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Medizin-Tourismus

Im Urlaub zum Zahnarzt

05.01.2011 | 17:00 Uhr
Im Urlaub zum Zahnarzt
Millionen Kassenpatienten können erst 2011 wieder zum Zahnarzt

Wer braucht Zähne, wenn er nichts zu beißen hat? Es war Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder, der die dentale Zweiklassengesellschaft ausgerufen hat. Die, die es sich leisten können, beißen mit Zirkoniumoxid-Implantaten auch nach ihrer Lebensmitte noch kraftvoll zu. Die anderen kauen nur noch auf einer Seite. Denn Zahnersatz ist sehr teuer. Kein Wunder, dass viele auf günstigere Behandlungskosten im Ausland schielen.

Seit 2004 ist es grundsätzlich möglich, sich im günstigeren EU-Ausland behandeln zu lassen und trotzdem den Kassenzuschuss nicht zu verlieren. Ungarn ist das beliebteste Reiseland für zahnmedizinische Eingriffe zum Spartarif: Nicht weniger als 50 Zahnärzte und 15 Zahnkliniken haben sich allein in der Umgebung eines kleinen Ortes mit unaussprechlichen Namen an der österreichischen Grenze niedergelassen: Mosonmagyaróvár. Das sind einige mehr, als für die 30 000 Einwohner des Örtchens selbst nötig wären.

Entsprechend professionell ist inzwischen dort der Umgang mit ausländischen Kunden. Die Empire-Klinik in Mosonmagyaróvár wirbt mit kostenfreiem Hotel, Abholservice und organisierten Ausflügen nach Wien und Bratislava. Der Wettbewerber Happy Dent setzt auf die Kombination aus deutschen Zahnärzten und günstigeren Preise durch Dentallabore im Ort und bucht auch das Hotel.

Auch die Kundenbetreuung ist auf Zack: Nachdem ein Heil- und Kostenplan eines deutschen Zahnarztes per Mail vorliegt, werden wenig später Gegenangebote erstellt. Bei Unklarheiten rufen die Kliniken zurück, um eventuelle Fragen zu klären. Deutsch ist selbstverständlich Umgangssprache.

Und wie sieht es preislich aus? Wir machten die Probe aufs Exempel, das Ergebnis: Der Kostenvoranschlag war rund vierzig bis fünfzig Prozent günstiger. Angefragt wurden elf Kronen aus Metallkeramik. Ein deutscher Zahnarzt wollte für die Behandlung rund 4000 Euro haben, in Ungarn waren es nur noch zwischen 1800 und 2300 Euro. Davon geht noch der Festzuschuss der Krankenkasse ab – bei dieser Behandlung knapp 1300 Euro – egal ob im In- oder Ausland.

Das klingt gut, doch es gibt auch einiges zu bedenken: Als problematisch könnte es sich erweisen, wenn der Kostenvoranschlag nicht verbindlich war. Wegen ein paar hundert Euro mehr fährt wohl kaum jemand wieder nach Hause.

Nicht alle Vorurteile und Ängste kann eine freundliche Stimme am Telefon ausräumen. Zu Recht, denn bei rund 20 Prozent der Behandlung von Zähnen kommt es zu größeren oder kleineren Komplikationen: Überall. Und was dann?

Vor allem die Frage nach dem Garantieanspruch auf Zahnersatz von zwei Jahren im In- und Ausland ist problematisch: Wie soll achtsame Mundhygiene im Nachhinein objektiv beurteilt werden? Den Rechtsweg vor Ort zu gehen ist fast unmöglich.

Der Reisestrom der Medizintouristen ist dennoch groß. Das veranlasste unter anderem die Techniker Krankenkasse gezielt im grenznahen Ausland nach Partnerkliniken zu suchen. Gutachter reisen durch Polen und Ungarn und prüfen Standards, Ausstattung und Qualität der Angebote. „Wir sparen daran nicht, dass die Kunden sich im Ausland behandeln lassen. Aber wir möchten für die, die es sowieso vorhaben, die Qualität sichern“, sagt TK-Sprecher Hermann Bärenfänger.

Auch andere osteuropäische Länder wollen an dem Boom teilhaben: Die Dentaprime Klinik in Bulgarien hat für Garantiefälle deutsche Partnerzahnärzte, die auch vor Ort den Heil- und Kostenplan erstellen. „Kleinere Mängel können wir hier reparieren, nur für umfangreichere Regressansprüche müssen sie wieder nach Bulgarien“, bestätigt die Praxis Dr. Stephan in Hamburg, was die deutschsprachige Hotline der Klinik zuvor versprochen hatte. Das schafft Vertrauen, genau wie das Siegel des TÜV-Nord, der einmal jährlich in Bulgarien medizinische Standards und Hygiene zertifiziert. Rund 1900 Euro sollten unsere elf Kronen am Goldstrand kosten.

Osteuropa ist der Hit, Spanien dagegen out: Auf Mallorca, noch vor zehn Jahren Top-Ziel für Zahnbehandlungen, zahlen wir für unsere Kronen 3500 Euro. Fast das doppelte wie in Ungarn.

