Highway-Safari in der Serengeti

Unterwegs von Nord nach Süd – von Musoma nach Arusha: Auf Safari mit den Einheimischen.
Unterwegs von Nord nach Süd – von Musoma nach Arusha: Auf Safari mit den Einheimischen.
Foto: Mona Contzen
Eine Fahrt mit dem Bus auf dem Serengeti-Highway ist unbequem, unromantisch, rasant – und genau deswegen etwas ganz Besonderes.

Dar es Salaam..  Der „Safari Liner“ rumpelt in einem Affenzahn durch Schlaglöcher und tiefe Pfützen, geht auf dem matschigen Untergrund in gefährliche Schieflage und ist hoffnungslos überfüllt. Die Passagiere drängen sich auf dem Gang, die Hühner im Gepäckraum, und das Rappeln der Busfenster übertönt jedes Geräusch der Außenwelt. Eine Fahrt mit dem Bus auf dem Serengeti-Highway ist unbequem, unromantisch, rasant – und genau deswegen etwas ganz Besonderes.

Während Touristen leicht mehrere Hundert Euro für eine Jeep-Safari durch die Serengeti bezahlen, nutzen die Einheimischen den wohl bekanntesten der ostafrikanischen Nationalparks als kürzeste Verkehrsader von Musoma im Norden nach Arusha im Süden. Kaum jemand hat in der stickigen Enge des Busses einen Blick für die Naturschönheiten, die gleich vor dem Fenster liegen. Der Horizont färbt sich blutrot im Morgengrauen, Bäume zeichnen sich schwarz vor der gleißenden Sonne ab und Wattebäuschchen-Wolken, die so tief hängen, dass man meint sie mit ausgestrecktem Arm erreichen zu können, werfen riesige Schatten auf die endlose grüne Ebene.

Fünf Stunden braucht der Linienbus, um die Serengeti der Länge nach von Nord nach Süd zu durchqueren. Ein Tagesausflug der lokalen Tour-Veranstalter dauert etwa doppelt so lange und deckt nur einen Bruchteil dieses Bereichs ab.

Schon vor der Einfahrt in den Nationalpark tauchen die ersten Zebraherden im kniehohen Gras der Savanne auf. In der Ferne staksen Giraffen vorbei, ein paar ob des rumpelnden Busungetüms erschrockene Impalas ergreifen mit langen Sprüngen die Flucht, während die Nilpferde im Fluss nur verwirrt mit ihren kleinen Ohren wackeln. Wer als Besucher die wilde Tierwelt der Serengeti erlebt – und sei es im Schnelldurchlauf – kann sich verzückte Rufe und ein begeistertes Grinsen einfach nicht verkneifen.

Entlang des Weges überholt der „Safari Liner“ parkende Landrover, aus deren Dächern lange Teleobjektive wie die Periskope von U-Booten herausragen. Gegen Abend werden die Fahrer an einem lauschigen Plätzchen für ihre Gäste auf Klapptischen Gin-Tonic, Cuba Libre und Co mixen. Die Passagiere des öffentlichen Nahverkehrs haben dagegen vorsorglich beim letzten Stopp Kekse, Bananen und Softdrinks von den Tablets gekauft, dieVerkäufer vor den Fenstern des Busses auf ihren Köpfen balancieren. Im Park wird nur für einige Massai gehalten, die in blau oder rot karierte Tücher gehüllt eimerweise Lebensmittel in Empfang nehmen.

Bei fauchenden Löwen jubeln die Einheimischen

Doch dann bremst der Fahrer unvermittelt scharf ab, ein überraschter Löwe faucht mehr aus Reflex als wirklich angriffslustig das große Gefährt an, das nicht einmal zwei Meter neben seinem Schlafplatz vorbeirollt. Und plötzlich scheint der Funke überzuspringen: Jetzt jubeln auch die Tansanier, verrenken sich die Hälse, zücken ihre Handys für einen Schnappschuss.

Wer, eingekeilt zwischen Handgepäck und Mitreisenden, auf der falschen Seite des Busses sitzend eine endlose Karawane von Gnus zu verpassen droht, die sich gemächlich bis zum Horizont schlängelt, wird mit einem freundlichen Anstupser darauf aufmerksam gemacht. Akrobatische Verrenkungen werden unternommen, damit jeder einmal die Chance bekommt, einen Blick aus dem Fenster und auf das Naturschauspiel zu werfen. Dass die Touristen dabei sozusagen in der ersten Reihe sitzen, ist Ehrensache.

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE