Im Land der bleichen Berge
16.11.2009 | 13:30 Uhr 2009-11-16T13:30:00+0100
Zwischen Bozen und Cortina d'Ampezzo ist der herbst sagenumwoben - auf Hochalmen und Hütten
Am Abend trägt sie Rouge auf, die Königin der Dolomiten. In der tiefstehenden Sonne scheinen die Felsspitzen und Eisfelder der Marmolata hoch über dem Fedajasee zu glühen. Während die ersten Lichter in den Südtiroler Dörfern Canazei und Pozza di Fassa erscheinen, verblasst die stumme Gesellschaft der steinernen Riesen ringsum: das gewaltige Sellamassiv mit dem pyramidenförmigen Piz Boe, die spitzen Türme des Langkofel und das hohe Felsenschloss des Rosengartens.
„Ihr Deutschen habt unser Land der bleichen Berge noch gar nicht richtig entdeckt”, bedauert Dr. Livio Gabrieli vom Verkehrsamt Fassatal. Doch wer sich auf eine Reise in die Gebirgsregion zwischen Bozen und Cortina d'Ampezzo begibt, gerät unversehens in den Bann eines Zauberreichs voller Sagen und Legenden. Auf jeder Passhöhe, über jedem Alpensee erheben sich die weißen und rosafarbenen Kalksteinfelsen so steil und bizarr in den Himmel, als hätte ein wahnsinniger Baumeister sein abenteuerliches Spiel getrieben. Kein Wunder, dass man sich hier alt überlieferte Geschichten erzählt, von Feen und Riesen, Zwergen und Murmeltieren, die in ihrer geheimnisvollen Welt unter der Erde leben.
Das sagenhafte Reich der Fanes beginnt etwa zwölf Kilometer hinter dem Bergdorf St. Vigil. Hier ist die Welt zu Ende, zumindest für Autofahrer. Denn in kluger Voraussicht haben sich die Bewohner des Gadertals schon 1980 dem Bau einer Durchgangstrasse widersetzt und stattdessen einen der schönsten Naturparks Italiens geschaffen. Die Hochalmen Sennes und Fanes mit ihren urigen Hütten, gepflegten Wanderwegen und abenteuerlichen Klettersteigen sind Fußgängern und Mountainbikern vorbehalten – und Steinböcken natürlich, Gämsen, Murmeltieren, Steinadlern und der ganzen Vielfalt bunter Alpenblumen.Wer mitten im Naturpark wohnen will, den bringt Max Mutschlechner mitsamt Gepäck auf die Fanes-Hütte. „Wenn du hier oben auf 2060 Metern Höhe aufwachst, hast du die schönsten Wanderwege gleich vor der Haustür. Und die Kinder einen sagenhaften Abenteuerspielplatz.” Hinter der eigenen Haustür hat Max eine zwei Meter hohe Holzsäule aufgestellt, die auf einem kunstvoll geschnitzten Fries die Legenden vom Fanesreich erzählt: Von der guten Königin und ihrem Bündnis mit den Murmeltieren, vom Verrat des Königs und dem Untergang der Fanessippe. „Es sind Überlieferungen unseres Volkes, der Ladiner”, kommentiert der Wirt stolz. „Bun pro!” steht auf vielen Speisekarten: Guten Appetit! Ladinisch, das sich aus dem Lateinischen entwickelt hat, ist die eigentliche Muttersprache im Gadertal, in Gröden und im Fassatal. Urige Steinhäuser mit kleinen blumengeschmückten Fenstern geben den Dörfern ein typisches Aussehen. In St. Vigil verwöhnt man die Gäste sogar in einem ladinischen Spezialitätenrestaurant, der „Fana Ladina”. Was den Besucher aus Deutschland besonders anspricht, ist die herzliche Gastfreundschaft. Gleich, ob im schicken Hotel oder im preiswerten Privatzimmer. „Geldverdienen ist wichtig, aber nicht um den Preis der Gastlichkeit”, meint Dr. Gabrieli.
Eine abwechslungsreiche Tageswanderung führt von der Sennes-Alm zum Seekofel mit fantastischer Rundsicht über die Gebirgswelt. Vom Gipfel aus blickt man hinunter zum Pragser Wildsee, dem beliebtesten Ausflugsziel für Familien: Kinderspielplatz, Badestelle, Bootsverleih, leichte Spazierwege und Picknickplätze – alles vorhanden. Überhaupt ist man hier im Oberpustertal mit spannenden Aktivitäten ganz besonders auf Kinder eingestellt. Zum Beispiel dürfen die kleinen Gäste mit ihren Eltern gern einen Tag auf einem Bergbauernhof verbringen: Kälber streicheln, Schafwolle filzen, Kühe füttern, Kartoffeln ernten und dabei „für das Leben lernen”.
Anreise: Über die Brennerautobahn, Richtung Toblach ins Gadertal bis St. Vigil (Enneberg).
Kontakt: Italien Tourismus,
069/23 74 34
Auch wenn es nicht besonders spektakulär klingt, so ist allein schon das Wandern ein Erlebnis, an das sich auch die Kinder gerne erinnern. Denn die Eltern haben jetzt genug Zeit, sich um den Nachwuchs zu kümmern. Der schönste Teil des „Wegs der Sagen und Legenden” rund um die Marmolata führt vom Pellegrino-Pass (Bushaltestelle, Parkplatz) in knapp einer Stunde zur Fuciade-Alm. Hinter den Wiesen-Matten ragen die kalkbleichen Dreitausender Cima Uomo und Sasso Vernale in den Himmel. Derweil im Rifugio Fuciada, ausgestattet mit großem Kinderspielplatz, bieten Emanuele und Sergio Rossi nicht nur Eis und Kuchen, sondern eine in ganz Südtirol berühmte ladinische Feinschmeckerküche – märchenhaft lecker!
14:42
Eine wunderschöne Gegend, im Herbst war ich vor 2 Jahren da, ich finde die schönste und auch nich so überfüllte Jahreszeit dort :-)