Niederländisches Domburg darf sich nun "Seeheilbad" nennen

Was viele Urlauber immer schon geahnt haben, jetzt ist es amtlich: Ein Aufenthalt in Domburg und Cadzand tut gut.
Was viele Urlauber immer schon geahnt haben, jetzt ist es amtlich: Ein Aufenthalt in Domburg und Cadzand tut gut.
Was wir bereits wissen
Zwei Badeorte an der zeeländischen Küste bekommen begehrten Titel. Luft und Wasser haben hervorragende Qualität attestiert bekommen.

Domburg. "Domburg hat das Potenzial, das Sylt der Niederlande zu werden", sagt Govert Janzen, Direktor des Badhotels in Domburg. In festem Glauben daran hat das erste Haus am Platze in diesem Jahr in einen schicken Wellnessbereich mit verschiedenen Pools, Saunen und Behandlungsräumen investiert. Nun setzt Janzen darauf, dass gesundheitsbewusste Gäste kommen. Denn der Badeort an der zeeländischen Küste darf sich seit neuestem mit dem Titel „Seeheilbad“ schmücken, ebenso wie Cadzand, ein weiterer Badeort in der Provinz Zeeland, an der Grenze zu Belgien gelegen.

Der Deutschen Heilbäderverband, der kurioserweise auch für die niederländischen Nachbarn zuständig ist, sowie die European SpaAssociation haben die Qualität von Luft und Wasser in beiden Orten geprüft und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass sie eine heilsame Wirkung haben. Was viele Urlauber immer schon geahnt haben, jetzt ist es amtlich: Ein Aufenthalt in Domburg und Cadzand tut gut.

Stundenlang kann man hier am Wellensaum, dort wo der Sand richtig schön fest ist, spazieren gehen, nur das Rauschen der Nordseewellen im Ohr und die jodhaltige Luft in der Nase. Und das nach nur drei Stunden Autofahrt aus dem Ruhrgebiet – die Erholung setzt umgehend ein. Nicht umsonst tummelt sich halb NRW zu Pfingsten oder um Christi Himmelfahrt an den zeeländischen Stränden.

Kurort-Tradition ohne ein Kurort gewesen zu sein

Der Heilbäderverband attestiert, dass sich in Domburg „die beruhigende Kraft der Küste günstig auf Stress auswirkt“, Allergiker von der pollenarmen Luft profitieren, ein Bad im Meer den Puls und Blutdruck senkt und der Wind das Abwehrsystem stärkt. In den Nachbarorten gilt dies höchstwahrscheinlich ebenso, aber dort wurde die hohe Konzentration von Magnesiumsalz und Natriumchlorid im Meerwasser nicht untersucht und als Heilwasser klassifiziert.

Domburg und Cadzand sind bisher die einzigen Heilbäder in den Niederlanden. Gesundheitstourismus hat im Nachbarland keine Tradition, denn Kuren wurden dort noch nie von der Krankenkasse bezahlt. Durch den Heilbadstatus hofft man, dass künftig mehr Besucher kommen – vor allem auch in der Nebensaison, wenn die touristischen Betriebe nicht ausgelastet sind.

Domburg hat sogar eine Tradition als Kurort, auch wenn er dies offiziell bisher nicht war.

Prominente Patienten

Als Dr. Johann Mezger 1887 in den Sommermonaten begann, hier zu praktizieren, setzte eine Art Medizin-Tourismus für betuchte Gäste ein. Der Amsterdamer Arzt, als „Vorstenwrijver“ (Reiber des Fürsten) bekannt, zog prominente Patienten an. Er war einer der ersten, die Physiotherapie anwandten und galt als Mann mit dem goldenen Daumen. Zahlreiche Mitglieder deutscher Fürstenhäuser, später auch Königin Elisabeth von Rumänien, ließen sich von ihm behandeln. Natürlich wollten die Herrschaften angemessen wohnen. Es wurden stilvolle Villen mit Türmchen, Erkern und Veranden gebaut. Einige davon sind renoviert oder im alten Stil neu gebaut, etwa der Badpavillon an der Promenade, einst ein Kaffee- und Badehaus mit Konzertsaal, zwischendurch ziemlich herunter gekommen und seit 2008 ein schickes Appartementhaus mit einem französisch inspirierten Restaurant „HetBadpaviljoen“.

Die natürlichen Ressourcen Domburgs, der herrliche Strand, die Dünenlandschaft und das Waldgebiet „De Manteling“ mit den knorrigen Bäumen, die sich ihr Leben lang vor dem Nordsee-Wind ducken, haben Urlauber schon immer angezogen. Nun will man die Natur verstärkt ins Bad-Konzept einbeziehen, zum Beispiel Yoga am Strand anbieten oder Walking auf dem Wanderweg durch die Dünen.

Infobox666-060.xml Das Badhotel mit seinem neuen Wellnessbereich ist ein Vorreiter. Auch Gäste, die nicht im Hotel wohnen, können das Spa nutzen, für 29 Euro am Tag. Die neuen „Mezger-Lodges“, die gerade auf den Markt gebracht werden, sollen ebenfalls mit einem Spa-Bereich ausgestattet werden. In diesem Mai hat ein Yoga-Camping eröffnet – ein bisschen Indien in Holland. Als Pauschalpaket bucht man hier neben einem Stellplatz auf einem hübsch gestalteten Mini-Camping 75 Minuten Yoga am Morgen sowie ein Büffet mit Produkten aus biologischem Anbau. Im VVV Domburg, dem örtlichen Fremdenverkehrsverband, hofft man, dass weitere Anbieter auf die Wellnesswelle aufspringen und auch das öffentliche Schwimmbad „De Parel“ (Die Perle), das von der Ferienhauskette Rompotpark betrieben wird, möglichst bald den neuen Maßstäben angepasst wird.

Promenade: Yogaplateaus und stylische Sitzmöbel

Auch Cadzand, der zweite niederländische Kurort, setzt auf Erneuerung. Mit der Bewerbung als Heilbad hat man gleich dem ganzen Ort ein neues Image vorordnet. Alles soll schicker und moderner werden. Deshalb wird jetzt eine Promenade mit stylischen Sitzmöbeln und Yogaplateaus angelegt, im April 2016 wird ein Yachthafen eröffnet und die Häuser in der ersten Reihe zum Strand werden neu gebaut. Dafür hat sich den normannischen Stil der nordfranzösischen Badeorte abgeguckt.

Eine Menge Überzeugungsarbeit

Anfangs mussten die Verantwortlichen eine Menge Überzeugungsarbeit leisten. Die Bevölkerung befürchtete, dass durch alle die Neubauten ihre Küste ähnlich zubetoniert wird wie die belgische, die unmittelbar an den Ort grenzt. Die Macher konnten die Skeptiker beruhigen, Hochhäuser an der Strandpromenade wie im benachbarten Knokke wird es in Cadzand nicht geben. Eine intakte natürliche Umgebung ist schließlich auch eines der zehn Kriterien für die Anerkennung des Badstatus.

Etwas Positives hat die Nähe zu Belgien allerdings schon. Es gibt 25 Lokale mit Michelin-Sternen in der Grenzregion, so viel wie sonst nirgendwo.