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Flamenco und feurige Gitarrenklänge im südspanischen Granada

19.03.2012 | 05:45 Uhr
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Flamenco und feurige Gitarrenklänge im südspanischen Granada
Tanz und Rhythmus kann man in Granada an fast jeder Ecke erleben. Der Flamenco Tanz ist besonders beliebt.

Granada.   Die Hauptstadt Granada liegt im Süden Spaniens. In der Metropole des Flamenco erwartet Urlauber feurige Gitarrenklänge und Tanzeinlagen an jeder Ecke. Basare, Tee-, Teppich- und Stoffläden reihen sich in der Stadt aneinander und erinnern ein bisschen an das multikulturelle Berlin-Kreuzberg.

Der Geruch nach Holzspänen und Leim liegt in der Luft. Im Regal an der Wand stehen fein säuberlich die Gitarren in Reih und Glied. Ein unfertiger Corpus liegt auf dem Arbeitstisch. Im Blaumann und mit Lesebrille auf der Nase bearbeitet José López Bellido die runde Öffnung des Corpus mit einer Spezial-Feile. Das macht er nun seit 50 Jahren so in der kleinen Gitarrenwerkstatt in der Calle Gomérez in Granada – unterhalb der berühmten Alhambra, der Palaststadt auf dem Hügel Sabika. „Ich liebe den Gitarrenbau und kann nicht damit aufhören“, bekennt der knapp 70-Jährige Granadiño.

Früher hat er acht Gitarren pro Jahr gebaut, heute sind es noch zwei oder drei. Meist auf Bestellung, seine treuesten Kunden sitzen in Deutschland. Am liebsten baut er für klassische Konzertgitarristen. Die sind „seriöser und zuverlässiger“ als die Flamenco-Künstler meint José. Und besser ins Gespräch komme man auch.

Apropos Flamenco : Den erwartet man in dieser Stadt ohnehin an jeder Ecke, in jeder Bar, in jedem Konzertsaal. „Besonders zum Festival für Musik und Tanz Ende Juni, Anfang Juli“, sagt Maria de los Reyes, die Stadtführerin. Wein fließt dann in Strömen und die Tanzschuhe klackern pausenlos übers Parkett.

Granada – ein bisschen wie Berlin-Kreuzberg

Und was für den Gitarristen seine Gitarre, für die er bei José gut 5000 Euro ausgibt, ist den Tänzerinnen ihr Kleid. „Jedes Jahr ein neues – das ist Pflicht“, bestätigt Estela, die eigentlich aus Sevilla stammt. „Flamencokleider sind ein Teil meines Lebens“, gesteht die Andalusierin. Auf deutlich über 20 schätzt sie die Anzahl der bunten Stoffstücke in ihrem Schrank. Einige seien noch von ihrer Mutter, die sie ihr einst als Kind nähte.

Auch ohne Flamenco sprüht die Stadt mit ihren 60 000 Studenten nur so vor Kultur. Ob Film- oder Jazzfestival, Theatertage oder die vielen Gesichter des Viertels Albayzín, dem lebendigen Erbe von Al-Andalus, jener Zeit von 711 bis 1492 als Granada und die Region Andalusien unter arabischer Herrschaft standen. „Ein bisschen wie in Berlin-Kreuzberg“, sagt Maria, die ein paar Jahre in den 1980ern in Berlin gelebt hat. Und sie hat recht. Auf dem Basar reihen sich Tee-, Teppich- und Stoffläden eng aneinander, Handel und Geschäfte florieren, Wasserpfeifen machen die Runde.

Auch wenn man von der Plaza Luque durch die schmalen Gassen schreitet, teils umgeben von der alten Stadtmauer und den Stadttoren wie die Puertas de Monayta und de Elvira aus dem 9. Jahrhundert, spürt man den Flair der einst islamischen Stadt mit jedem Schritt.

info
Von Deutschland nach Granada

Anreise: Mit Air Berlin
( 01805/73 78 00, www.airberlin.com) ab
Düsseldorf direkt nach Malaga oder

mit Lufthansa ( 01805/80 58 05, www.lufthansa.com) ab Düsseldorf via Frankfurt nach Malaga. Von dort geht es weiter mit dem Mietwagen nach Granada (rund 90 Minuten).

Veranstalter: Tui ( 01805/88 42 66, www.tui.com) oder Dertour ( 01805/33 76 66,
www.dertour.de) haben Hotels
in Granada.

Kontakt: Spanisches
Fremdenverkehrsamt,  0211/6 80 39 80,
www.spain.info

An jeder Abbiegung des labyrinthartigen Gassen-Wirrwarrs sind sie zu sehen: Die Carmenes, die Vorzeigehäuser des Viertels. Meist sind es kleinere Bauten, die von üppigen Schatten spendenden Wein- und Blumenränken umgeben sind. „Carmen de la Encarnación“ oder „Carmen de la Alcazaba“ prangt in geschwungenen blauen Buchstaben auf Keramiktafeln vor den Hauseingängen. Ihre Front blickt stets auf die andere Seite des Flusses Rio Genil hin. Dort, wo die Alhambra thront.

Feurige Gitarrenklänge erfüllen die Nacht

Diese Ausrichtung sei eine „typische Eigenart dieser Wohnform“, sagt Maria. Dort die Alhambra – und im Albayzin auf der Plaza del Abad steht die ehemalige Hauptmoschee, auf der nach der Rückeroberung durch die Christen die Kirche Salvador errichtet wurde. Geblieben ist der Moscheehof für rituelle Waschungen, die Originalsäulen der Moschee und eine tiefe Zisterne.

Unweit davon liegt der kleine Plaza del Aliatar – ein Idyll, das man sofort mit seiner Kamera festhalten möchte. Hier ein Café, dort ein Tante Emma Laden und an der Ecke La Floristeria mit einer bunten Pracht aller erdenklichen Blumen und Pflanzen. Kleine Balkone lugen auf die Plaza hinaus, ältere Herren sitzen auf Bänken und halten ein Schwätzchen, Kinder jagen einem abgewetzten Ball hinterher. „Es ist die Mischung, die das Albayzin ausmacht“, sagt Maria. „Alteingesessene Familien, Künstler, Immigranten und Bohemiens.“ Manchmal kommen sie am Abend zusammen auf dem Mirador de San Nicolás, dem Ausblickspunkt an der gleichnamigen Kirche. „Wenn die Sonne hinter der Silhouette von Alhambra und Sierra Nevada versinkt, hat man hier den besten Platz“, schwärmt Maria.

Wenn dann der Duft von Orangenblüten die Luft erfüllt geht man weiter auf die Plaza Charca, wo aus der Bar feurige Gitarrenklänge herüber wehen. Ein Gitarrist spielt voller Leidenschaft auf seinem Instrument. Vielleicht ist es eine Gitarre aus Zypressenholz, die José in seiner kleinen Werkstatt in wochenlanger Feinarbeit erschuf. Dem Konstrukteur würde es gefallen.

Markus Howest

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