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In London zeigen Wohnungslose Urlaubern die Stadt

30.10.2012 | 08:45 Uhr
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Die Tower Bridge ist eines der Wahrzeichen Londons. Touristen können jetzt aber auch Touren von Obdachlosen buchen, die ihnen Teile der Stadt zeigen, die sie sonst nie gesehen hätten.

London.  Wenn die eigene Parkbank zum Privatbesitz wird. In London führen Obdachlose Touristen auf Nachfrage durch ihre Heimatstadt. Wichtig sind dabei nicht die klassischen Touristenmagnete, wie Big Ben oder Tower Bridge, sondern die neuralgischen Punkte eines Lebens auf der Straße.

"Während des Zweiten Weltkriegs bauten Frauen die Waterloo-Brücke wieder auf", sagt Viv - wie alle Stadtführer, wenn sie Touristen London zeigen. "Und hier sehen Sie die Stufen unter der Brücke, dort habe ich zwei Monate lang in einem Verschlag aus Paletten und Kartons geschlafen", fährt die 50-Jährige fort. Anekdoten wie diese unterscheiden Vivs Rundgang von allen anderen Touren durch die britische Hauptstadt. Viv ist obdachlos. Seit mehr als zehn Jahren lebt sie auf den Straßen und Plätzen Londons . "Bis 1969 musste man für die Benutzung der Brücke Maut zahlen", sagt Viv.

Historisches und Persönliches sind bei ihrer Führung gleichrangig: "An Sonntagen hat eine Familie bis zu 200 Obdachlose mit Essen versorgt." Die Idee, Menschen ohne festen Wohnsitz als Stadtführer einzusetzen, stammt von der Initiative "The Sock Mob". Die Touren zu Fuß geben Einheimischen und Besuchern die Möglichkeit, ein Stadtviertel aus der Sicht eines dort lebenden Obdachlosen zu entdecken.

Viv und ihre eigene Bank

Vivs Tour beginnt am Temple-Platz am Nordufer der Themse. In der Mitte des Platzes steht eine Statue des Industriellen William Edward Forster. Vier Sommer lang war dieser Ort Vivs Zuhause. "Die Bank dort drüben war meine", sagt die ausgemergelte Frau mit dem lückenhaften Gebiss. "In so einem Park, der nachts abgeschlossen wird, ist man sicher. Wenn eine Bank frei wird, verbreitet sich das über Mund-zu-Mund-Propaganda."

Video
London, 23.10.12: Die traditionsreichen schwarzen Taxis der britischen Hauptstadt sind vom Aussterben bedroht – Manganese Bronze, der Hersteller der urtümlichen Gefährte, muss Insolvenz anmelden. Rund 300 Arbeiter kämpfen für den Erhalt ihrer Jobs.

Viv spricht hektisch, die Aufregung treibt ihr Schweiß auf die Stirn. Doch die Gruppe von zehn Touristen hört ihr gebannt zu. Nächster Stopp sind die Arkaden beim Luxushotel Savoy. "Bevor sie die Arkaden mit Gittern absperrten, haben hier bis zu 200 Leute geschlafen. Eines nachts haben Männer eine schlafende alte Frau mit Benzin übergossen und versucht sie anzuzünden", sagt Viv. "Zum Glück wurden sie vertrieben."

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