Meike Dannenberg

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Kommentare
07.01.2011
09:58
Im Urlaub zum Zahnarzt
von nullrunde | #14

Mein Zahnarzt sagte mir jeder Stuhl müßte min. 300 € die Stunde bringen
( er springt zwischen 2 Behandlungsräumen hin und her )
sonst rechnet sich seine Praxis nicht.

07.01.2011
05:22
Im Urlaub zum Zahnarzt
von mspoetnik | #13

@12-
nicht in jedes Ausland muss man fliegen.

06.01.2011
19:35
Im Urlaub zum Zahnarzt
von Emagic | #12

Von mir aus kann jeder sonstwohin fliegen und sich seine Zähne reparieren lassen, wenn es ihm Spaß macht. Ich bin nicht bereit (und habe sie auch nicht) mehrere hundert Euro für Flüge und Auslandsaufenthalte auszugeben. Wenn ich mir Zähne behandeln lasse, dann geht es mir schon mal nicht gut. Die Vorstellung dann irgendwo im Ausland zu hängen, gefällt mir überhaupt nicht. Was soll ich dann mit Ausflügen in irgendwelche Städte?? Ich hab einen klasse Zahnarzt in meiner Stadt, dem vertraue ich und wenn ich keine Zähne mehr haben sollte, lutsche ich halt mein Brötchen. Eine gewisse Skepsis ist natürlich auch bei meinen Überlegungen. Bin ich dann wirklich gut in einem fremden Land aufgehoben wenn es Komplikationen geben sollte? Nein danke !

06.01.2011
18:44
Im Urlaub zum Zahnarzt
von fürthi | #11

hallo!!! Euer Artikel ist doppelt geschrieben im Text. Bitte korrigiert das mal. das irritiert unglaublich. Nanu? habe ich doch gerade gelesen?

Also mein Zahnarzt sagt zu jedem - falls die Krone usw aus dem Ausland ist und daran ist was defekt: Dazu müssen Sie wieder dorthin fliegen. Er bekäme es nicht honoriert - falls er den Pfusch repariert

06.01.2011
15:53
Im Urlaub zum Zahnarzt
von xyz | #10

Es ist kaum noch nachvollziehbar, dass für feinmechanische Leistungen in Deutschland so viel Geld bezahlt werden muss.
Es ist absehbar und notwendig, dass auch das Gesundheitswesen in diesem Bereich die Produktivität steigert. Dies kann auch mit Leistungen aus günstigeren Ländern erfolgen.
Es kann nicht sein, dass hier ein Bereich bestehen bleibt, der in einem geschützten Bereich lebt und von Versicherungsgeldern bezahlt werden muss.
Warum ist dieser Arztberuf regelmäßig mit den höchsten Honoraren vertreten. Die Verantwortung ist beim durchschnittlichen Zahnarzt verglichen mit anderen Ärzten begrenzt. Im wesentlichen ist es Handwerk (bohren und verschmieren).

06.01.2011
11:25
Im Urlaub zum Zahnarzt
von Teviona | #9

Ich würde nie auf die Idee kommen mir meine Zähne im Ausland behandeln zu lassen.
Meine Zahnspange (unsichtbar) also an der Rückseite der Zähne hat mich 8430 Euro gekostet. Die ist dauerhaft und muss immer drin bleiben.
Im Ausland hätte das weniger als die hälfte gekostet....
Die Behandlung war sehr langwierig und ging über Wochen.
Eine zinslose Ratenzahlung war möglich, ein Anruf und ich habe innerhalb von 48 Std einen Termin.
Das viele Geld, ist jeder Cent wert, diese Behandlung hätte ich im Ausland nicht genossen.
Die Kosten sind durchaus gerecht.
Ich bin auch nur ein Kassenpatient...

06.01.2011
11:15
Im Urlaub zum Zahnarzt
von nullrunde | #8

bei Rußland ist Weißrussland gemeint

06.01.2011
10:22
Im Urlaub zum Zahnarzt
von Schwafheimer | #7

Lohnt es eigentlich jetzt noch Zahnmedizin zu studieren oder sind die Zeiten vorbei und man wird durchschnittsarm bleiben?


Ich gebe zu, 4 Füllungen sind nicht von diesem Kontinent. Sie halten schon seit Jahren, der Zahnarzt hatte mehr Ruhe und Zeit. Gekostet hat es ein Zehntel oder weniger. Ich musste damals aber zum Zahni und konnte die Rückkehr nach DE nicht abwarten.

06.01.2011
09:52
Im Urlaub zum Zahnarzt
von nullrunde | #6

PS: Polen ist auf dieser Karte halb so groß wie die ehemalige DDR und Rußland etwa doppelt so groß wie Borkum.

06.01.2011
09:43
Im Urlaub zum Zahnarzt
von nullrunde | #5

Es gibt doch da diese Weltkarten. Der Globus nach anderen Kriterien dargestellt.
Bei der Darstellung der Welt bei der Verteilung der Zahnärzte ist Deutschland in etwa so groß wie die Vereinigten Staaten oder China.
Entweder haben die Deutschen ausergewöhnlich schlechte Zähne oder es lohnt sich Zahnarzt gerade in Deutschland zusein.

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