Route nach Wunsch - Überraschungsreise auf der MS Europa

Die Reederei Hapag Lloyd bietet für Kreuzfahrt-Urlauber Überraschungsreisen an.
Die Reederei Hapag Lloyd bietet für Kreuzfahrt-Urlauber Überraschungsreisen an.
Foto: Hapag-Lloyd
Was wir bereits wissen
Auf der MS Europa können die Urlauber über die Route der Kreuzfahrt während der Fahrt entscheiden. Hapag Lloyd bietet dieses neue Reiseformat an.

Essen.. "Sie können mit mir machen, was Sie wollen“, sagt Kapitän Mark Behrend. „Na ja, fast alles.“ Die ersten Lacher hat er schon mal auf seiner Seite. Vor ihm haben rund 350 Menschen Platz genommen, adrett gekleidet und sichtlich gut gelaunt. Kein Wunder, sie haben gerade auf der MS Europa, einem der nobelsten Kreuzfahrtschiffe, eingecheckt. Zwei Wochen auf See liegen vor ihnen. Sie wissen, was sie gebucht haben: Luxus, feinste Speisen, Captains-Dinner, fünf Sterne plus. Was sie nicht wissen, ist, wohin ihre Reise geht. Genau so wenig wie der Kapitän.

Um daran etwas zu ändern, tagt heute das sogenannte „Europa-Parlament“. So nennen die Veranstalter die Sitzung, bei der die Gäste das Schiff per Handzeichen auf Kurs bringen sollen. Überraschungsreise nennt die Reederei Hapag Lloyd dieses neue Reiseformat.

Start und Ziel der Kreuzfahrt sind festgelegt

Das Prinzip ist einfach: Start- und Zielhafen der Reise sind festgelegt, in diesem Fall geht es von Istanbul nach Venedig. Alle weiteren Zwischenstopps legen die Gäste fest.

Zunächst geht es um die erste Etappe: Auf der Leinwand hinter Kapitän Behrend sind jetzt drei verschiedene Routenverläufe durch die Ägäis zu sehen. Variante A führt nach Chios, Mykonos und Naxos. Variante B nach Patmos, Rhodos, Simi und Marmaris. Variante C steuert Volos, Piräus und Spetses an.

Um den Passagieren ihre Wahl zu erleichtern, ist ein Ortskundiger dabei, der die verschiedenen Destinationen vorstellt. Ein Meteorologe berichtet von den Wetterbedingungen. Auch die könnten bei der Wahl schließlich relevant werden. In diesem Fall aber völlig egal: überall Sonne, überall warm.

Schnelle Abstimmung über Kreuzfahrt-Route

Wenn man sich vorstellt, dass es manchmal schon schwer ist, sich mit Freunden auf eine Kneipe zu einigen, könnte man meinen, dass sich die Entscheidungsfindung hier etwas ziehen könnte. Doch als die Abstimmung dann beginnt, ist sie auch fast schon wieder vorbei. Fast alle heben bei A die Hand. Ob es daran liegt, dass Kapitän Behrend bei-läufig erwähnt hat, dass diese Variante auch für einen Abstecher nach Santorin äußerst geeignet wäre? Möglich. Möglich ist ebenso, dass das gar nicht so beiläufig war. Aber im Grunde ist das auch egal.

Das „Parlament“ hat längst das Abendessen im Kopf. Doch während die einen entspannen, geht für die anderen die Arbeit jetzt erst richtig los. Normalerweise werden Kreuzfahrtschiffe schließlich Monate oder gar Jahre im Voraus in den jeweiligen Häfen angemeldet. Bei dieser Reise läuft das alles anders. Sekunden, nachdem sich die Gäste auf die Route verständigt haben, stürmen Staff-Kapitän, Chief-Purserin und Touristikleitung aus dem Raum. Jetzt müssen aus Interessensbekundungen für die jeweiligen Häfen sehr schnell verbindliche Anmeldungen werden. Busse, von denen man vorher nur wusste, dass es sie gibt, müssen nun auch wirklich bereit stehen. Viele Fragen müssen geklärt werden: An welchem Hafen können Ausbesserungen am Schiff vorgenommen, wo können Abfälle entsorgt werden?

