Mit der Familie im Autozug nach Südfrankreich

Eine Familie hat eine Reise nach Südfrankreich mit dem Autozug getestet.
Eine Familie hat eine Reise nach Südfrankreich mit dem Autozug getestet.
Was wir bereits wissen
Eine Familie wagt ein Experiment: Sie reist mit dem Autozug von Düsseldorf nach Narbonne in Südfrankreich. Neben Koffern und Spielzeug für die Kinder sind auch Vorurteile über das Reisen mit der Bahn im Gepäck. Wie die Familie die Reise erlebte und ob sich die Zugfahrt lohnt, erfahren Sie hier.

Düsseldorf.. Wohin nächstes Jahr in Urlaub? Nach Südfrankreich, Spanien, Portugal? Fliegen? Selber fahren? Wir, meine Frau Ulla, unsere Kinder Tim und Lisa und ich, entscheiden uns für eine Bahnreise von Düsseldorf nach Narbonne in Frankreich. Mit dem Autozug. Im Schlafwagen.

In Zeiten, in denen Billigflieger angeblich für ein Trinkgeld kreuz und quer durch Europa jetten, klingt das hoffnungslos nostalgisch. Allerdings ist das Flugzeug in diesem Fall keine echte Alternative: Zu unserem Wunschtermin, der Ferienzeit, lässt es sich wahrlich nicht billig fliegen. Und eine 16-stündige Selbstanreise ans Meer hat sich schon in den letzten Jahren als familiäre Zerreißprobe erwiesen. Da liest sich der Fahrplan des Autozugs nervenschonender: Fahrzeugverladung in Düsseldorf 15:55 bis 16:30 Uhr, Abfahrt um 16:51, Ankunft in Narbonne/Südfrankreich um 10:05 Uhr – am nächsten Morgen! Zweifel bleiben.

Vorurteile über die Bahn

Düsseldorf. Autozug Terminal am Hauptbahnhof. 15:35 Uhr. Im Gepäck viele Koffer, Massen an Spielzeug und jede Menge Vorurteile über Reisen mit der Bahn. Das erste löst sich gleich bei der Verladung der Fahrzeuge auf. Die beginnt nämlich pünktlich. Erster Gang rein und mit einem Ruck geht’s rauf auf den Anhänger. Einfach. Bewaffnet mit Handgepäck gehen wir zum Bahnsteig, AZ 1354 ist schon zum Einsteigen bereit.

Auch Vorurteile zwei und drei überleben nicht lange: Die Wagen sind weder verqualmt (in den Schlaf- und Liegewagen herrscht Rauchverbot), noch sind Schaffner mürrische Zeitgenossen. Vielleicht liegt das auch daran, dass die nicht mehr Schlafwagenschaffner sondern „Serviceteam-Mitarbeiter“ heißen. Klingt ja auch irgendwie freundlicher. Unser Serviceteam-Mitarbeiter jedenfalls nimmt sich die Zeit, uns die technischen Feinheiten unseres rollenden Hotelzimmers zu erläutern. Denn nur die Bedienung des lichtundurchlässigen Rollos am Fenster erschließt sich Neulingen intuitiv. Die diversen Schalter für Nachtlicht, Hauptlicht, Leselicht – insgesamt gibt es zehn Tasten pro Abteil – sind erklärungsbedürftig.

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Betten verbergen sich hinter Wandpanelen

„Wo sind eigentlich die Betten?“, fragt Lisa. Gute Frage: Die verbergen sich – jeweils drei übereinander pro Abteil – hinter apricot-farbigen Wandpanelen, aus denen Aluminiumgriffe ragen. Ein kräftiger Zug daran – und nichts passiert. Auch hier ist, zumindest auf der Jungfernfahrt, Beistand vom Profi gefragt, sonst schläft man im Stehen. Ist die Sicherheitsverriegelung aber erst gelöst, lässt sich binnen Sekunden ein frischbezogenes, blütenweißes Bett aus der Wand ziehen.

Insgesamt 15 Minuten dauert der Einführungslehrgang, der mit dem Einsammeln der Ausweis-Papiere und dem Notieren der gewünschten Zeit fürs Wecken endet. Es geht also los: Modernes Design, dezente, aufeinander abgestimmte Farben und eine geschickte Raumaufteilung machen das Abteil zu einem kleinen, aber komfortablen Hotelzimmer auf Rädern – inklusive Toilette, schwenkbarem Waschbecken und Dusche mit Chromarmaturen.

Essen, Schlafqualität und Fazit

Abendessen im Bord-Restaurant: Es gibt Pasta für die Kids. Käseplatte und Nürnberger Würstchen für uns. Die Lichter der Städte ziehen vorbei, der Kellner schenkt noch einmal Wein nach. Lisa und Tim spielen irgendwo in den Gängen des Zuges Verstecken. Zeit für Gespräche.

Schlafenszeit: Die Betten warten schon ausgeklappt mit Daunendecke und Leselicht. Noch bevor ich die Gute-Nacht-Geschichte fertig vorgelesen habe, schlafen Tim und Lisa. AZ 1354 rollt in die Nacht hinein, die Waggons schaukeln leicht, wenn der Zug über eine Weiche rollt. Leise ist es hier drinnen: Nur gedämpft dringen Rollgeräusche ins Wageninnere. Eine kleine Nachtmusik auf Schienen säuselt mich in den Schlaf.

Auch Ulla sieht zufrieden aus. Der nächste Morgen: Der Weckruf tönt, die Kinder reiben sich verschlafen die Augen, auf dem Gang riecht es nach frischem Kaffee und Brötchen. Nach einer kurzen Dusche frühstücken wir im Bordrestaurant. Das Land da draußen ist französisch. Narbonne nur noch eine Stunde entfernt. Pünktlich um 10:05 Uhr sind wir da.

Fazit: Mit ihrem Schlafwagen-Konzept setzt die Bahn dem Flugzeug ein gutes Produkt entgegen. Dem Geschwindigkeitsvorteil des Fliegers setzt der Autozug einen Klassiker im modernen Gewand entgegen. Die Anreise spart Benzin und Nerven – und eventuell sogar eine Hotelübernachtung unterwegs. Wer einen normalen Schlaf hat – und Mitreisende, die nicht laut schnarchen –, wird in den Abteilen gut schlafen können.