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Interview

"Natürlich gibt es Nischen"

11.11.2009 | 15:27 Uhr
"Natürlich gibt es Nischen"

TUI-Chef Dr. Volker Böttcher über den kommenden Sommer, aggressive Preise und die Konkurrenz

Mit deutlich vergünstigen Preisen, mehr exklusiven Hotels und zusätzlichen Flugkapazitäten will Marktführer TUI die Buchungsbremse der Bundesbürger lösen. Das Reise Journal sprach mit Dr. Volker Böttcher, Vorsitzender der Geschäftsführung der TUI Deutschland, über rückläufige Marktanteile, den Trend zu All-inclusive und warum Urlauber bei der TUI künftig eine Extrawurst erhalten.

Herr Böttcher, verraten Sie uns Ihr Unwort des Jahres?

Böttcher: Schweinegrippe.

Warum?

Böttcher: Ich halte die öffentliche Diskussion für überzogen.

Was ist denn mit dem Wort „Krise"?

Böttcher: Natürlich hat das wirtschaftliche Umfeld, das von den Sorgen vieler Bürger um ihren Arbeitsplatz geprägt war, unser Geschäft negativ beeinflusst. Aber nicht zuletzt durch unsere Maxime „Marge vor Menge” konnten wir unsere ehrgeizigen Ergebnisziele im abgelaufenen Geschäftsjahr 2009 erreichen.

Trotzdem haben Sie ordentlich Marktanteile an die Konkurrenz verloren.

Böttcher: Richtig, aber man muss differenzieren. Wir waren in der Vergangenheit gezwungen, unsere eigene Flugflotte auszulasten. Durch den Verkauf unseres City-Fluggeschäftes an Air Berlin haben wir inzwischen eine Redimensionierung hergestellt, die auch gut für unsere Rentabilität ist. Hätten wir unsere eigenen Flugkapazitäten in vollem Umfang im Markt belassen, wäre es zu einem erheblichen Preisverfall gekommen. Ich gehe sogar noch weiter. Wenn alle in diesem schwierigen Marktumfeld so expansiv und preisaggressiv agiert hätten, wie es einige Mitbewerber getan haben, hätten wir den Markt kaputt gemacht.

Ist es nicht ein genereller Trend, dass die zunehmende Anzahl kleiner Reiseveranstalter den großen wie der TUI immer mehr Gäste abjagen? Fast wie in der Politik, wo die Volksparteien zunehmend ihre Vormachtstellung verlieren.

Böttcher: Nein. Natürlich haben kleinere Anbieter die Flugkapazitäten, die wir zuvor frei gegeben haben, für eigenes Wachstum genutzt. Insofern ist es auch zu einer geringfügigen Verlagerung der Marktanteile gekommen. Und natürlich gibt es immer noch Nischen, die gut und erfolgreich von kleinen Spezialisten besetzt werden können. Unterm Strich haben sich die Verhältnisse im Markt aber nicht verschoben. Wir sind immer noch mit erheblichem Abstand Marktführer. Und ab sofort begeben wir uns wieder in die Vorwärtsbewegung. In der anstehenden Sommer-Saison werden wir die Flugkapazitäten wieder erhöhen, um für eine wieder anziehende Nachfrage gerüstet zu sein.

Warum aber sollten die Kunden ausgerechnet bei TUI buchen? Die Konkurrenz reklamiert für sich, sie sei grundsätzlich günstiger:

Böttcher: Das würde ich an deren Stelle auch behaupten. Fakt ist aber nun, dass ein erheblicher Teil unseres Angebotes gar nicht vergleichbar ist, weil man diese Produkte exklusiv bei uns bekommt. Und selbst beim Wettbewerb mit sich überschneidenden Häusern ist es meist so, dass es Leistungsunterschiede gibt. Fast immer bieten wir unseren Kunden zusätzliche Mehrwerte an, die im Reisepreis enthalten sind – beispielsweise die komfortable Anreise mit dem Zug in der 1. Klasse zum Reise-Flughafen.

Was können Sie besser als die Mitbewerber?

Zuversichtlich für das kommende Jahr: Mit exklusiven Hotelmarken will Volker Böttcher die TUI weiter stärken.

Böttcher: Ich nehme für die TUI in Anspruch, dass wir beim Thema Qualität die Maßstäbe setzen. Außerdem verfügen wir über das mit großem Abstand exklusivste Hotelangebot. Insgesamt bieten wir unseren Gästen im nächsten Sommer 13 neue, exklusive Hotels. So bauen wir etwa unsere neue Hotelmarke Sensimar mit Anlagen auf Korfu und Kreta aus. Zudem ergänzen sieben neue RIU Hotels in den nächsten Monaten unser Programm. Und in Kürze eröffnet ein neuer Robinson Club auf den Malediven. In drei Jahren, so unser Plan, wollen wir einen Anteil von 70 Prozent exklusiver Hotels in unserem Programm erreicht haben.

Moment, dann gehen Sie ja doch wieder ins Risiko und bauen neue Kapazitäten auf.

Böttcher: Natürlich gehen wir bei exklusiven Hotelpartnern eine gewisse Verpflichtung ein. Aber unsere Systeme sind ausgereift und wir können viel exakter die Risiken steuern und managen.

Warum spielen exklusive Hotels eine so gewichtige Rolle?

