Kolumbiens scheußlicher Kaffee

Das kleine Örtchen Finlandia liegt inmitten der „Zona Cafetera“.
Das kleine Örtchen Finlandia liegt inmitten der „Zona Cafetera“.
Foto: Contzen
Was wir bereits wissen
Eine Kaffeetour gehört in Kolumbien zum guten Ton. Besonders in der „Zona Cafetera“, dem berühmten Kaffee-Dreieck westlich der Hauptstadt Bogotá, lassen viele Fincas Touristen einen Blick auf ihre Plantagen werfen. Doch wirklich guter Kaffee ist in Kolumbien kaum zu bekommen. Die Spitzenware des weltweit viertgrößten Kaffeeproduzenten wird vollständig exportiert.

Der „Tinto“, der klassische, kolumbianische Kaffee im kleinen Imbiss irgendwo in einer Seitenstraße von Bogotá, schmeckt zum Abgewöhnen: Heiß ist noch das freundlichste Attribut, das man der sauren, schwarzen Brühe zuschreiben kann. Dabei gilt der kolumbianische Arabica-Kaffee als einer der besten der Welt: sortenrein, mit einem reichen Aroma und einer guten Fülle. Nun könnte man meinen, der Imbissbudenbetreiber hätte versehentlich die Kaffeekanne mit dem Spülwasser verwechselt. Doch der Angriff auf die Geschmacksnerven hat in Kolumbien System.

„Den guten Kaffee exportieren wir in andere Länder, bei uns wird nur die B-Ware getrunken“, erklärt Isabella Uribe Lopez von der Kaffeefarm „El Ocaso Salento“. Denn Kolumbien lebt nicht nur von der Ausfuhr der kostbaren Bohne, die über ein Viertel der nationalen Exporterlöse ausmacht. Die Südamerikaner selbst sind hier auch keine großen Kaffeegourmets. Während nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbandes in Deutschland mit 165 Litern pro Kopf und Jahr mehr Kaffee als Wasser (140 Liter) oder Bier (107 Liter) getrunken wird, konsumieren die Kolumbianer gerade einmal etwa ein Siebtel dieser Menge.

Trotzdem haben einige Menschen in Kolumbien ihr Leben ganz dem schwarzen Elixier verschrieben. „Könnt ihr das riechen“, fragt Isabella und wedelt sanft mit der Hand durch die Luft. Ein feiner Dufthauch weht über die Veranda des weiß-roten Holzhauses inmitten dicht bewachsener, steiler Hügel. Mit wissenschaftlicher Akribie widmet sich die junge Frau der Zubereitung des perfekten Kaffees: Genau sieben Gramm frisch gemahlenes Pulver misst sie für 100 Milliliter Wasser ab und wartet, bis sich am Boden des Topfes kleines Bläschen bilden. „Das Wasser darf nicht kochen, 90 Grad ist die ideale Temperatur.“

Mitarbeiten auf der Kaffeeplantage

Jeden Tag führt Isabella Touristen über die Kaffeeplantage „El Ocaso“ nahe Salento. Die Besucher erfahren alles Wissenswerte über Ernte und Herstellungsprozess und dürfen sogar selbst Hand anlegen. Mit kleinen Körben um die Hüften, Isabella nennt sie die „Baby-Version“, quetschen sie sich durch die langen Reihen der buschartigen Kaffeebäume und suchen unter den handgroßen Blättern nach sattroten Früchten, die andere Touristen übrig gelassen haben. Kleine Zweige hinterlassen Kratzer an den Armen und selbst nach wenigen Minuten in gekrümmter Haltung meldet sich schon der Rücken. „Zehn bis zwölf Stunden am Tag arbeiten unsere Kaffeepflücker“, erklärt Isabella. „Durchschnittlich schaffen sie etwa 80 bis 100 Kilo.“

Noch vor wenigen Jahren war der kurze Ausflug ins Leben eines Kaffeepflückers in Salento undenkbar. Damals kontrollierte die Guerilla, die ihr Geld gerne mit Drogengeschäften und Lösegelderpressungen verdiente, die zauberhaften kleinen Ortschaften mit ihren kunterbunten Häusern und den schattigen Dorfplätzen im Departamento Quindío. Doch seit dem harten Vorgehen des ehemaligen Präsidenten Álvaro Uribe ist Ruhe eingekehrt zwischen den sattgrünen Kaffeereihen an den Hängen der Anden.

Ein Land kämpft gegen sein Negativimage an

Und nicht nur hier: Auch andere beliebte Touristenziele wie die Hauptstadt Bogotá und die malerische Kolonialstadt Cartagena an der Karibikküste gelten inzwischen als sicher in einem Land, das auch drei Jahre nach Beginn der Friedensverhandlungen im sogenannten Drogenkrieg noch gegen sein Negativimage ankämpft. Gerade erst hatte das Auswärtige Amt wieder vor Anschlägen der Farc-Guerilla vor allem entlang der Pazifikküste und im schwer zugänglichen Süden des Landes gewarnt.

Doch all das ist in den friedlichen Kaffeebergen von Quindío, die noch das Departement Valle del Cauca als Puffer zwischen sich und der Küste haben, weit weg. Etwa 500 000 Familien haben hier im Kaffeedreieck auf 1000 bis 2000 Metern Höhe, zwischen den Regionen Caldas, Quindío und Risaralda ihren Lebensrhythmus dem Kaffee angepasst. Geerntet wird zweimal im Jahr, auch auf den 23 Hektar der Ocaso-Fincatraditionell von Hand – neben der Anbauhöhe und den Witterungsbedingungen ein wichtiges Qualitätskriterium.

Isabella rümpft die Nase. „Diese Bohnen hier sind nicht gut. Sie sind noch grün und geben dem Kaffee einen bitteren Geschmack“, kritisiert sie die Arbeit der Touristen. Und dann zeigt die Kaffeeexpertin den Besuchern, wie wirklich guter, echter kolumbianischer Kaffee schmeckt. Zum Glück für uns Deutsche mit dem drittgrößten Kaffeemarkt der Welt gibt es nur ein paar Tütchen davon auf der Plantage zu kaufen. Der Rest wird nach Europa und in die USA exportiert.