Kinder
13.10.2007 | 22:21 Uhr 2007-10-13T22:21:00+0200
Ob Mittelmeer, Karibik, oder Nordseeküste: Wer mit Kindern reist, sollte die Gesundheitsrisiken am Urlaubsort genau kennen. Wir haben zahlreiche Informationen für den Urlaub mit dem Nachwuchs zusammengestellt.
Was zu beachten ist
Fernreisen mit Kleinkindern und Säuglingen erfordern besondere Vorbereitungen, damit Sie und Ihre Kinder den Urlaub genießen können und gesund bleiben. Generell können Kinder reisen, sobald sie die Impfungen gegen die gefährlichsten Erkrankungen erhalten haben. Das Risiko bei Kleinkindern oder gar Säuglingen, bereits bei banalen Erkrankungen wie Durchfall in lebensbedrohliche Umstände zu kommen, ist jedoch deutlich größer als bei Erwachsenen. Wenn Sie eine Fernreise mit Ihrem Nachwuchs planen, überprüfen Sie unbedingt folgende Bedingungen:
- Ist das Umfeld kindgerecht?
- Gibt es einen Babysitterservice?
- Ist ein Arzt in erreichbarer Nähe?
- Kann man am Urlaubsort Babykost und Pflegemittel kaufen?
- Sind andere Kinder vor Ort?
- Besteht ein ausreichender Impfschutz?
- Ist die Reiseapotheke kindgerecht ausgestattet?
Wichtige Tipps für unterwegs
- Besprechen Sie das Reisevorhaben rechtzeitig (6-8 Wochen vorher) mit dem Kinderarzt. Klären Sie vor allem den bestehenden und notwendigen Impfschutz, die Ernährung sowie die medizinische Vorsorge und Notfallhilfe.
- Nehmen Sie für Ihr Kind sein geliebtes Spielzeug, vertraute Bettbezüge oder sein Schmusetier mit auf die Reise. Es erleichtert die Umstellung auf eine fremde Umgebung.
- Geben Sie Ihrem Kind bei Flugreisen während der Startphase etwas zu trinken oder zu lutschen, um durch das Schlucken den Druck auf die Ohren auszugleichen.
- Vermeiden Sie es, in heißen Ländern Experimente mit ungewohnten Nahrungsmitteln durchzuführen, sondern halten Sie sich bei der Ernährung der „Kleinen“ weitgehend an Bananen, Brot, Kartoffeln und Reis. Verwenden Sie Wasser aus gekauften Flaschen statt Leitungswasser.
- Vorsicht vor der Sonne. Sie kann bei Säuglingen zu extremer Mattigkeit, Fieber, Erbrechen, Durchfall u.a. führen. Ein Kleinkind muss in sonnigen Ländern immer einen Hut mit breiter Krempe oder einem Schirm auf dem Kopf haben und möglichst immer ein Hemdchen tragen.
- Lassen Sie Ihr Kind nie barfuss laufen (Ausnahme: Sandstrand), da auch ihnen wie den Erwachsenen Infektionen durch Parasiten, die über die Haut eindringen (z.B. Hakenwürmer), drohen.
- Beachten Sie eine kindgerechte Ausstattung Ihrer Reiseapotheke.
- Grundsätzlich sollten Sie eine Auslands-Krankenversicherung abschließen. Ärztliche Behandlung im Ausland ist oftmals sehr teuer, ein medizinischer Rücktransport im Krankheitsfall kaum zu bezahlen.
- Lassen Sie sich in jedem Fall vor Ihrer Reise von einem reisemedizinisch erfahrenen Arzt oder Apotheker beraten!
Sonnenschutz bei Kindern
- Die Haut des Kindes ist wesentlich empfindlicher als die eines Erwachsenen. Sie ist durch ihre deutlich geringere Dicke, die noch fehlende Lichtschwiele und die noch nicht vollständig ausgebildeten Reparaturmechanismen ganz besonders der Einwirkung von UV-Strahlen ausgesetzt.
- Setzen Sie Säuglinge bis zum 12. Monat niemals der direkten Sonneneinstrahlung aus. Stellen Sie den Kinderwagen immer in den Schatten und schützen Sie Ihr Kind zusätzlich durch einen Sonnenschirm.
- Kinder im Kleinkindalter dürfen nur kurze Zeit in der Sonne bleiben und auf keinen Fall in der Mittagssonne. Setzen Sie Ihren Kindern immer einen Sonnenhut auf.
- Zwischen 11 und 15 Uhr sollten sich Schulkinder möglichst nicht in der Sonne aufhalten, sondern ihre Aktivitäten möglicht in den Nachmittag oder Abend verlegen.
- Cremen Sie Ihre Kinder etwa eine halbe Stunde vor dem Baden mit wasserfesten Cremes ein.
