Messe "boot" in Düsseldorf zeigt Trends für Urlaub auf dem Wasser
20.01.2012 | 15:42 Uhr 2012-01-20T15:42:00+0100
Düsseldorf. Nach Verlusten 2011 will die "boot", die größte Messe ihrer Art, 2012 auch zur Plattform für Unternehmens-Perspektiven werden. Die Urlaubsplanung steht aber ebenso im Mittelpunkt: Von der Ostsee übers Mittelmeer bis hin zu Öko-Hausbootfahrten werden Trends für Urlaub auf dem Wasser präsentiert.
Sail away – aber die Ostsee ist weit genug. Das Allzweck-Wassersportrevier im deutschen Norden ist nach wie vor die Nr. 1 bei den Urlaub suchenden Segelfreunden. Wenn Familien aufs Wasser gehen, darf es nicht zu viel Wind sein – klar, Sicherheit steht oben an.
Doch für den Sommer an der Ostsee ist längst noch nicht alles gelaufen, sagen die Experten auf der „boot “ in Düsseldorf. Einerseits wird meist kurzfristig gebucht, andererseits wirkt der Rückblick auf den vergangenen Sommer nach. „Und der war durchwachsen“, weiß Jürgen Tracht vom Bundesverband Wassersportwirtschaft. Das heißt aber auch: Wer zur „boot“ kommt, hat die große Auswahl. Er begibt sich in ein Traumland, in dem alles möglich scheint – zwei Messehallen (13 und 14 am Eingang Ost) und 320 Reiseanbieter lassen die Sonne strahlen und den Wind auffrischen. Urlaub!
Von der dalmatinischen Küste bis nach Kroatien
Vielleicht läuft es auf dem Kurs Süden dann doch besser. Das Mittelmeer steht auf den Charterplätzen zwei bis sechs. Kroatien und die dalmatinische Küste bieten unerschöpfliche tausend Kilometer Küste mit über tausend Inseln. Die Euro-gebeutelten Griechen halten bei der Wasser-Währung locker mit. Jürgen Tracht: „Um hier alle 3600 Inseln aufzusuchen, müsste man wohl zehn Jahre lang täglich unterwegs sein.“ Ach, Odysseus!
Je nach Jahreszeit hält der Törn in griechischen Gewässern windige Überraschungen bereit. Der Käpt’n sollte erfahren sein. Das gilt noch mehr in den Starkwindrevieren der türkischen Ägäis und Riviera. Das liebliche Elba und das nüchterne Sardinien sind bei den Italienurlaubern (wieder) beliebt – wohl auch deshalb, weil sie sich finanziell von der französischen Côte d’Azur absetzen. Das gilt auch für die Balearen. Bleibt noch die Karibik. Da locken besonders die windgeschützten British Virgin Islands (ideal für Tagestörns) sowie Martinique, Guadeloupe und Grenada.
Veranstalter: Messe Düsseldorf GmbH, 0211/4 56 09 00, www.boot.de
Ideeller Träger: Bundesverband Wassersportwirtschaft e.V. (BVWW), 0221/59 57 10, www.bvww.org
Ausstellungsort: Düsseldorfer Messegelände, Hallen 1 bis 17. Öffnungszeiten: heute bis 29. Januar, 10 bis 18 Uhr.
Eintrittspreise:
Tageskarte Erwachsene:
14 Euro (eTicket) bzw.
16 Euro (Tageskasse).
Schüler/Studenten: 10/11 Euro. Montag bis Freitag ab 15 Uhr: 9/10 Euro. Zwei-Tagesticket: 23/24 Euro.
Familienticket (mindestens 1 Erwachsener/1 Kind): Erwachsene: 13 Euro (eTicket und Tageskasse), Kinder (7 bis 14 Jahre): 6 Euro (eTicket und Tageskasse).
Die Eintrittskarten berechtigen zur kostenlosen Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel im VRR.
