Pure Romantik: Die Vielfalt des fränkischen Landes erleben

Im Fränkischen Land finden sich neben gutem Wein auch romantische Aussichten. Mit seinen 15 Reisezielen hat die Region viel für Urlauber zu bieten.

Essen.. Viel romantischer kann das Panorama hoch über dem Fluss nicht sein: Man sitzt auf blank polierten Bänken zwischen den Reben, schaut auf die stolze Festung und den träge fließenden Main und genießt den flüssigen Stolz der Franken – ein Glas Müller-Thurgau. Eine Traube, die – nicht nur im Fränkischen Weinland – wieder im Trend liegt. Franken, das in diesen Tagen 200 Jahre die weiß-blaue Fahne Bayerns schwenkt, überrascht mit 15 Reiselandschaften, die eine erstaunliche Vielfalt bieten. Eine Tour auf den Spuren der Bocksbeutel durch „Wein-Franken“.

Erste Station in Unterfranken ist die „Kugellagerstadt“ Schweinfurt. Lange nur als Industriestandort ernst genommen, bemüht sich die Stadt seit einiger Zeit, ihre Wahrnehmung in der Öffentlichkeit auch in Richtung Kultur und Wein zu lenken. Mit einigem Erfolg: Die kleine, aber feine Altstadt im Stadtteil Zürch ist ein Bummelpflaster und das Museum Georg Schäfer eine erste Adresse in Deutschland für deutsche Malerei des 19. Jahrhunderts. Noch bis Ende November läuft in dem gelungenen Bau eine Spitzweg-Sonderausstellung.

Wein in Bocksbeutel-Flaschen

Weintechnisch hat das Gemeinwesen, an dem einst Schweine durch eine Furt vom Land in die Stadt zum Metzger getrieben wurden, eine neue Qualitätsoffensive gestartet, was Winzer und Weindozent Albert Kestler seinen Gästen mit einem frischen Probeschluck beweist. Auch im Weingut Petersstirn versucht Wein-Prinzessin Lena (18) zu beweisen, dass die sechstgrößte deutsche Weinregion mit ihren typischen Bocksbeutel-Flaschen ein bevorzugter Genussplatz von Dionysos und Bacchus, den Weingöttern der Antike, gewesen sein dürfte. Im Weinlexikon heißt es lapidar: „Der Frankenwein ist herzhaft erdig, sehr körperreich und meist trocken ausgebaut – mit keinem anderen Wein vergleichbar.“

Nächster Stopp ist Würzburg, die Perle am Main, die auch im allgemeinen Ranking der schönsten deutschen Städte ziemlich weit vorne liegen dürfte. Die Domstadt, reich an Türmen (52 sind’s insgesamt), verbindet locker und leicht Geschichte mit Zukunft. Hier der bauliche Glanz von gestern, die Residenz, der Weltkulturerbe-Prachtbau von Balthasar Neumann: die Festung Marienberg, die jeder Autofahrer mit einem Seitenblick von der hier gerne stauverstopften A3 kennt. Die alte Mainbrücke, der St. Kilian-Dom, die Augustinerkirche mit einer eigenwilligen Kreuzweg-Interpretation von Jacques Gassmann. Dazu viel traditionelle und urige Gastronomie wie das Backöfele, wo als zünftige Spezialität auch eine fränkische Würschtles-Parade auf den Tisch kommt. Wozu man im Fränkischen Weinland auch mal ein fränkisches Bier trinken darf.

Welt-Architekturin Würzburg

Das Heute in Würzburg macht sich fest an der Steinburg, einem feinen LifeStyle-Hotel auf dem Würzburger Stein. In nächster Nähe führen Ludwig und San-dra Knoll in fünfter Generation das auch architektonisch äußerst gelungene Weingut am Stein, das die Spitzenlagen Würzburger Stein und Innere Leiste bearbeitet. Beim Hoffest im Juli und auch beim Tag der offenen Weinkeller am 29. November kann man die ganz besondere Atmosphäre „auf dem Stein“ erleben. Grundlage für die Qualität der Weine, die vielfach prämiert wurden, ist die sorgfältige Pflege der Weinberge. Ludwig Knoll erklärt: „Vollreifes, gesundes Lesegut sind für Geschmack und Frucht unentbehrlich.“ Das gilt auch für viele andere Bocksbeutel-Tropfen der Region, etwa vom Juliusspital oder Bürgerspital.

Auch die irakische Ikone unter den Welt-Architekten, Zaha Hadid, hat der Mainstadt ihren markanten Stil-Stempel aufgedrückt – ihr futuristischer Bürobau aus viel Glas an der Luitpoldstraße wird vom Fraunhofer-Institut genutzt.

Man muss Würzburg mögen und sollte sich treiben lassen. Und vor einer Bausünde in der City einfach die Augen schließen – das Heizkraftwerk mit seinen drei Glitzer-Schornsteinen ist das Gegenteil von einem Schmuckstück.

Der steilste Rebenhang der Stadt

Aschaffenburg, das finale Etappenziel der Reise, präsentiert sich als Stadt der netten Kuriositäten. Hier wurde vor gut 100 Jahren die erste deutsche Fahrschule eröffnet, hier werkelten Ingenieure am ersten funktionierenden Airbag, hier kurvten vor kurzem auf dem Schlossplatz Gabelstaplerfahrer aus aller Welt auf ihrer ersten Weltmeisterschaft.

Wir kraxeln den Badberg hinauf, den steilsten Rebenhang der Stadt, und haben den „Wilden Mann“ im Blick, ein leicht in die Jahre gekommenes Hotel, das mit seinen Um-, An- und Neubauten ein großer Beherbergungsirrgarten ist. Überhaupt: Aschaffenburg, mehr ins nahe Hessen und zum Frankfurter Airport als zum fernen München orientiert, fehlen moderne Kettenhotels. Man arbeite dran, heißt es im Rathaus.

Offene Gastronomie-Türen bietet die Stadt dagegen reichlich. Die Kneipenvielfalt ist vor allem am Dalberg mit seinen engen, verwinkelten Gassen urig und dicht – man fällt sozusagen von einem Tresen an den nächsten. „Nur nicht schlapp machen“, könnte die Devise lauten, schließlich fließt als Muntermacher ein lokales Bier aus den Zapfhähnen, das auf den schönen Namen „Schlappeseppel“ getauft wurde.

Das bayerische Nizza

„AS“ ist eine Kulturstadt: Der große Expressionist Ernst Ludwig Kirchner ist hier geboren, im Schloss Johannisburg sind zwei seiner Gemälde zu sehen. Das Schloss ist die Dominante unter den Highlights der Stadt. 400 Jahre alt wird der nach 1945 restaurierte Prachtbau der Renaissance inzwischen. Er diente einst als Zweitresidenz der Mainzer Erzbischöfe und war einer der Lieblingsplätze König Ludwigs I. Er soll sogar von „meinem bayerischen Nizza“ gesprochen haben.

Der Regent hat, angeregt durch Ausgrabungen im italienischen Pompeji, am Hochufer des Main den Nachbau eines römischen Wohnhauses unterstützt, um Kunstliebhabern das Studium der antiken Kultur ohne eine Reise über die Alpen zu ermöglichen. Das Pompejanum ist ein starkes Stück Aschaffenburg, was auch für die zehn Laufminuten entfernte Gastronomie „Pier 18“ direkt am Fluss gilt – AS zum Wohlfühlen.

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