Sonnenbrand - was tun?
Wenn der Sonnenschutz nicht ausreicht und die Selbstheilungskraft der Haut überfordert wird, kommt es zum Sonnenbrand. Rötung, Schwellungen und Brennen treten nach 5-6 Stunden auf und erreichen Ihren Höhepunkt nach etwa 12-24 Stunden. Als Hilfemaßnahmen ist nun folgendes zu tun:
- Sorgen Sie für kühlende, feuchte Umschläge. Die Verdunstungskälte lässt Schmerzen, Schwellung und Rötung zurückgehen.
- Setzen Sie Ihrem Kind keiner weiteren Sonneneinstrahlung aus.
- Bei leichten Sonnenbränden helfen entzündungshemmende Cremes und Lotionen. Wenn sich die Haut nach einigen Tagen zu schälen beginnt, sollte sie mit Creme vor Austrocknung geschützt werden.
- Schwere Verbrennungen, oft verbunden mit Fieber, Schüttelfrost, Blasenbildung bis hin zum Ablösen der Haut, müssen ärztlich behandelt werden.
- Beachten Sie, dass die ersten Anzeichen eines Sonnenbrandes durch die kühlende Wirkung des Windes am Meer oder beim Fahrradfahren oft nicht bemerkt werden.
Reisedurchfall
Der Reisedurchfall ist die häufigste Krankheitserscheinung bei Fernreisenden. Stärkere Durchfälle können aufgrund des starken Flüssigkeits- und Elektrolytverlustes für Säuglinge und Kleinkinder lebensbedrohlich werden. Die wichtigste Regel zum Schutz vor Magen-Darm-Infektionen lautet: „Boil it, cook it, peel it - or forget it!“ (Koche es, brate es, schäle es - oder vergiss es!). Stärkere Durchfälle lassen sich durch Medikamente stoppen. Allerdings sind einige Medikamente nicht für Kinder unter zwei Jahren geeignet. Lassen Sie sich hierzu in jedem Fall von geschultem Fachpersonal beraten. Blutige oder eitrige Durchfälle müssen in jedem Fall vom Arzt therapiert werden!
Bei Durchfällen ist die rasche und kontinuierliche Zufuhr von Flüssigkeit und Elektrolyten notwendig, um ernste Komplikationen und Folgeschäden zu vermeiden. Sie können im Handel fertige Produkte sog. orale Rehydratationslösungen (ORS) erhalten. Im Notfall können Sie sich auch folgende Lösung mischen:
- 8 Teelöffel Zucker
- 1 gestrichener Teelöffel Kochsalz
- 3/4 Teelöffel Backpulver in einem Liter Flüssigkeit (abgekochtes Wasser, Fruchtsäfte)
Die notwendige Menge der einzunehmenden ORS hängt wesentlich vom Dehydratationszustand ab. Lassen Sie sich hierzu von einem reisemedizinisch erfahrenen Arzt oder Apotheker beraten.
Impfschutz
Infektionskrankheiten sind in den meisten südlichen Ländern weit verbreitet. Daher besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko für mitreisende Kinder. Ein umfassender Impfschutz ist deshalb für das Kind besonders wichtig. Grundsätzlich gilt, dass Kinder den gleichen Reise-Impfschutz haben sollten wie die Eltern.Überprüfen Sie zunächst den Basis-Impfschutz Ihres Kindes. Kinder sollten bei einer Auslandsreise alle nach dem deutschen Impfkalender für ihr Alter empfohlene Impfungen haben. Der Impfkalender sieht grundsätzlich Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Haemophilus influenzae, Polio, Hepatitis B sowie Masern/Mumps/Röteln vor.
Genauere Informationen zu diesen Impfungen erhalten Sie bei Ihrem Arzt. Holen Sie in jedem Fall die fehlenden Impfungen nach, falls der Impfschutz Ihres Kindes nicht vollständig ist. Die Impfungen, die bei Fernreisen erforderlich sind, hängen von Reiseziel und Reisestil ab. Bei Kindern sind in Abhängigkeit dieser Vorgaben Impfungen gegen Hepatitis A und B, Typhus, FSME, Meningitis, Tollwut, Gelbfieber, der Japan. Enzephalitis in Erwägung zu ziehen. Eine Cholera-Impfung ist entbehrlich, wenn strikt auf Nahrungs-, Trinkwasser- und Sanitär-Hygiene geachtet wird.
Malaria und Mückenschutz
Vermeiden Sie es grundsätzlich, Kleinkinder zu Urlaubsreisen in Malariagebiete mitzunehmen. Dies gilt besonders dann, wenn im Urlaubsziel Resistenzen der Erreger gegen Malariamedikamente bekannt sind. Malaria wird von einzelligen Blutparasiten verursacht und von dämmerungs- und nachtaktiven Stechmücken übertragen. Die Erkrankung verläuft mit Fieber und oft auch mit Durchfall, Erbrechen, Kopf- und Gliederschmerzen. Die bösartige (tropische) Malaria kann zu schweren Krankheitsverläufen, bis hin zum Tode führen. Jedoch ist jede rechtzeitig erkannte Malaria heilbar. Denken Sie bei Auftreten der geschilderten Symptome während oder nach einem Tropenaufenthalt immer an die Möglichkeit einer Malaria und suchen Sie bei entsprechenden Symptomen sofort einen Arzt auf. Der beste Schutz vor Malaria ist, wenn die Mücke nicht sticht! Betreiben Sie deswegen in jedem Fall auch bei Kindern einen konsequenten Mückenschutz.
Da Malariamücken nur in den Abend- und Nachtstunden aktiv sind, ist es wichtig, folgende Schutzmaßnahmen vor allem in dieser Zeit durchzuführen:
- Halten Sie sich während der Dunkelheit in mückengeschützten Räumen auf.
- Tragen Sie körperbedeckende Kleidung im Freien nach Einbruch der Dämmerung.
- Verwenden Sie insektenabwehrende Mittel zum Einreiben.
- Halten Sie Schlafräume durch Klimaanlage, Screens oder Abtöten mückenfrei.
- Verwenden Sie evtl. Insektizide als Aerosol, Verdampfer, Kerzen, Räucherspiralen etc. (nicht über längere Zeiträume).
- Schlafen Sie unter einem Moskitonetz. Moskitonetze sind der beste Schutz für Säuglinge. Spannen Sie sie so auf, dass keine Lücken entstehen und das Kind keinen Kontakt zum Stoff hat.
- Mücken- und Insektenabwehrmittel auf chemischer Basis sind für Kleinkinder keinesfalls geeignet. Für Kinder kommen Abwehrmittel auf pflanzlicher Basis (ätherische Öle) in Betracht.
Mücken und andere Insekten übertragen in den südlichen Ländern nicht nur Malaria, sondern auch eine Reihe weiterer Krankheiten. Mückenschutz bedeutet daher auch Infektionsschutz.
Grundsätzlich gilt, dass, wenn für Erwachsene eine medikamentöse Malariaprophylaxe (Chemoprophylaxe) in Frage kommt, die Empfehlungen auch für Kinder gelten, und zwar für alle Altersgruppen. Säuglinge bis zu 6 Monaten lassen sich aber in weitgehend mückenfreien Schlafräumen unter einem sorgfältig angebrachten Moskitonetz vor den nachtaktiven Überträgermücken gut schützen.
Für die Wahl des Mittels zur Vorbeugung und seine Einnahme gelten für Kinder und Erwachsene meist die gleichen Empfehlungen. Ausnahmen hiervon betreffen die Mittel Mefloquin (nicht bei Kindern unter 5 kg Körpergewicht) und Doxycyclin (nicht für Kinder unter 8 Jahre, in Deutschland nicht zugelassen). Für die Wirkstoffkombination Atovaquon/Proguanil gibt es eine spezielle Darreichungsform für Kinder (von 11-40 kg Körpergewicht).
Kindgerechte Reiseapotheke
Bei Reisen mit Kindern ist eine speziell zusammengestellte Reiseapotheke erforderlich, um auf den Notfall eingestellt zu sein. Es ist hilfreich, sich bei der Zusammenstellung von reisemedizinisch erfahrenen Ärzten und Apothekern beraten zu lassen. Zur Grundausstattung gehören Fieberthermometer und ggf. Mittel zur Dauermedikation sowie bei Reisen in Länder mit niedrigem Hygienestandard Mittel zur Wasserdesinfektion.
In die Reiseapotheke gehören ferner Medikamente gegen:
- Durchfall
- Erbrechen/Übelkeit
- Reiseübelkeit
- Verstopfung
- Blähungen
- Magen-/Darmkrämpfe
- Elektrolytmischungen
- Erkältung
- Fieber/Schmerzen
- Husten
- Halsschmerzen
- Ohrenschmerzen
- Augenentzündung
- Auf Anraten des Arztes zusätzlich antiallergische und antibiotische Medikamente.
Erste-Hilfe bei Verletzungen
- Verbandsmaterial
- Wundversorgung
- Verbrennungen
- Verstauchungen/Sportverletzungen
Nehmen Sie keine Zäpfchen in südliche Länder mit, falls eine Kühlung nicht sichergestellt ist, da diese leicht aufweichen und sich verformen. Die Wirkung mancher Medikamente wird durch Hitze beeinträchtigt. Schützen Sie daher die Reiseapotheke vor extremer Wärmeeinwirkung. Transportieren Sie wichtige Medikamente zur Hälfte im Handgepäck, für den Fall, dass Ihr Koffer verloren geht.
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