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Australien

Erzähler sind sterblich - Geschichten nicht

Mit einem Aborigine unterwegs in Australiens unberührten Wäldern
Australiens malerische Landschaften gehören zu den ältesten der Welt.

Über Hunderte von Generationen hat sich sein Volk in und mit dem Wald entwickelt. Es weiß, wie man mit Pflanzensäften die Fische im Bach betäubt, um sie mit sanfter Hand fangen zu können. Skip weiß auch, wie man die giftigen Nüsse auswäscht und röstet, damit sie essbar werden. Das ganze Wissen wird durch Erzählungen gelehrt. Es zählt die Geschichte und nicht der, der sie berichtet. Denn die Erzähler sind sterblich, die Geschichten jedoch dürfen nicht sterben, weil das Volk sonst mit ihnen stirbt: Knapp 40.000 Jahre hatte dieses Volk Gelegenheit, Pflanzen und Tiere des Waldes kennenzulernen und zu lernen, mit dem Wald zu leben, statt von ihm.

info
Urlaub in Australien

Anreise: Mit Emirates (www.emirates.com) ab Düsseldorf über Dubai nach Brisbane. Oder mit Singapore Airlines
(www.singaporeair.com) ab Frankfurt über Singapur.
Besonderheiten: Über den Tourismusverband Australien sind u.a. Dschungeltouren buchbar.

Veranstalter: Explorer Fernreisen (www.explorer.de) bietet Rundreisen in Australien an.
Kontakt: Tourismusverband Australien, www.australia.com

Anders als die Menschen auf den anderen Kontinenten stammen die Ur-Australier von Menschen ab, die Afrika rund 20.000 Jahre vor allen anderen Urahnen verließen. Skips Volk hatte Zeit genug, das Leben mit dem Rhythmus des Waldes und seinen fünf Jahreszeiten Kälte, Regen, Flut, Hitze und Sturm zu synchronisieren. Ein Spaziergang mit Skip zeigt, wie fremd uns die Natur geworden ist, mit der er noch immer eins ist: Die Aborigines sind über Zehntausende von Jahren in ganz Australien so behutsam mit dem kargen Land umgegangen, dass es erhalten blieb – und ihre Kultur mit ihnen. Wäre Nachhaltigkeit mehr als eine politische Vokabel, wir müssten bei ihnen in die Schule gehen.

Ein Gästehaus ohne Wände

Interessanterweise wachsen die Ahnen der westeuropäischen Einwanderer diesem Naturzustand entgegen. „Ein Dach gegen den Regen und zwei, drei Wände reichen mir schon“ , sagt eine 32-Jährige, die einst als Angelika aus Nürnberg kam, um sich dem Regenwald wissenschaftlich zu widmen. Heute verleitet sie als Angie Touristen zum Dschungelsurfen an Tragseilen durch die spektakuläre Flora. Auch dem Restaurant von Wim van Zil, einem ehemaligen niederländischen Tennisprofi, der heute die erste Fünf-Sterne-Lodge im Nationalpark betreibt, fehlen Wände. Es ist zum Fluss hin offen, der ein paar Meter unterhalb des wohl teuersten Lokals ohne geschlossene Räume sein halblautes Lied murmelt.

Sommer, Sonne, Sonnenschein

Denn wer den Wind stoppt, wird Schimmel ernten im dauerfeuchten Dschungelklima. So grenzt nichts das tausendfach ausschattierte Grün des lärmenden Dschungels aus, in dem Vögel und Viecher rund um die Uhr fremde Melodien erklingen lassen. Und obwohl es geografisch gesehen fast um die Ecke ist, war man niemals weiter weg vom RTL-Dschungelcamp als hier. Denn das Paradies hat keinen Empfang: Die Zimmer in der Lodge haben jeden erdenklichen Luxus, aber keinen Fernseher. Was die meisten Gäste nicht einmal bemerken, sagt Wim van Zil. Man glaubt es ihm sofort.

Stephan Hermsen

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