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Privatstrände

Privatisierung an Italiens Stränden beunruhigt die Bürger

24.07.2012 | 08:45 Uhr
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In Italien ist die Zahl privat betriebener Strände von rund 5500 im Jahr 2001 auf mehr als 12.000 gestiegen.

Rom  In Italien wird ein Tag am Meer zum Luxus, den sich nicht mehr jeder leisten kann. Die Zahl privat betriebener Strände ist von rund 5500 im Jahr 2001 auf mehr als 12.000 angestiegen. Das beunruhigt die Italiener. Bürgerinitiativen üben scharfe Kritik.

"Stehen Sie bitte auf, Signora, Sie können hier nicht bleiben." Am Strand von Alassio im Norden Liguriens vertreibt ein Badeaufseher eine Schwangere, die ihrem Kleinen beim Spielen zuschaut. Grund ist eine städtische Verordnung, die die Nutzung des Ufers an Privatstränden untersagt.

Wer hier nicht für einen Sonnenschirm bezahlt, darf höchstens durchspazieren, aber nicht Halt machen. Die Szene Mitte Juli erhitzte die Gemüter in ganz Italien. Ist sie doch symbolisch für die zunehmende Privatisierung der Strände des Landes.

Seit 2006 gilt in Italien zwar ein Gesetz, das "freien und kostenlosen" Strandzugang garantiert. Doch wird dieses zunehmend zugunsten privater Interessen ausgehöhlt. Nach Angaben der Naturschutzorganisation WWF stieg die Zahl privat betriebener Strände von 5568 im Jahr 2001 auf mehr als 12000 heute.

"Strandbäder florieren und ans Meer zu gehen ist zum Luxus geworden"

Strandbäder mit Miet-Sonnenschirmen und -Liegestühlen für durchschnittlich 15 bis 20 Euro täglich belegen inzwischen 900 der 4000 Kilometer Badestrände. "Strandbäder florieren und ans Meer zu gehen ist zum Luxus geworden", warnt Grünen-Chef Angelo Bonelli. Für städtische Regionen, die von der Privatisierung besonders betroffen sind, verlangt er eine "Wiederherstellung des Gleichgewichtes von 50 Prozent öffentlich und 50 Prozent privat".

Die Italiener sollten "die Meeresküste zurückerobern, damit sie sich kostenlos auf eine Bank setzen und den Sonnenuntergang anschauen können". "Das Geschäftemachen mit diesem kollektiven Gut hat einem kleinen Kreis enorme Profite gebracht und gleichzeitig die Küsten-Ökosysteme geschwächt", warnt Gaetano Benedetto von der italienischen Sektion des WWF.

Viele Bürger haben sich damit abgefunden, fürs Baden bezahlen zu müssen. In Ostia in der Region Latium geht Marina mit Mann und Tochter jeden Dienstag ans Meer. Dort, am Hausstrand Roms, bezahlen sie 20 Euro pro Tag für Liegestuhl und Sonnenschirm. "Ich bin keine Stammkundin, aber ich bin bereit, einmal in der Woche für die Annehmlichkeiten zu zahlen", sagt sie.

Privatstrände sind begehrter als öffentliche Strände

Sabrina hat für ein Sechs-Personen-Jahresabo mit Kabine, Sonnenschirm und zwei Liegestühlen sogar 1800 Euro hingelegt. Und das ist es ihr wert: "Die Atmosphäre ist familiär und ruhig", sagt die junge Frau. Die Römerin Elisabetta besucht seit ihrer Kindheit die Privatstrände von Ostia. An den öffentlichen, "von den Behörden aufgegebenen Stränden" will sie ihr Handtuch nicht ausbreiten: "Der Staat ist unfähig, die öffentlichen Räume zu bewirtschaften. Es gibt keine Alternative."

Europas bekannteste Wahrzeichen

Ein Strandbadbetreiber sieht dies ebenso: "Verantwortlich für diese Situation ist der Staat, der die Verwaltung seines Vermögens nicht gewährleisten will und sie lieber in private Hände gibt."

Proteste gegen Privatisierung und bezahlte Strände

Doch der Protest formiert sich. In Rom, wo laut Bonelli "80 Prozent der Badezonen privatisiert sind", starteten die Grünen ein Referendum gegen private Strandabschnitte. In Neapel begannen Bürger mit der Einrichtung eines öffentlichen Strandes auf einem verlassenen Industriegelände.

"Wir vertreten die 98 Prozent Neapolitaner mit Badehose, die gezwungen sind, fürs Baden zu bezahlen, gegen die zwei Prozent Privilegierten mit einem Boot", sagt Mauro Forte von der Bürgerinitiative "Ein Strand für alle", die die wachsende Zahl von Hafenanlagen anprangert.

Auch Bonelli betont: "In Rio de Janeiro ist der Zugang zur Copacabana kostenlos, für den Millionär wie für die Bewohner der Favelas." In Italien hingegen könnten sich zahlreiche von der Krise betroffene Bürger einen Tag am Meer nicht mehr leisten. (afp)

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