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Interview

EM-Fahrer aus Oberhausen besuchte schon 965 Fußballstadien

09.06.2012 | 05:45 Uhr
Bei den Boca Juniors in Argentinien herrscht prickelnde Stimmung.

Oberhausen/Danzig.  Den wahren Fußballfan zieht es ins Stadion. Entweder er pilgert in den Fußballtempel seines Vereins oder er geht mit seinem Verein auf Reisen. Das reicht dem Oberhausener Patrick Engels bei weitem nicht. Fast 1000 Stadien pflastern seine Reisewege. Mindestens ein Stadion der EM 2012 kommt dazu.

Deutschland ist im Fußball-Fieber. Die 14. Europameisterschaft steht in Polen und der Ukraine an, für Patrick Engels ist die EM aber nur ein Kapitel unter vielen: Der 32-jährige Oberhausener ist ein Groundhopper. 15 Spiele in 14 Tagen in Südamerika? Kein Problem. Vier Spiele an einem Tag? In Berlin erlebt. Groundhopper zieht es raus in die Welt – von Stadion zu Stadion. Egal ob Top-Liga oder Amateurfußball – Hauptsache live. Wir sprachen mit Patrick Engels über ein ungewöhnliches Hobby und die Lust am Reisen.

Herr Engels, Sie kommen gerade aus den Flitterwochen zurück. Herzlichen Glückwunsch zur Hochzeit!

Patrick Engels: Vielen Dank.

Frech gefragt: Welche Frau macht so ein Hobby mit, heiratet sogar einen Groundhopper?

Engels (lacht): Eine sehr liebe Frau, die sogar oft mit dabei ist. Anfangs seltener, aber jetzt ist sie gerne mit mir unterwegs.

Wie wird man Groundhopper?

Engels: Durch Zufall und ein bisschen Langeweile. Ich war schon immer fußballbegeistert, mich hat vor allem immer die Atmosphäre in den Stadien fasziniert. Es war das Jahr 2000, glaube ich, da sind wir spontan zu viert nach Wattenscheid gefahren zum Spiel von 09 gegen den Lüneburger SK. Einfach so, weil wir nichts Besseres zu tun hatten. Dritte Liga war das damals. Was soll ich sagen? Uns hat es total gut gefallen – eine Woche später saßen wir bei Vitesse Arnheim im Stadion und haben uns den Europapokal gegen Maccabi Haifa angeschaut. Damals war ich 20.

Wieviel Reiselust steckt im Fußball-Fieber?

Engels: Natürlich sehr viel. Ich bin gerne unterwegs. Wenn ich die Wahl hätte, mir irgendein Amateurspiel live am Platz oder ein Topspiel im Fernsehen ansehen zu können, ich wäre immer am Platz.

Was reizt einen denn eigentlich an einem Amateur-Fußballspiel?

Engels: Das ist ehrlicher Sport. Es ist schön, nicht Schlange stehen zu müssen, mit dem Opi am Bierstand zu quatschen und für eine Bratwurst nur 1,50 Euro zu zahlen. Und man bekommt hautnah mit, was auf dem Platz abgeht.

Wieviele „Grounds“, also Stadien, haben Sie gesehen?

Engels: 965 Stadien in 48 Ländern. Die meisten in Europa, aber Übersee und Afrika sind auch dabei.

Das klingt teuer.

Engels: Zum Beispiel Europa ist in Zeiten von Ryanair und Co. machbar. Und die richtigen Internet-Portale für Hotelbuchungen kenne ich auch – und ein paar Tricks, auf die ich nicht näher eingehen möchte (lacht).

Welche Spiele oder Stadien haben es Ihnen besonders angetan?

Engels: Nimmt man nur die Stadien als solche, sind das Aztekenstadion in Mexiko-Stadt oder das Giuseppe Meazza-Stadion in Mailand wirklich erwähnenswert. Oder das Stadion in Lüttich: Das ist so steil gebaut, ein Kumpel von mir hat Höhenangst, das war wirklich problematisch. Aber toll wird es erst durch die Fans. Das Glasgower Derby zwischen Celtic und den Rangers in Schottland muss man gesehen haben. Genauso wie das Derby in Istanbul: Galatasaray gegen Fenerbahce. Wahnsinn.

Haben Sie nie Angst?

Engels: In den Stadien? Nein. Die Diskussion, die gerade in Deutschland geführt wird, ist in meinen Augen übertrieben. Die Situation ist wirklich nicht so schlimm, wie sie dargestellt wird. Niemand muss Angst haben, in ein Fußballstadion zu gehen.

Erzählen Sie doch mal, was man beim Fußball so alles erleben kann.

Engels: So einiges. In Argentinien hat mich ein Freund begleitet. Wir wollten uns ein Erstliga-Spiel von San Lorenzo anschauen. Das Stadion liegt ganz in der Nähe eines Slums der Hauptstadt Buenos Aires, es war nicht ganz mit der U-Bahn zu erreichen. Die Gegend war wohl wirklich nicht ganz ohne, kein Taxi wollte uns das letzte Stück dorthin bringen. Schließlich konnten wir doch jemanden überzeugen. Wir hatten noch Zeit und sollten eine Stunde später wiederkommen. Da war unser Taxifahrer vollkommen blau, er musste sich wohl echt Mut antrinken. Entsprechend war die Fahrt, aber immerhin war er da. Und er hat uns tatsächlich heile hingebracht – und abends sogar wieder abgeholt. Einfach verrückt.

Sie haben Nerven...

Engels: Ach was, das ist okay. Wissen Sie, ich fahre ja nicht in politische Krisengebiete. Und ich verhalte mich nicht wie ein Tourist. Ich möchte eben so viel wie möglich vor Ort kennenlernen, wenn ich unterwegs bin. Das echte Leben. Also nehme ich in Mexiko-Stadt die U-Bahn, statt das Taxi, auch wenn mir vielleicht mal der Geldbeutel geklaut wird.

Reisen bildet – also tatsächlich auch auf Fußball-Touren?

Merkel besucht die EM-Jungs

Engels: Auf jeden Fall. Man lernt andere Länder und ihre Menschen kennen und erfährt sehr viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, wenn man gerade nicht weiter weiß. Ich bin immer auf eigene Faust unterwegs. Und man merkt, wie gut es uns in Deutschland wirklich geht. Wer das nicht mehr zu schätzen weiß, der sollte mal nach Argentinien, Ägypten oder Marokko fahren. Dort lernt man Armut kennen.

Hat auch mal was nicht geklappt?

Engels: Das passiert. Ich wollte nach Wien trampen, ein Freund hat mich zu einem Rastplatz im Ruhrgebiet gefahren. Ich dachte, von dort aus kommt man schneller weg. Naja, dem war nicht so. Nach einer Stunde im strömenden Regen hat mich mein Kumpel wieder abgeholt. Ich war eine Woche krank.

Schaffen Sie es denn zur EM?

Engels: Ich bin in Danzig und schaue mir Spanien gegen Irland an. Übrigens für 45 Euro hin und zurück.

Ihre Frau kommt mit?

Engels: Leider nein. Das war alles eher Zufall, ein Freund hatte die Karte übrig.

Haben Sie noch Zeit für „normalen“ Urlaub?

Engels: Na klar, das muss ja auch sein und ich will auch nicht eine schöne Woche am Strand mit Fußball kaputt machen. Aber ein Spiel muss drin sein, da bin ich mir mit meiner Frau einig.

Aber die Flitterwochen waren frei von Fußball?

Engels: Ja, aber ehrlich gesagt nur unfreiwillig. Wir waren auf den Malediven , auf einem Eiland ganz in der Nähe der Hauptinsel Male. Dort hätten auch Spiele stattgefunden, aber immer erst um 16 Uhr. Die letzte Fähre zurück fuhr aber schon um 17.30 Uhr. Das war nicht zu schaffen. Schade!

Von ACHIM FAUST



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