Das Mittelmeer ist geeignet

In Hamburg, wo die Reederei Hapag Lloyd ihren Sitz hat, haben die Vorbereitungen für diese Reise schon vor drei Jahren begonnen. Die Reise muss schließlich erstmal im Katalog stehen, damit sie verkauft wird. Und da sollte dann mehr zu lesen sein, als „Irgendwie durchs Mittelmeer“, sagt Gabi Haupt, Produktmanagerin der MS Europa. „Start- und Zielhafen haben wir sehr früh festgelegt.“ Ebenso wurden mögliche Zwischenstopps geprüft. Was ist zeitlich machbar? Welche Ziele sind interessant? Welche Häfen sind so flexibel, dass sie in die mögliche Route aufgenommen werden können?

Das Mittelmeer sei besonders gut geeignet für das Konzept Überraschungskreuzfahrt – gerade im Frühjahr. „Im Juli oder August wäre man hier deutlich unflexibler“, so die 56-jährige Haupt. Ebenso spielt die geringe Distanz zwischen den verschiedenen Inseln eine große Rolle. Und die Tatsache, dass man an vielen Häfen die Möglichkeit hat, auf Reede zu liegen – eine Variante, die mit deutlich kleinerem bürokratischen Aufwand umzusetzen ist, als an die Pier zu fahren.

Die Gäste bekommen von dem Trubel hinter den Kulissen nichts mit. Aber warum begibt man sich freiwillig auf eine Reise, bei der man zwar mitreden kann, im Zweifel aber überstimmt wird? Ein Passagier hat eine pragmatische Antwort parat: „Bei so einer Reise kann man wenigstens sicher sein, dass das Wetter immer gut ist. Wer fährt denn schon freiwillig in den Regen?“

Nächste Überraschungsreise an Bord der Europa 2

Für die 69-jährige Hamburgerin Korinna Klasen-Bouvatier spielt das Wetter keine so große Rolle. Und die Ziele im Grunde auch nicht. Sie hat schon viel von der Welt gesehen. Wie viele Kreuzfahrtreisen sie schon gemacht hat, kann sie nicht mehr mit Sicherheit sagen. „Mehr als 20 waren es aber bestimmt.“ Die meisten davon auf der Europa. Als ihr jemand vom Schiffspersonal vor einiger Zeit vorgeschlagen hatte, die Überraschungsreise zu buchen, hat sie nicht lange gezögert. „Ich war einfach neugierig, wie das funktio-niert“, sagt sie. „Dass man nicht immer seine Wunschroute bekommt, ist dann nicht so wichtig.“ Das geht hier wohl den meisten so. Wer hier an Bord ist, dem mangelt es nicht an den finanziellen Mitteln, verpasste Ziele einfach bei der nächsten Gelegenheit anzusteuern.

Vielleicht ist eben das auch ein Grund dafür, dass das „Parlament“ bei der zweiten Abstimmungsrunde schon etwas amtsmüde geworden ist. Bei der Entscheidung, ob es nach Italien geht, Richtung ionische Inseln oder Albanien entscheiden nur 79 Prozent aller Reisenden mit. Alle anderen genießen die Sonne, machen ein Nickerchen am Pool oder lesen ein gutes Buch. Urlaub halt. Und ob die Sonne morgen auf Sizilien scheint oder auf Korfu, ist dann vielleicht auch nicht so wichtig.

Die nächste Überraschungsreise von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten (Tel.: 040/3 07 03 05 55) findet an Bord des Schwesterschiffes Europa 2 statt: Vom 14. bis zum 24. Mai 2016 geht es von Istanbul nach Piräus, ab 6260 Euro pro Person inklusive An- und Abreise ab/bis Deutschland.
www.hl-kreuzfahrten.de