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Mumien im Bleikeller

14.07.2010 | 15:07 Uhr
Mumien im Bleikeller

Die Stadtmusikanten sind weltbekannt, doch die Hansestadt an der Weser hat noch viele Geschichten mehr zu bieten

Das Märchen von den Bremer Stadtmusikanten ist weltbekannt. Die zwei Meter hohe Bronzeplastik von Esel, Hund, Katze und Hahn steht seit gut einem halben Jahrhundert an der Westseite des Rathauses und ist für Bremen-Besucher der ideale Ausgangspunkt für einen Rundgang durch das historische Zentrum der Hansestadt.

Wer die Beine des Esels mit beiden Händen leicht reibt, wird Glück haben und hat obendrein einen Wunsch frei. Hüten sollten sich die Besucher allerdings davor, dem Esel nur eine Hand zu reichen, denn das bedeutet in Bremen, dass sich zwei Esel „Guten Tag” sagen. Die meisten machen es wohl richtig, denn die Vorderbeine sind schon ganz blank gescheuert. Nach dem obligatorischen Foto sind es nur wenige Schritte bis zum ältesten Weinkeller Deutschlands.

Im Bremer Ratskeller werden bereits seit 1409 die erlesensten Tropfen ausgeschenkt. Mit 650 Sorten beherbergt der Ratskeller die größte Sammlung deutschen Weins. In der Gewölbehalle zwischen Säulen und Prunkfässern können die Besucher neben Traubensaft so typisch norddeutsche Spezialitäten wie Knipp, Labskaus und Braunkohl probieren. Der Schriftsteller Wilhelm Hauff verfasste an einem der Tische seine Novelle „Phantasien im Bremer Ratskeller”. Über dem Ratskeller erhebt sich das Rathaus im Stil der Weser-Renaissance. Es wurde 2004 zusammen mit der Figur des Rolands auf dem Marktplatz zum Unesco-Welterbe ernannt. In der oberen Rathaushalle trug sich übrigens schon der King of Pop, Michael Jackson, ins Goldene Buch der Stadt ein.

An der Ostseite des Rathauses ragt der St. Petri Dom mit seinen Türmen 99 Meter in die Luft. Die im Rokoko-Stil gehaltene Kanzel kam 1653 als Geschenk der schwedischen Königin Christina an die Weser. Furchtlose Besucher sollten unbedingt auch einen Blick in das Nebengebäude des Doms riskieren. Im Bremer Bleikeller sind neben einer Reihe von mumifizierten Tieren die Mumien von sechs Menschen in ihren offenen Särgen ausgestellt. Eine Sehenswürdigkeit mit Gruselfaktor.

Bremen ist die Stadt der kurzen Wege. Nur wenige Gehminuten vom Dom entfernt fühlt sich der Besucher beinahe in eine andere Zeit versetzt. Im Schnoor, dem ältesten Stadtviertel, reihen sich schmale Fachwerkhäuser aus dem 15. und 16. Jahrhundert dicht aneinander. Es wird schnell eng in den Gassen, wenn neu angekommene Reisebusse ihre Fahrgäste entlassen. Da lohnt sich ein Abstecher ins Geschichtenhaus. Hier ist unter anderem zu erfahren, warum die berühmte Pilgerreise nach Santiago de Compostela über Bremen ging.

Vom Schnoor aus geht es ein paar Meter entlang der Weserpromenade Schlachte in die weltbekannte Böttcherstraße. Hier liegt das Paula-Modersohn-Becker-Haus. Die Malerin gilt als bedeutendste deutsche Wegbereiterin der künstlerischen Moderne. Modersohn-Becker starb 1907 in Worpswede. Ein Ausflug in das rund 25 Kilometer entfernte Künstlerdorf ist auch bei den Bremern sehr beliebt.

Die Böttcherstraße verbindet Weser und Marktplatz, womit der Besucher wieder am Ausgangspunkt seines Rundgangs angekommen ist, doch längst noch nicht alles Sehenswerte erkundet hat. Wer also statt eines Kaffees zu trinken – dank einer Genehmigung von 1673 ist Bremen die erste Stadt Deutschlands, in der Kaffee ausgeschenkt werden durfte –, noch erlebnishungrig ist, der kann die Schlachte bis zur Überseestadt entlangbummeln. Hier entsteht derzeit auf einer der größten Baustellen Europas mitten zwischen alten Hafengebäuden das jüngste Stadtviertel. Manuela Ellmers

DerWesten

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2010-07-14 15:07
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