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Bühne frei und volle Fahrt voraus

12.06.2010 | 08:00 Uhr
Bühne frei und volle Fahrt voraus

Bei Aida Cruises rückt das Showprogramm immer mehr in den Fokus. Ein Blick hinter die Kulissen

Bei Janeke van Duinjhoven macht der Herr Professor eine Ausnahme. Zumindest, was die Dienstpläne der Aida-Show-Ensembles angeht. Die hübsche blonde Solistin schickt Professor Norbert Aust nicht einfach so für drei Monate auf die „Luna”, in den hohen Norden oder die Karibik. Zumindest nicht ohne ihren Mann, „einen Tänzer aus der Ukraine”, lacht Aust, Geschäftsführer von Seelive Tivoli Entertainment.

Mehr Extrawürste gesteht der Verantwortliche des Aida-Bühnenprogramms den Künstlern aber nicht zu. Aust: „Wir erwarten absolute Professionalität, grundsätzlich muss jeder mit jedem spielen können, ganz gleich welches Stück, egal auf welchem Schiff.” Der 67-Jährige mit der Goldrandbrille weiß, wovon er redet. In seinem schon legendären Schmidt-Theater, das er gemeinsam mit Paradiesvogel und Ex-St. Pauli-Präsident Corny Littmann in Hamburg führt, begannen Stars wie Roger Cicero, Eckart von Hirschhausen und Kristian Bader. Als vor neun Jahren von Aida das Angebot für ein Gemeinschaftsunternehmen kam, schlug Aust ein: „Eine reizvolle Aufgabe, bis heute.”

Kein Wunder: Auf sieben Kreuzfahrtschiffen laufen das Jahr über 35 verschiedene Shows, aufgeführt von Ensembles mit Sängern, Tänzern und Schauspielern aus 17 Nationen. Rund 150 Künstler schippern im Auftrag von Aust permanent über die Weltmeere – und daheim muss ständig der Nachschub an neuen Shows und Musicals, Kostümen und Bühnenvideos am Laufen gehalten werden. Ganz zu schweigen von der Kooperation mit der Zirkusschule Kiew. Alles zusammen ein Fulltime-Job für noch einmal 50 Mitarbeiter in Hamburg. Im Kreativhafen sozusagen. Dem Reich des Norbert Aust.

Die "Maske" übernehmen die Künstler selbst.

Janeke hat gleich ihren großen Auftritt. Im Theatrium, einem tagsüber lichtdurchfluteten Theater über drei Decks, sind alle Plätze besetzt. Die Spannung steigt. Schnell noch schauen, ob Kleid und Schminke sitzen, dann nichts wie raus auf die Bühne. Scheinwerferlicht. Adrenalin. Mikrofon. Die Menschen mitreißen. Applaus. Dafür lebt Janeke. Die Holländerin ist 26 Jahre alt. 2007 fing sie auf Aidadiva als Solistin an. Vorher absolvierte sie eine Gesangsausbildung in den Niederlanden und spielte in Köln beim Queen-Musical „We will rock you” mit. Vor drei Jahren nahm sie am internationalen Casting von Aida in Amsterdam teil – und wurde genommen. Es folgten sechs Wochen Spezialausbildung in Hamburg bei Seelive und dem Team von Professor Norbert Aust. Dann hieß es Leinen los für Janeke. Bis heute.

Gute Künstler auf die Schiffe zu bekommen „war lange Zeit das große Problem”, erinnert sich Aust. Den Theatern der Kreuzfahrtschiffe eilte bis vor kurzem der Ruf voraus, den Lebenslauf eines Künstlers für immer zu verbrennen.

Inzwischen ist das anders. Heute heuern Stars wie Ingo Appelt, Annett Louisan oder Ralph Bauer an. Die Kreuzfahrt ist leger geworden, der Markt boomt, und die vielen neuen Gäste wollen mit mehr unterhalten werden als einem Klavierkonzert pro Abend. Der Konkurrenzkampf bei den Castings aber auch unter den Reedereien um die besten Künstler „ist heute enorm”, sagt Aust. Die Besten, das sind meist junge Artisten aus Osteuropa, die für rund 70 Euro Tagesgage in elf Shows ihre Rolle beherrschen, singen, tanzen und schauspielern. Die sich selbst schminken, bei Bühnenarbeiten zupacken können und nicht nach zwei Wochen einen Lagerkoller bekommen. Belastbare, hochtalentierte Alleskönner, wenn man so will.

Genau hier scheiden sich die Geister: Kritiker vermissen bei den Auftritten der Ensembles „die letzte Perfektion”. Die Artisten, so heißt es, könnten sich bei dem ganzen Drumherum nicht richtig auf ihre Rolle konzentrieren. Die Qualität leide. Eine bekannte Kulturredaktion beschrieb die Shows einmal als „massentaugliches Mittelmaß”. Kritik? Nicht für Professor Aust: „Wir wollen ja genau die Masse erreichen”, erklärt er. Mit aufwendigen Kostümen, viel Farbe und guter Musik. Die Bandbreite reicht von Schauspieltheater, Gesangshows und Comedy über Kinder-Shows und Theaterworkshops bis hin zum Improvisationstheater. Dazu kommen pro Schiff zwei sogenannte Kennungsshows. Shows, die es nur auf einem Schiff zu sehen gibt.

Info
Aida Cruises

0381/20 27 07 22

www.aida.de

Preisbeispiel: Eine Kreuzfahrtwoche im Mittelmeer auf der Aidavita, vom 3. bis 10. Juli, ist in der Innenkabine ab 899 Euro pro Person buchbar – exklusive Anreise, inklusive Vollpension und Tischgetränken.

Wichtig: Alles muss kurz und knackig sein, keine Show darf länger als 30 bis 40 Minuten dauern. „Und”, fügt Aust hinzu, „die Bühne verfügt über eine Technik, von der städtische Theater nur träumen”. Was Aida jährlich für den Bereich Entertainment ausgibt, darüber schweigt sich die Reederei aus.

Für Janeke ist der Arbeitstag vorbei. Nur noch abschminken, dann geht es in die Personalkantine, vielleicht später noch in die Sauna oder die Mit-arbeiterdisko. Natürlich mit ihrem Mann. Ohne Ausnahme.

Christian Leetz

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