Kontaminierte Atemluft - TCP in Flugzeugen nachgewiesen

Bei Wischproben in Flugzeugkabinen wurde das Nervengift TCP nachgewiesen.
Bei Wischproben in Flugzeugkabinen wurde das Nervengift TCP nachgewiesen.
Foto: Julian Stratenschulte
Was wir bereits wissen
Bis auf den Dreamliner saugen alle neuen Flugzeugtypen die Kabinenluft bei den Triebwerken an. Bei Wischproben kam nun heraus: In vielen Flugzeugen wurde das Nervengift TCP in der Kabine gefunden. Wie gefährlich das für die Passagiere ist, lässt sich allerdings schwer sagen.

Essen.. Zugegeben: Die Idee, Atemluft aus einem Triebwerk abzuzapfen, in dem permanent hochgiftiges Kerosin explodiert, klingt für den normalen Menschen nicht logisch, wenn man eine Minute darüber nachdenkt. Für Ingenieure ist dies allerdings das Mittel der Wahl: Bis auf den Dreamliner saugen auch alle neuen Flugzeugtypen die Kabinenluft bei den Triebwerken an.

Dass es da manchmal komisch riecht, ist dem ein oder anderen wohl schon mal aufgefallen. Dass die in den Passagierbereich geleitete Luft aber hochgradig gesundheitsgefährdend sein könnte, glaubte bislang kaum jemand.

Condor hat das Problem nicht allein

Eine jetzt öffentlich gewordene Studie sagt aber angeblich genau das. Der Ferienflieger Condor hat sie im Jahr 2009 beim Institut Fresenius in Auftrag gegeben – und bis zu einem Artikel der „Welt“ vergangene Woche nicht öffentlich gemacht. Ergebnis: Bei Wischproben in der Kabine fand sich in elf von zwölf Flugzeugen des Typs Airbus 320, bei fünf von 13 Maschinen des Typs Boeing und bei sechs von neun Boeing 767 das Nervengift TCP. Es ist in Triebwerksölen enthalten, kann durch lecke Dichtungen austreten und als Dämpfe ins Innere der Kabine gelangen.

Wie gefährlich das für Passagiere vielleicht ist, lässt sich schwer sagen. Klar ist nur: Wenn es hier ein Problem gibt, dann hat es Condor nicht allein – sondern alle anderen Airlines gleich mit.

Die Sache riecht trotzdem noch komisch

Condor kontert die jetzt aufkommende Kritik mit der Veröffentlichung einer ebenfalls selbst in Auftrag gegebenen Folgestudie bei der Medizinischen Hochschule Hannover aus dem Jahr 2011.
Ergebnis: In 90 diesmal speziell genommenen Luftproben „ergaben sich keine Anhaltspunkte für eine Gesundheitsgefährdung“.

Die Sache riecht trotzdem noch komisch. Haben doch alle Fluggesellschaften ihre Crews gegen „Unfallfolgen mit kontaminierter Luft“ versichert.