Griechische Gedankenspiele über All-Inclusive-Angebote

Im vergangenen Jahr konnte Griechenland einen neuen Besucherrekord erzielen.
Im vergangenen Jahr konnte Griechenland einen neuen Besucherrekord erzielen.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Der griechische Regierungschef Tsipras macht All-Inclusive-Angebote für Restaurant-Schließungen verantwortlich. Neue Modelle könnten eine Lösung sein.

Athen.. Eines muss man Alexis Tsipras lassen: Der Mann drückt ordentlich aufs Tempo. Und weil der neue griechische Regierungschef dieser Tage so ziemlich alles in seinem Land auf den Prüfstand stellt, hat er sich auch zum Tourismus geäußert.

Tsipras wetterte allen voran gegen das immer größer werdende Angebot an All-Inclusive-Hotels. Diese seien der Grund dafür, dass immer mehr lokale Geschäfte und Restaurants im Umfeld der Anlagen schließen müssten. Auch die Grundstücksverkäufe an große Hotelketten sind Tsipras ein Dorn im Auge und sollen ebenso wie Steuererleichterungen für Hoteliers überprüft werden.

Neuer Besucherrekord in Griechenland

Ganz Unrecht hat Tsipras nicht mit dem, was er sagt. Seine Äußerungen kommen dennoch zur Unzeit, ist der Tourismus doch der einzige Wirtschaftszweig Griechenlands, der der schweren Krise trotzt und tolle Erfolgszahlen liefert. Mit insgesamt 21,5 Millionen Gästen und einem Zuwachs von 20 Prozent gegenüber 2013 konnte Griechenland im vergangenen Jahr sogar einen neuen Besucherrekord erzielen. Dazu kamen noch weitere 2,5 Millionen Ankünfte der internationalen Kreuzfahrtindustrie. Ein Fünftel aller Beschäftigten arbeitet im Tourismus. Zusammen gerechnet werden hier 17 Prozent des Brutto-Inlandsprodukts des Landes erwirtschaftet.

Trend Den größten Anteil an diesem Erfolg haben die mehr als 2,2 Millionen Urlauber aus Deutschland, die sich auch in diesem Sommer aller Voraussicht nach wieder für Griechenland als Reiseziel entscheiden werden.

In Deutschlandauf Erfolgskurs

Die Direktorin der Griechischen Zentrale für Fremdenverkehr, Eftychia-Christina Aivaliotou, dürfte daher dieser Tage in Athen um Schadensbegrenzung bemüht sein und die Äußerungen von Tsipras genau verfolgen. Griechenland ist in Deutschland auf Erfolgskurs. Unbedachte Äußerungen aus Athen könnten den positiven Trend schnell beenden. Äußerungen über den Umgang mit den Schulden beispielsweise. Geld, das der deutsche Steuerzahler gerne irgendwann zurück hätte. Doch zurück zum touristischen Produkt: Hier rudert man in Athen ähnlich wie bei den Schulden bereits wieder zurück. So würden „keine Maßnahmen gegen All-inclusive ergriffen werden“, rückt die stellvertretende Ministerin für Tourismus, Elena Kountoura, die Aussagen von Tsipras gerade. Vielmehr gehe es darum, „die Qualität des Angebots zu verbessern“, und im speziellen „die regionale Wirtschaft intensiver mit einzubeziehen“.

Andreas Andreadis, Präsident des Verbandes der griechischen Tourismusbranche, meint dazu: „Warum nicht ein neues Modell von All-Inclusive-Hotels erproben, das die Umgebung mit den benachbarten Restaurants und Cafés in das Ferienerlebnis einbezieht?“

Geht es um die von der neuen Regierung in Athen so gerne gesehenen Investitionen aus dem Ausland, gibt es ebenfalls Redebedarf. Denn Tsipras hat einige Privatisierungspläne gestoppt. Betroffen ist Fraport. Der größte deutsche Flughafen-Betreiber wollte sich gerne an 14 griechischen Regionalflughäfen beteiligen, darunter Airports auf den Ferieninseln Kreta, Korfu, Kos, Mykonos, Samos und Santorin. Was nun aus den vereinbarten Verkäufen wird, ist unklar.