Entspannter Langlauf am Drehort des neuen 007-Streifens

Langlauf-Skilehrer Virgil hat ein waches Auge für seine Kursteilnehmer.
Langlauf-Skilehrer Virgil hat ein waches Auge für seine Kursteilnehmer.
Was wir bereits wissen
Wo das Filmteam um Daniel Craig gerade erst heiße Actionzenen abgedreht hat, lässt es sich in schneebedeckter Landschaft ganz gemütlich Ski laufen.

Obertilliach.. James Bond rettet die Welt. Im sonst so beschaulichen Obertilliach, einem 700-Seelendorf in Osttirol, wurden jüngst Actionszenen für den neuen Bond-Streifen „Spectre“ gedreht – ein Riesenspektakel mit 400 Beteiligten. Wir allerdings interessieren uns ausschließlich für Virgil, den Langlauflehrer – übrigens ähnlich durchtrainiert wie Daniel Craig.

Virgil erklärt, worauf es ankommt: den Ski anheben, um in Schwung zu kommen. Stockeinsatz zur rechten Zeit, die Bretter zum Schneepflug ausstellen, wenn die Loipe abwärts führt. Wer die richtige Technik beherrscht, spart Energie und verhindert einen Sturz. Schließlich will niemand an Krücken enden.

Von wegen Altherren-Sport

Das Osttiroler Hochpustertal mit 140 Kilometern Loipen will in dieser Saison Langlaufen als Gesundheitssport in den Mittelpunkt rücken und hat entsprechende Pauschalangebote aufgelegt. Virgils Langlaufkurs – eine Stunde Praxis, eine Stunde Theorie – ist Teil davon. Skilanglauf gilt als eine der gesündesten Sportarten überhaupt. 96 Prozent der Muskeln werden dabei beansprucht. Durch die Bewegung an der frischen Luft baut der Läufer Kondition auf und Stress ab. Die sanften Gleitbewegungen schonen die Gelenke, die Waden werden optimal durchblutet.

Wir haben uns in der Biathlon-Arena von Obertilliach versammelt. Die Damen aus dem B-Team der tschechischen Nationalmannschaft, die gerade hier trainieren, spurten um uns herum. Scheinbar mühelos bewältigen die Biathletinnen den Anstieg. Es sieht kinderleicht aus, doch das täuscht. Virgil: „Viele denken, Langlaufen ist ein Altherren-Sport. Von wegen.“ Diese Herrschaften übersehen, dass der Langläufer jede Steigung selbst erklimmen muss. Auf der Loipe gibt’s halt keinen Lift.

Freude an verschneiten Tannen

Das Langlaufgebiet liegt auf rund 1400 Metern, die Loipen werden bereits im November gespurt. In der Vorsaison trainierten viele Spitzensportler in der Region. Magdalena Neuner war oft hier, Ole Einar Björndalen, der erfolgreichste Biathlet aller Zeiten, wohnt sogar hier. Natürlich laufen die Cracks im Skating-Stil. Wer noch nie auf Langlaufbrettern gestanden hat, sollte erst einmal klassisch, also in der gespurten Loipe, anfangen.

„Der Langlauf hat sich in den letzten Jahren total geändert. Da sind einmal die Landschafts-Genießer, die es ruhig mögen, und dann die Super-Sportlichen, die Langlauf als Fitness-Training betrachten“, erzählt Virgil, seit 30 Jahren als Langlauflehrer unterwegs. Unsere Gruppe gehört eindeutig zur ersten Kategorie. Wir wollen uns an verschneiten Tannen und dem Blick auf den Karnischen Kamm erfreuen. Und außerdem noch etwas für unsere Gesundheit tun.

Weit weg von den Alltagssorgen

In einer Stunde verbrennt der Langläufer 1500 Kalorien, angeblich so viel wie bei keiner anderen Sportart. Die Osttiroler Schlipfkrapfen, eine Art Maultaschen, in viel Butter geschwenkt, die die PR-Experten in ihrer Langlauf-Pauschale als Power-Pasta vermarkten, gehen als Mittagsmahl also voll in Ordnung.

Sobald man erst einmal seinen Rhythmus gefunden hat und auf den schmalen Brettern durch die Winterlandschaft gleitet, rücken alle Alltagssorgen in weite Ferne. Keine Hektik wie beim Abfahrts-Zirkus, nur das leise Gurgeln der Gail im Ohr, dazu die klare Winterluft ohne Autoabgase und Schnee, der in der Sonne glitzert – das Leben kann so schön sein.

Für alle Fälle: Fallen üben

Virgil knöpft sich immer mal wieder einen der Genießer vor. „Heb‘ den Ski noch ein bisschen mehr an, dann kommst du viel besser vorwärts“, so sein persönlicher Tipp an meine Adresse. Recht hat er.

Langlaufen kann jeder lernen, behauptet Virgil. Allenfalls steile Loipen-Abschnitte sind für Anfänger kniffelig. Am besten bewältigt man sie im Schneepflug. Für alle Fälle übt der Langlauflehrer auch das kontrollierte Zur-Seite-Fallen. „Wenn Ihr nicht mehr rechtzeitig bremsen könnt.“ Die Alternative wäre: abschnallen – schließlich soll Langlaufen ja die Gesundheit fördern, von verstauchten Gliedmaßen war nicht die Rede.

Übrigens soll sich der Geheimagent ihrer Majestät beim Dreh das Knie verstaucht haben, Experten sehen deshalb schon den Kinostart am 6. November in Gefahr. Beim Gesundheits-Langlaufen wäre dies wahrscheinlich nicht passiert.