose vom Wahrzeichen des DDR-Sozialismus zum Symbol der deutschen Einheit kaum Spuren hinterlassen. Unter der Motorhaube aber spielt beim eTrabi nun eine ganz andere Musik. Herzstück ist ein so genanntes Transformationskit, der Antrieb stammt vom Gabelstapler, die Batterie hat eine Leistung von elf kWh. Damit fährt der eTrabi maximal hundert Kilometer pro Stunde schnell und 130 Kilometer weit – für Rügen reicht das dicke. Denn ab 1. April sind zunächst drei dieser leise surrenden Werbeträger im Einsatz – zweimal täglich, jeweils zweieinhalb Stunden, auf geführten Erlebnistouren zur Rügener Geschichte und mit Rügener Geschichten.

Eine elektrisierende Tour – im doppelten Sinn

Jeweils elf Gäste werden dann „erfahren“, was es mit dem futuristischen Ufo in Binz auf sich hat. Und seinen Baumeister kennenlernen, den international hoch geschätzten Binzer Architekten und Visionär Ulrich Müther. Sie werden Station am Koloss von Prora machen, dem viereinhalb Kilometer langen Gebäudekomplex, den die Nazis als monströses Kraft-durch-Freude-Bad in allerbeste Strandlage klotzten, aber nicht mehr vollenden konnten.

Was die DDR nicht daran hinderte, den gigantischen Betonwurm 40 Jahre lang militärisch zu nutzen. Und am Fährhafen Sassnitz gibt’s vom Reiseleiter interessante Einzelheiten über die Geschichte der Königslinie und die einstige Großbaustelle der „Deutsch-Sowjetischen Freund-schaft“ in Mukran, an der Mitte der 80er Jahre viele DDR-Bausoldaten unter schwierigsten Bedingungen mitgeschuftet hatten. Eine im doppelten Sinn elektrisierende Tour also.

25 Jahre Deutsche Einheit – dazu gehören auf Rügen auch zwei gleichalte Nationalparks mit jeweils einzigartigen Charakteristika. Am Nationalpark „Vorpommersche Boddenlandschaft“ hat vor allem Rügens kleine Schwester im Westen einen großen Anteil – die wunderbare und wie anno dunnemals immer noch autofreie Insel Hiddensee.

Urlaub nach Maß

Der Nationalpark Jasmund hingegen gehört Rügen ganz allein – mit der weltberühmten Kreideküste, dem Königsstuhl, der Victoria-Sicht sowie dem Hochuferweg mit der umwerfenden Kulisse aus Kreidefelsen und Buchen, die sich wie Lemminge ins Meer hinabzustürzen scheinen. Dazu noch 500 Hektar der „Alten Buchenwälder Deutschlands“, die seit 2011 Unesco-Weltnaturerbe sind und damit genauso wichtig wie die Victoriafälle oder der Yellowstone-Nationalpark.

Auf der Beliebtheitsskala steht Deutschlands größte Insel aber auch deshalb ganz oben, weil sie so vielfältig ist wie kaum eine andere Ostsee-Destination und wirklich jedem seinen Urlaub nach Maß beschert.

In den vergangenen 25 Jahren wurde hier zudem nicht etwa gekleckert, sondern richtig geklotzt, um Rügen in ein modernes Ferienparadies zu verwandeln – mit allem nur erdenklichen Komfort für den anspruchsvollen Bade- und Urlaubsgast von heute. Dass man damit goldrichtig liegt, beweisen Jahr für Jahr die Besucherzahlen. Und noch einen Rekord dürfen sich die Rügener voller Stolz an die flatternden Fahnen heften: Sie haben einen heißen Draht zur Sonne – denn nirgendwo sonst in Deutschland strahlt der Stern so gern und so lange vom Himmel wie über den Ostseeinseln.