Böttcher: Weil wir hier maßgeblichen Einfluss auf die Qualität haben. Der Kunde honoriert das. Bereits heute entscheidet sich mehr als jeder zweite TUI-Gast auf der Mittelstrecke für ein Hotel, das er nur bei uns buchen kann. So gesehen sind diese Häuser für uns auch wichtige Werttreiber.

Trotz eines gestiegenen Qualitätsbewusstseins bei den Urlaubern, die Nachfrage nach Rundum-Sorglos-Paketen mit kalkulierbaren Kosten nimmt ebenfalls zu. Ein Widerspruch?

Böttcher: Ich denke nicht. Sie müssen ja sehen, dass die heutigen All-inclusive-Anlagen inzwischen deutlich mehr bieten als lediglich unbegrenzte Speisen und Getränke: Sport und ein perfektes Unterhaltungsprogramm sind ebenfalls wichtige Bausteine des Gesamtkonzepts. Wir gehen übrigens davon aus, dass im Sommer 2010 55 Prozent aller TUI-Kunden, die eine Flugreise ans Mittelmeer machen, sich für ein All-inclusive-Angebot entscheiden werden – ein Anstieg um fünf Prozent zu 2008.

Die Kehrseite der Medaille ist, dass etwa auf den Balearen und den Kanaren immer mehr etablierte Restaurants schließen müssen, weil die Urlauber außerhalb der Hotels nichts mehr konsumieren.

Böttcher: Ich bezweifle, dass All-inclusive-Angebote dafür die Ursache sind, zumal diese Angebotsform in den genannten Zielen eher unterdurchschnittlich ausgeprägt ist. Es macht ohnehin keinen Sinn, es nicht anzubieten, wenn es dem Gästewunsch entspricht. Es ist übrigens ein Irrtum zu glauben, All-inclusive-Urlauber würden sonst kein Geld ausgeben. Wir haben festgestellt, dass gerade diese Zielgruppe sehr unternehmungslustig ist und Ausflugsangebote stark nachfragt.

Überraschend klingt Ihre Ankündigung, den Anteil Ihrer Reisebüros erheblich auszuweiten. Ganz schön mutig, immerhin gewinnt der Vertriebskanal Internet zunehmend an Bedeutung.

Böttcher: Wir verfolgen da eine duale Strategie, investieren also auch ins Internet. Aber wir wollen mit der angesprochenen Maßnahme unseren direkten Kundenzugang verbessern. Viele Urlauber mögen sich im Internet informieren – die umfassende und hochwertige persönliche Beratung erleben sie nach wie vor im Reisebüro. Und dort buchen sie auch.

Um auf Nummer sicher zu gehen, wollen Sie Ihre Kunden demnächst sogar mit „Extrawürsten" ködern.

Böttcher: Ja, so lautet die Botschaft im jüngsten Werbespot. Dahinter verbergen sich ernst-hafte Vorteile wie unsere Durchführungsgarantie für Rundreisen oder der neue Flex-Tarif für Städtereisen, der kurzfristige gebührenfreie Stornierungen vorsieht. Oder auch die Tatsache, dass TUI Premium-Gäste künftig freien Zugang zu den Flughafen-Lounges ausgewählter Flughäfen erhalten.

Und auf welche „Extrawurst" möchten Sie im privaten Urlaub nicht verzichten?

Böttcher: Nach einem langen Flug gönne ich mir einen direkten Transfer ins Hotel, ohne Wartezeiten und lästige Zwischenstopps. Auch so was kann man bei der TUI buchen.

Interview: Pascal Brückmann



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Kommentare
Kommentare
12.11.2009
11:00
Natürlich gibt es Nischen
von Holländer | #3

Die TUI ist vor allem eine Marketingmaschine, das spiegelt das Interwiew deutlich wieder.

Mit exklusiven Hotelanlagen will man sich von der Konkurrenz absetzen u. Vergleichbarkeit verhindern, auch beim (Hoch)-Preis.

Dazu passt auch der ausbau der Reisebüroschiene, hier sollen vor allem teure Reisen verkauft werden u. den Urlaubern mit allerlei Schnickschnack schmackhaft gemacht werden, man ist ja so exklusiv u. damit auch teurer.

Das Internet wird von Tui möglichst flach gehalten, denn da findet man richtige Schnäppchen u. hat die grosse Preisvergleichbarkeit, ganz gegen die Intressen des Reisekonzerns !

Die Strategie kann aber nur dann aufgehen, wenn die Kaufkraft der Verbraucher wieder steigt u. diese bereit sind hoch u. höchstpreisige Reisen mit etwas Exklusivitätsflair zu bezahlen, sonst machen Alltours, Bucher u. Co. das dicke Geschäft !

06.11.2009
12:52
Natürlich gibt es Nischen
von VSchupetta | #2

Das touristische Unwort der letzten Jahre heisst FRÜHBUCHERPREISE. Beschiss auf hohem Niveau! Schön das sich Herr Böttcher alles gönnen kann - er zahlt ja auch nicht dafür! Lächerlich - der Typ und sein Arbeitgeber, lächerlich und überflüssig!

06.11.2009
09:58
Natürlich gibt es Nischen
von fliegepuk | #1

ich empfehle einen blick in ihre kataloge herr böttcher und zeigen mir die preissenkungen. mir fallen da nur noch die augen aus.

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