Das aktuelle Wetter NRW 22°C
Nachhaltigkeit

Ökologischer Tourismus - Zu viele Gütesiegel stiften Verwirrung

26.01.2012 | 11:45 Uhr
Ökologischer Tourismus - Zu viele Gütesiegel stiften Verwirrung
Gütesiegel können bei der Suche nach einem geeigneten Veranstalter helfen.Foto: Hans Blossey

Bonn.   Gütesiegel können Urlaubern helfen, bei der Reise auf Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit zu setzen. Doch die Vielzahl der existierenden Öko-Gütesiegel verwirrt die Verbraucher - und längst nicht jedes Siegel ist aussagekräftig.

Bei Lebensmitteln und Kleidung sind Bioerzeugnisse und fairer Handel mitsamt den zugehörigen Gütesiegeln gang und gäbe. Sie geben Orientierung und bestätigen, dass nachhaltig und ökologisch gewirtschaftet wird. Auch beim Reisen achten immer mehr Menschen auf Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit, allerdings ist die Suche nach dem passenden Angebot ziemlich aufwendig: "Das Problem ist nicht, dass es keine Gütesiegel gibt, sondern eher, dass es zu viele sind", sagt Bernd Räth, Geschäftsführer des Vereins Ökologischer Tourismus in Europa (Ö.T.E.) in Bonn.

Das führe zum einen zu Unübersichtlichkeit, zum anderen zu einem geringen Bekanntheitsgrad einzelner Siegel, weil sie zu wenige Teilnehmer haben. Ist bereits die Entscheidung für ein bestimmtes Reiseziel gefallen, empfiehlt Räth deshalb, sich an die jeweilige Tourismuszentrale zu wenden: "Dort sind in der Regel alle Informationen gebündelt." So lasse sich herausfinden, ob es Biohotels oder andere nachhaltige Angebote gebe.

Weltweit über 100 verschiedene Gütesiegel

Über 100 verschiedene Gütesiegel existieren inzwischen weltweit. Untereinander vergleichen lassen sie sich kaum, zu unterschiedlich sind die zu erfüllenden Kriterien und der jeweilige Schwerpunkt. So geht es beispielsweise mal vorwiegend um soziale Belange, mal um den Schutz der Umwelt. Die Glaubwürdigkeit eines Gütesiegels lässt sich für den Laien deshalb nur schwer einschätzen. Anhaltspunkte sind eine transparente Darstellung der Kriterien und die genaue Information, wer hinter der Vergabe steht.

Nur eingeschränkt aussagekräftig sind laut Räth solche Siegel, die von der Tourismuswirtschaft selbst verliehen werden, zum Beispiel von Reiseveranstaltern. Diese seien zwar nicht grundsätzlich negativ zu beurteilen. Man müsse jedoch bedenken, dass jeder Anbieter auch seine Kriterien selbst festlege und entscheide, was er sich und seinem Angebot zumuten könne.

Neuer Wegweiser

Um etwas Licht ins Dunkel zu bringen, haben mehrere Organisationen aus der Schweiz, aus Österreich und aus Deutschland gemeinsam einen "Wegweiser durch den Labeldschungel" entwickelt. Mitgewirkt hat auch die Arbeitsstelle TourismWatch des Evangelischen Entwicklungsdienstes eed in Bonn. "Wir haben 20 relevante Gütesiegel ausgewählt, die einen deutlichen und ernst zu nehmenden Beitrag zum nachhaltigen Tourismus leisten", erläutert der Leiter von TourismWatch, Heinz Fuchs, das Ergebnis.

Darunter sind die deutschen Siegel Viabono und Blaue Schwalbe oder das European Ecolabel. Aber auch das südafrikanische Label Fair Trade In Tourism oder die Certification for Sustainable Tourism (CST) in Costa Rica stehen auf der Liste. Die im Wegweiser genannten Siegel zeichnen sich nach Einschätzung der Experten nicht nur durch ihren Beitrag und ihre Aussagekraft, sondern auch durch ihre Glaubwürdigkeit aus: Bei allen findet eine unabhängige Prüfung der teilnehmenden Betriebe und Anbieter vor Ort statt.

Ein Problem eint die meisten Gütesiegel: "Sie und die von ihnen zertifizierten Anbieter zu finden, gleicht manchmal der Suche nach einer Nadel im Heuhaufen", bedauert Fuchs. Die Broschüre steht unter tourismwatch.de zum Download und in Kürze auch in gedruckter Form bereit. (dapd)

Auf Hochzeitsreise

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6281490/create

Aktuelle Fotos und Videos
AIDAmar-Taufe
Bildgalerie
Leser-Aktion
Die legendäre Titanic
Bildgalerie
Titanic
James Cameron taucht ab
Bildgalerie
Rekord
Orangenschlacht an Karneval
Bildgalerie
Brauchtum
Aus dem Ressort
Die Hälfte der Züge im Bahn-Fernverkehr bleibt leer
Bahn
Die Bahn will ihre Auslastung steigern: Sie liegt im Fernverkehr derzeit bei 48 bis 49 Prozent. Zweites Problem: Derzeit sind die Züge zwar pünktlich wie nie - jedenfalls nach Darstellung des Unternehmens. Das wird aber mittelfristig kaum so bleiben, sagt Bahnchef Grube
Die Golden Gate Bridge ist das Goldene Tor ins Jenseits
Brückenjubiläum
Die berühmte Brücke in San Francisco fasziniert Millionen Menschen. Und lockt Verzweifelte aus aller Welt. Zum 75. Geburtstag der Golden Gate kehrt eine alte Frage zurück: Warum macht man es Selbstmördern hier so leicht?
Foto