Frei wie ein Fisch im Wasser
14.04.2010 | 15:23 Uhr 2010-04-14T15:23:00+0200
Delfine in der Adria: Die beliebten Säugetiere sollten Touristen nur in der Freiheit beobachten. Auf der Insel Lošinj ist das möglich.
Elegant gleiten sie durchs Meer, ihre charakteristische Rückenlinie teilt die spiegelglatte Wasseroberfläche: Rund 120 Delfine leben rund um Lošinj, einer kleinen Insel in der Kvarner Bucht zwischen Istrien und der kroatischen Nordküste. Im Frühling hat die Hochsaison noch nicht begonnen – beste Voraussetzungen, um die seltenen Säugetiere sogar von Land aus beobachten zu können.
Der Große Tümmler ist die einzige, noch regelmäßig vorkommende Delfinart in der Adria. Die bis zu drei Meter langen Tiere können zwischen 30 und 50 Jahre alt werden. Das „Blue World Institute for Marine Research and Conservation” in Veli Lošinj widmet sich der Erforschung ihrer Lebensbedingungen. Die Insel Lošinj liegt inmitten eines Meeresschutzgebiets, das 2006 als Delfinreservat ausgewiesen wurde. Seitdem haben Sonja, Meta, Mirna, Debby, Saturn und Elmar ein sicheres Zuhause – und Paten in aller Welt: Besucher können im "Lošinj Marine Education Centre" einen der sympathischen Meeressäuger adoptieren. In Mappen sind die Lebensläufe der Delfine mit Vorlieben und Charakterzügen zusammengestellt. Das Männchen Belugo hat zum Beispiel eine weiß vernarbte Rückenflosse und nähert sich bis auf wenige Meter dem Forschungsboot, das es am Motorengeräusch erkennt.
Die Rückenflossen helfen bei der Identifizierung – was gar nicht so einfach ist, wie ein Flossen-Memory in den Ausstellungsräumen beweist. Dort erfahren Delfin-Fans auch, wie ihre Lieblinge mit minimalem Energieaufwand durchs Wasser gleiten. Wer den Meeressäugern in freier Wildbahn begegnen möchte, der kann am Volunteer-Programm des Instituts teilnehmen: Freiwillige Helfer sollten dafür mindestens zwölf Tage investieren. Und reserviert man für seinen Kroatien-Urlaub den Frühling – die Quecksilbersäule klettert auf dem Archipel Cres-Lošinj im April über die 20-Grad-Marke, der kommt den Delfinen auch ohne Ehrenamt näher. Wanderwege bieten traumhafte Ausblicke auf stattliche Villen, felsige Buchten und glasklares Wasser. Nicht selten lassen sich dabei auch Delfine beobachten: Sie spielen gerne in der Nähe der Ufer.
Da die Tiere sehr neugierig sind, kommen sie während der Wintermonate sogar in die Häfen. Auch in Veli Lošinj. Der Ort blickt auf eine lange Tourismus-Tradition zurück: Zu Zeiten der Habsburger Monarchie war die Insel ihres milden Klimas wegen ein beliebter Kurort und ähnelt bis heute einer K&K-Puppenstube: pausbäckige Stuck-Engelchen umschwirren etwa die pastellfarbenen Häuserfronten der „Villa Mozart” mit den prunkvollen Säulenpforten.
Wenn der Schiffsverkehr zur Hochsaison hin stetig zunimmt, ziehen sich die Delfine aufs offene Meer zurück. Der Lärm stört sie. Urlauber, die einen Schiffsausflug zu den Nachbarinseln Ilovnik oder Susak buchen, brauchen eine große Portion Glück, um bei einer solchen Tour durchs Meer gleitene Delfine zu entdecken.
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gegen Delfinarien:
Delfine sind für Delfinarienbesitzer ein gutes Geschäft: Sie locken Zuschauer an und lassen die Kassen klingeln. Doch hinter den Kulissen der scheinbar spielerischen Darbietung läuft ein unerbittliches, für den Delfin oft tödliches Geschäft ab: Viele Delfine sterben bereits während des Fanges und des Transports. Im chemisch aufbereiteten Wasser der engen, kahlen Becken und dem fehlenden biologischen und sozialen Umfeld leben die Tiere unter Streß und Haftpsychose. Die Sterblichkeit der gefangenen Delfine ist außerordentlich hoch. Die Tiere sterben häufig an Lungenentzündung, Herzversagen, Kreislaufkollaps und Vergiftungen. Die Lebenserwartung ist entsprechend niedriger als in Freiheit. Es ist unverantwortlich, diese hochentwickelten Tiere in Gefangenschaft zu halten, weil ihnen selbst die elementarsten Grundbedürfnisse vorenthalten werden: In freier Wildbahn leben Delfine in Gruppen von bis zu 100 Tieren zusammen, erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h, können bis zu 500 Meter tief tauchen und werden 10 Jahre älter als in Gefangenschaft.