Malerische Aussichten zu hohen Preisen auf Sardinien

Sardinien - ein schönes Fleckchen Erde.
Sardinien - ein schönes Fleckchen Erde.

Olbia.. Die Autofahrt über die ruckelige Sandpiste führt hinunter zum Meer. Den Slalom um die schüsseltiefen Schlaglöcher bewältigt der Wagen ohne Probleme, der warme Duft von Macchia und Kräutern breitet sich langsam im Inneren aus. „Fahren Sie vorsichtig zu den Stränden, die Büsche hinterlassen Kratzer im Lack“, hat der Mann bei der Autovermietung am Flughafen in Olbia gewarnt.

Dem Geholper folgt auf Sardinien stets die Belohnung – hier an der Rena Bianca im Nordosten der Insel gilt diese Regel ganz besonders: Der Blick vom improvisierten Parkplatz im Gestrüpp fällt auf eine jener Badebuchten, wie es sie in dieser Schönheit in Europa sonst kaum gibt. Das Meer leuchtet in tiefem Türkis, so smaragden wie es der Name Costa Smeralda verspricht. Der Sand ist hell und weich, eine feine Brise vom Meer verspricht Abkühlung. Eine kleine Strandpizzeria hat ein paar Stühle aufgebaut – nichts spricht hier gegen den perfekten Urlaubstag.

Luxusreservat mit saftigen Preisen

Die Gegend war noch in den 50er Jahren menschenleer, weil die Sarden als Bauern und Hirten im Inselinneren lebten. Seit der Jet Set die traumhafte, von Felsen gesäumte Küste in den 70ern entdeckte, gilt sie vielen als Luxusreservat mit saftigen Preisen. Und natürlich schippern Yachten, die einst hohe zweistellige, teilweise gar dreistellige Millionensummen verschlangen, in die schicken Häfen von Port Cervo und Porto Rotondo, werden von den Flaneuren bestaunt und fotografiert. Ja, es stimmt, dass man im Hotel Cala di Volpe bis zu 30.000 Euro für ein Zimmer pro Nacht bezahlen kann und ganz gewiss nicht weniger als 500. Es ist keine Erfindung, dass es einige Restaurants gibt, die für die Nutzung des Bestecks (coperto) mittlerweile schon fünf Euro abkassieren. Kreditkarten brennen in den Luxusboutiquen ab, und im Juli und August, wenn die Italiener Ferien haben, schlagen selbst hübsche Durchschnittsherbergen bis zu 300 Prozent auf den Mai- oder Junipreis.

Klares Wasser in reinster Qualität

Und doch spricht einfach alles für jene 30 Quadratkilometer Land mit 55 Kilometern Küste, die der Aga Khan, steinreicher Fürst und Oberhaupt der Religionsgemeinschaft der Ismailiten, einst erwarb, um mit Partnern eine touristische Entwicklung aus einem Guss zu planen ohne die Schönheit der Landschaft zu zerstören. Namhafte Architekten haben Hotels, Villen und Häuser mit großem Geschick in die Hügel eingepasst ohne die Harmonie der Natur aus dem Gleichgewicht zu bringen. Die 3850 Immobilienbesitzer sind wie in einer Hausgemeinschaft organisiert. Das „Consorzio Costa Smeralda“ hat die Straßen gebaut, hält den Rasen frisch und unterhält eine eigene Feuerwehr gegen Buschbrände.

Infobox666-073.xml Von hässlichen Betonklötzen bleibt das Auge verschont, Bauten unmittelbar am Meer hat die Regionalregierung außerhalb von Ortschaften nur in Ausnahmefällen gestattet. Andere Ferienregionen Europas sind mit derartiger Rücksichtnahme kaum verwöhnt worden: Welche Fratzen der Bauboom in Spanien, der Türkei, in Frankreich und Portugal, aber auch auf dem italienischen Festland in die Landschaft geschlagen hat, ist bekannt.

Wer dagegen die Topstrände der Costa Smeralda aufsucht wie Liscia Ruja, Rena Bianca oder die Cala Principe, die einem einen viertelstündigen Fußweg bergab über Stock und Stein abverlangt, der sieht weder Appartementhäuser noch Hotelanlagen, sondern knorrige Pinien, glattgespülte Felsen und kristallklares Wasser in seiner reinsten Qualität. Ein Anblick, den man indes nicht nur dort genießt, sondern auch an den Inselstränden im Norden oder Südosten, wo das Preisgefüge niedriger ist.

Die Italiener tun es auch

Und doch ist auch ein Urlaub an der Costa Smeralda keineswegs Filmstars und Fußballnationalspielern oder Millionären anderer Art vorbehalten, die es in Scharen hier hinzieht. Wer Juli und August vermeiden kann, findet beispielsweise in den Hügeln um das wunderschöne Porto Rotondo im Juni oder September ein Zimmer im geschmackvollen Vier-Sterne-Hotel für 100 Euro pro Nacht. Und auch Wohnungen sind dann deutlich billiger zu mieten als in den Ferien zur Hauptsaison.

Auch die durchweg wirklich sehr anständig geführten Restaurants verlangen auf ihren hübsch ausstaffierten Terrassen für das Wildschwein, den Seewolf und die Pasta mit Muscheln keine astronomischen Preise, solange man sich natürlich von den bekannten Gourmettempeln in Porto Cervo fernhält. Und wer auf der Terrasse eines gemütlichen Fischrestaurants am Ende doch nur eine Pizza Capricciosa für acht Euro bestellen will, muss sich dabei nicht genieren: Die Italiener tun’s auch.