Nostalgie und Rock'n'Rock-Lifestyle im Hard Rock Café

In 50 Ländern bietet das Hard Rock Café seine typischen Burger, Pommes und den Rock’n’Rock-Lifestyle an.
In 50 Ländern bietet das Hard Rock Café seine typischen Burger, Pommes und den Rock’n’Rock-Lifestyle an.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Mit mehr als 170 Filialen zählt das Hard Rock Café zu den erfolgreichsten Ketten der Welt. Dabei begeistern Exponate der Stars weiterhin die Gäste.

Essen.. Wäre Eric Clapton nicht so ein Gewohnheitsmensch gewesen, wer weiß, wie es mit den Hard Rock Cafés weitergegangen wäre. Vielleicht gäbe es heute keine Filialen in New York, Moskau, Osaka, Berlin oder Bali. Vielleicht wären in den 80er- und 90er-Jahren nicht Tausende Fans in T-Shirts mit dem Logo und dem jeweiligen Stadtnamen herumgelaufen. Vielleicht wäre es bei dem einen Café in der Londoner Old Park Lane geblieben. Wenn, ja, wenn Eric Clapton sich Anfang der 70er-Jahre einfach mit irgendeinem Stuhl begnügt hätte.

Burger mit Pommes und Rock’n’Roll

Doch der englische Blues- und Rocksänger, so will es die Legende, wünschte einen Stammplatz – und markierte sein Revier, indem er seine Fender-Lead-II-Gitarre an die Wand hängte. Musikexponat Nummer eins in einer Reihe von inzwischen mehr als 70.000 Ausstellungsstücken von Rock- und Popstars, die heute den Markenkern der Hard Rock Cafés ausmachen.

Burger mit Pommes und einer Prise Rock’n’Rock-Lifestyle – mit diesem Mix wuchs das Unternehmen bald in die weite Welt hinaus. Mittlerweile, fast 45 Jahre nach der Gründung 1971, gehört wohl noch eine vierte Zutat zum Erfolgsrezept: ein gutes Pfund Nostalgie.

Egal, welche Filiale der Gast betritt, ob in Mumbai oder Honolulu, überall findet er Reliquien einer vergangenen Zeit: Jimi Hendrix’ Flying-V in London, eine braune Lederhose von Jim Morrison in Hollywood, Frank Sinatras goldenes Mikrofon in Las Vegas. Die deutschen Dependancen – neben Berlin gibt es Hard Rock Cafés in Köln, Hamburg und München – warten unter anderem auf mit einem E-Bass in Axtform von Kiss-Legende Gene Simmons (München), einer Uniform, die Johnny Cash während seiner Zeit als Soldat in Europa trug (Hamburg) und einer signierten Harley-Davidson-Weste von Bob Dylan (Köln).

Dass es nicht immer nur die Alt-Stars sein müssen, zeigt das Berliner Hard Rock Café. Dort finden sich auch ein Kleid von Pop-Sängerin Shakira und ein Affenkostüm des Reggae- und Hip-Hop-Musikers Peter Fox. Das Label „Hard Rock“ nimmt man offenbar nicht mehr ganz so genau.

Doch der Erfolg gibt den Betreibern Recht. Mehr als 170 Filialen zählt die Kette inzwischen in über 50 Ländern. Von London aus expandierten die US-amerikanischen Gründer Isaac Tigrett und Peter Morton ab 1982 zunächst in ihre Heimat. Morton eröffnete Cafés in Los Angeles, San Francisco, Chicago und Houston; Tigrett ging nach New York, Dallas, Boston, Washington, Orlando, Paris und Berlin. 1990 übernahm das britische Unterhaltungsunternehmen Rank Tigretts Filialen, die er zuvor an die britische Firma Mecca verkauft hatte. Rank baute die Café-Familie weiter aus und kaufte schließlich auch Mortons Anteile. Heute gehören auch Hotels, Bars und Casinos zum Portfolio. Doch längst nicht jede Idee war erfolgreich.

Indianerstamm als Betreiber

Das Hard Rock Museum in Orlando, genannt „The Vault“ (Tresor), blieb gerade einmal von Januar 2003 bis September 2004 geöffnet. Auch der Hard-Rock-Freizeitpark in Myrtle Beach in South Carolina, der im April 2008 gegründet wurde, musste seine Tore bereits nach einer Saison wieder schließen. Und selbst die Cafés hatten nach dem 11. September 2001 mit der aufkeimenden anti-amerikanischen Stimmung zu kämpfen.

Gegen Ende des Jahrzehnts ging es jedoch wieder aufwärts. Im Dezember 2006 hatte Rank die Restaurantkette verkauft – an einen Indianerstamm. Mit den Seminolen aus Florida hatte Rank bereits einige Casinos und Hotels gemeinsam betrieben, nun ging Hard Rock International für 965 Millionen US-Dollar komplett an den geschäftstüchtigen Stamm, der sein Geld auch mit dem Anbau von Tabak, Zitrusfrüchten und dem Viehhandel verdient.

Ein Millionen-Unternehmen, Merchandising, weltweite Filialen – heimelig mag anders klingen. Manch einer dürfte sich trotzdem auch heute noch in Carole Kings Song „Hard Rock Café“ wiederfinden. Dort singt sie: „Wenn du dich ein bisschen einsam fühlst, lass den Kopf nicht hängen (...), du weißt, die Tür steht immer offen.“

Nur das mit dem Stammplatz ist so eine Sache.