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Geschäft stagniert - Billigflieger kürzen ihr Angebot

02.06.2013 | 15:52 Uhr
Geschäft stagniert - Billigflieger kürzen ihr Angebot
Ein großer Teil des Sinkflugs geht auf das Konto von Marktführer Air Berlin, der 47 Prozent aller Billigflüge bewältigt. Er reduziert massiv die Flotte.Foto: Fabrizio Bensch/Reuters

Essen.   Das Geschäft der Billigflieger in Deutschland stottert. Nach einer Studie des Zentrums für Luft- und Raumfahrt nimmt die Zahl der Fluggäste und der Strecken ab. Darunter leiden insbesondere die Airports Dortmund und Weeze. Norwegian Airshuttle dagegen drängt ins deutsche Geschäft.

Die roten Nasen ihrer Boeing-Jets machen bisher meist nur den skandinavischen Himmel bunter. Jetzt hat sich Norwegian Air­shuttle, längst zur drittgrößten Billigfluggesellschaft in Europa aufgestiegen, das Deutschland-Geschäft als Ziel ausgewählt. Airline-Chef Björn Kjos, früher Kampfpilot der norwegischen Luftwaffe, plant, unter anderem von Köln/Bonn aus Spanien und die Kanaren anzufliegen.

Elf neue Routen von NRW aus – nach Alicante, Malaga, Las Palmas und Teneriffa – hat Kjos im Kopf. Es ist eine gewagte Tour für seine erfolgsverwöhnten Nordländer. Denn die neue Analyse des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLZ), die den deutschen Billigflug-Markt unter die Lupe nimmt, signalisiert: Das Geschäft stagniert beim Fluggastaufkommen (minus 0,2 Prozent) und geht auch beim Streckenangebot zurück.

Nur noch 423 Strecken

„Nur noch 423 Strecken in und ab Deutschland wurden in diesem Winter von den Billigfliegern bedient“, heißt es in der Untersuchung. Das sind 30 Verbindungen weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. „Ein Negativrekord, unter den Werten aus dem Krisenwinter 2009“, sagt der Leiter der Studie, Peter Berster.

Dabei geht ein großer Teil des Sinkflugs auf das Konto von Marktführer Air Berlin, der 47 Prozent aller Billigflüge bewältigt. Er reduziert – Sparen muss ein – massiv die Flotte und in der Folge auch das Angebot an Strecken: Minus 14 Prozent. Auch Easyjet und die irische Ryanair machen Rückzieher. Bei Easyjet ist vor allem der Flughafen Dortmund betroffen. Weil der Niederrhein-Airport in Weeze fast zu   100 Prozent von den Billigfliegern abhängig ist, ist die Zahl der Flüge hier ebenfalls gesunken.

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Vor fast drei Jahren hat der Flughafen Dortmund einen Antrag auf Betriebszeiten-Verlängerung gestellt. Seither hängt das Verfahren in der Luft. Die Bezirksregierung Münster muss entscheiden, ob abends eine halbe Stunde später gestartet und gelandet werden darf — aber nicht vor Jahresfrist.

Ärger über Luftverkehrssteuer

Die Gründe für die Rücknahme der Leistungen sind vielfältig: Schon im März 2011 hatte Ryanair alle innerdeutschen Verbindungen eingestellt. Auf anderen Strecken reduzierte sie 2011 und 2012 ihre Angebote um 30 Prozent. Es geht hier auch um Politik. Die Iren ärgern sich über die deutsche Luftverkehrssteuer, die seit 2011 fällig ist.

Dass der Anteil der Billigflieger am deutschen Luftverkehr beim Fluggastaufkommen dagegen stabil bei 32 Prozent bleibt – das sind 64 Millionen von zusammen 201 Millionen Passagiere 2012 –, ist vor allem Lufthansa-Tochter Germanwings und verschiedenen neuen Nischenanbietern zu verdanken. Die Zahl der Strecken nach Polen oder Ungarn oder auch nach Nordafrika schraubt sich nach oben. Und Germanwings steigert das Flugangebot offenbar im Vorgriff auf den Plan der Mutter, Jets der Tochter für alle Kurzstrecken des Konzerns einzusetzen.

Kostensenkungen bei Billiglinien

Jürgen Pieper, Luftfahrt-Analyst beim Bankhaus Metzler, glaubt auch, dass die Billigfliegerei 2013 insgesamt wieder wachsen werden. „Grund ist, dass die Kostensenkungen bei den Billiglinien, etwa bei Ryanair und Easyjet, greifen werden“, sagt er. Das erhöhe die Möglichkeiten, wieder in die Jet-Flotten zu investieren. Auch Lufthansa-Tochter Germanwings wird seiner Ansicht nach zulegen.

Pieper glaubt auch nicht, dass Negativmeldungen über Billigflieger den Fluggesellschaften schaden werden – etwa die Nachricht, dass eine Ryanair-Maschine notlanden musste, weil der Treibstoff zu knapp bemessen war. „So lange es nicht zu einem Unfall kommt oder sich die Vorkommnisse häufen, werden die Menschen weiter über den Preis gehen und Billigflüge buchen“.

Vielleicht hat Björn Kjos von Norwegian doch wieder die richtige – rote – Nase gehabt.

Dietmar Seher und Christopher Shepherd


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