Glamping ist der neuste Trend in der Tourismusbranche

Die Zeiten von schlaflosen Nächten auf unbequemen Luftmatratzen in viel zu engen Zelten sind längst vorbei.
Die Zeiten von schlaflosen Nächten auf unbequemen Luftmatratzen in viel zu engen Zelten sind längst vorbei.
Foto: WAZ FotoPool
Himmelbett statt Luftmatratze und Küchenzeile statt Lagerfeuer: Bisher war "Glamping" vor allem bei Safarireisenden in Afrika beliebt, langsam aber wird das Campingvergnügen mit Glamourfaktor auch in der hiesigen Tourismusbranche zum Trend. Doch der Luxus auf Campingplätzen hat seinen Preis.

Niewisch.. Bei Stichwort Camping denken wohl die meisten Menschen an schlaflose Nächte auf unbequemen Luftmatratzen in viel zu engen Zelten. Auf dem Gelände der Voigtsmühle unweit des Schwielochsees bei Niewisch gehört diese Version des Übernachtens in freier Natur jedoch der Vergangenheit an. Hier wird seit einem Jahr "Glamping" praktiziert. Die Bezeichnung leitet sich aus der Kombination von Camping und Glamour ab und meint luxuriöses Zelten mit Platz und gewohnten Annehmlichkeiten.

"So macht Camping Spaß. Ich war sehr überrascht, hatte das noch nie zuvor gesehen", sagt Bart Goodbloed, der im Internet auf das "Glamping"-Angebot gestoßen war. Der 44-jährige Holländer sitzt gemeinsam mit Frau Alexandra in gemütlichen Korbsesseln auf der Terrasse eines 25 Quadratmeter großen Luxuszeltes und blinzelt in die Sonne.

Die drei Kinder toben in Sichtweite an einem kleinen Teich. Ein Blick ins Innere der großzügigen Unterkunft offenbart noch mehr Komfort: Der Boden ist mit massiven Holzbohlen ausgelegt. Darauf thront ein Himmelbett mit Moskitonetz, daneben stehen ein Kleiderschrank und ein Etagen-Bett für Kinder. Außerdem gibt es eine kleine Küchenzeile mit Gasherd und Spüle sowie Stromanschluss. Bei kalter Witterung steht im Zelt ein Gasofen bereit. Zum Zelt gehört ein kleines Sanitärhäuschen mit Dusche und Toilette. "Man hat ein Zeltdach über dem Kopf und trotzdem erstklassigen Urlaub", schwärmt die 39-jährige Alexandra.

Unternehmer: Luxuriöses Zelten ist neuer Tourismustrend

Dass es die niederländische Familie in die Ostbrandenburger Idylle verschlagen hat, die als Tourismusziel bisher noch als Geheimtipp gehandelt wird, ist kein Zufall. Denn Betreiber der Voigtsmühle ist der Holländer Hans van Beem. Er war es auch, der das "Glamping" nach Brandenburg brachte, in dem er im vergangenen Jahr erstmals zwei an Domizile britischer Entdeckungsreisender erinnernde Zelte auf dem 90 Hektar großen Grundstück aufstellte.

"Nach Auskunft von Fachleuten ist das luxuriöse Zelten, das man bisher nur von Safari-Reisen durch Afrika kannte, der neueste Trend in der Tourismusbranche", sagt der 51-jährige Unternehmer, der von der Resonanz auf sein nach eigenen Angaben für Berlin und Brandenburg bisher einmaligen Angebotes überwältigt ist. "Wir waren 2011 bis in den September hinein ausgebucht."

"Zunehmend kommen auch deutsche Gäste", sagt Verwalter Günther Hübner. Weil im vergangenen Jahr viele Interessenten vertröstet werden mussten, hat van Beem in diesem Frühjahr sogar fünf "Glamping"-Zelte aufgebaut. Unter den Interessenten sind seinen Angaben nach viele, die mit dem klassischen Campen oder Zelten nichts am Hut haben. Denn zum "Glamping" an der Voigtsmühle reist man ohne die übliche Campingausrüstung an. "Es ist ja alles schon da. Wir brauchten nichts mitzuschleppen", schwärmt Familienvater Goodbloed. Der Luxus hat allerdings seinen Preis - je nach Saison kostet eine Woche im Voigtsmühlen-Zelt zwischen 199 und 549 Euro.

Gelände im Internet gefunden

Gemeinsam mit seinem Bruder hatte der holländische Investor die alte Wassermühle vor vier Jahren bei einer Zwangsversteigerung gekauft. "Wir fanden das Angebot zufällig im Internet", erinnert sich der 51-Jährige, der bis dahin noch nie in Brandenburg gewesen war. Van Beem verliebte sich in das Fleckchen Erde zwischen sanften grünen Hügeln mit eigenem Teich nebst Quelle. "Hier sitzt man inmitten der Natur, hört quasi nix von der Zivilisation - so etwas gibt es in meiner Heimat nur noch selten", erzählt der frühere Geschäftsführer einer holländischen Käserei, der als erstes die alte Mühle wieder aufbaute und darin vier komfortable Ferienwohnungen einrichtete.

In van Beems Camping-Idylle kann man aber auch im eigenen Zelt übernachten. Von diesem Angebot machten im vergangenen Jahr laut Hübner schon einige Gäste Gebrauch. Sein holländischer Chef ist überzeugt davon, in die Zukunft investiert zu haben. "Die Leute werden weniger in die Ferne schweifen, je teurer die Flüge werden", sagt der Unternehmer, der für sein Domizil Voigtsmühle eine Vier-Sterne-Klassifizierung anstrebt.

Die Ostbrandenburger Abgeschiedenheit hat da einiges zu bieten, findet er. "So etwas wie die barocke Klosteranlage von Neuzelle erwartet man hier einfach nicht. Auch das Badeparadies von Tropical Island sowie Berlin sind nicht weit", schwärmen die Goodbloeds, die wiederkommen wollen. (dapd)

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