Für alle Mittelmeer-Ziele gilt: Flüge (relativ) preiswert, gestiegene Preise in den Restaurants und Marinas. An Land erwarten die Deutschen eine nahezu perfekte Infrastruktur. Wer Platz an Bord haben will, muss mindestens auf eine Zwölf-Meter-Yacht setzen. Die Experten reden zudem von Autopilot, Joystick, Bugstrahlruder und elektrischen Winden. Auf den Binnenrevieren in Brandenburg und Frankreich findet der ökologisch Motivierte in der Saison 2012 auch hybridgetriebene Hausboote. Und zwischen Berlin und der Ostsee können gehetzte Hausbootfahrer jetzt Hotspots und Flatrate buchen – auf dass das Büro immer mitschwimmt. Fragen Sie mal die Frau an Bord, ob die das wirklich will.
Die „boot “, immer noch die weltgrößte Branchenmesse, schwimmt 2012 gegen den Strom. Der Bootsmarkt verlief im letzten Jahr schwach, Firmen haben sich zusammengeschlossen, es gibt mehr Aus- als Einsteiger. Zwar kann von keiner Pleitewelle in der Wassersportwirtschaft die Rede sein, aber auch auf dem Millionen-Level der Superyachten, wo man zweistellige Zuwachsraten gewohnt war, hat sich der Wind gedreht. Der Düsseldorfer Messechef Werner Dornscheidt will deshalb die „boot“ auch zur Plattform von Unternehmens-Perspektiven machen. „Entgegenwirken“ lautet die Devise in diesem Jahr.
Nach der Costa Havarie
Düsseldorf wird in den nächsten Tagen sicher auch zum Seismographen für Kreuzfahrtbuchungen. Das Drama um die halb gesunkene „Costa Concordia “ hat eine unfassbare Dimension im Gefühl von Schiffsurlaubern eröffnet. Die Branche boomt, und die Preise sind einschließlich Flug in dieser Jahreszeit ziemlich niedrig: Man kann den Zwei-Wochen-Törn rund um die Kanaren für etwa 100 Euro pro Tag haben – vorausgesetzt, man bucht frühzeitig. Wie zum Beispiel Heinz Nagel, der diese Woche an Bord der Aida ging: „Wir waren natürlich von dem Unglück geschockt und haben uns gleich erkundigt. Aber auf der Aida läuft alles nach deutschem Recht.“
Dem gesamten Spektrum von Urlaubsspaß und Wassersport helfen die „Erlebniswelten“ auf den neun Messetagen: Alles, was am Strand angesagt ist, findet der Besucher in der Beachworld (Halle 1). In der stets quirligen Taucherhalle wird die Schnuppertauchfamilie gesucht, die dann gemeinsam ins neue, doppelt große Tauchbecken sinken darf. In der Halle 13 wird gepaddelt, nebenan in der Wassersportarena gibt’s allerlei Einsteigertipps, einen Reisemediziner – und sogar Wasserrettungshunde zum Kraulen. Man kann Weltmeister treffen und mit Bootsbauern werkeln – großer Tipp für kleine Kinder (Halle 15).
Motorboote und Rennboote
Und dann gibt’s noch jede Menge Motorboote . Wem Rennboote zu abgefahren sind oder auch das XXL-Portemonnaie für die Superyacht nicht reicht, sollte sich den – im Wortsinn – naheliegenden Revieren zuwenden, in denen man oft auch ohne Führerschein schippern kann. Bevorzugte Ziele sind seit vielen Jahren: Brandenburg und die Müritz, die holländischen Kanäle und französische Binnengewässer. Von der 3000-Seen-Landschaft im deutschen Nordosten schwärmt so mancher nachhaltig; auch weil es durchaus preiswerte Restaurants mit eigenem Bootsanleger gibt.
Also: Doch mal in Deutschland urlauben? Auf einem sanft schwankenden Hausboot mit oder ohne Swimmingpool? Achtung, die sind ganz schnell weg. Auch wenn man das Wetterrisiko mitbucht.
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