Elefantenbaden in Kambodscha

Auf Tuchfühlung.
Auf Tuchfühlung.
Foto: Contzen
Was wir bereits wissen
Die Proteste von Tierschützern beginnen zu wirken: Im wilden Osten Kambodschas entstehen lokale Alternativen zum Elefantenreiten.

Phnom Penh..  Die wundgescheuerten Stellen auf Princess‘ Rücken sind gut verheilt. Jahrzehntelang hat die inzwischen betagte Elefantendame als Reittier der Tourismusindustrie gedient. Und die hölzernen Sitze, auf denen vermeintlich tierliebe Ausländer durch den asiatischen Dschungel schaukeln, sind nicht das schlimmste. Folter, Futterentzug oder tagelanges Anketten sind meist die Mittel, mit denen die Dickhäuter gefügig gemacht werden. Auf die anhaltenden Proteste von Tierschutzorganisationen reagieren mittlerweile nicht nur viele Reiseveranstalter, die Ende vergangenen Jahres angekündigt haben das Elefantenreiten aus ihren Programmen zu streichen. Auch vor Ort findet langsam ein Umdenken statt.

Princess frisst sich mittlerweile gemütlich durch ein 200 Hektar großes Waldgebiet im wilden Osten Kambodschas, das Mister Tree seit Herbst 2013 für das „Mondulkiri Project“ vom Bergvolk der Bunong gepachtet hat. Die Provinz Mondulkiri mit Sen Monorom als ihrem Zentrum ist sozusagen die Elefantenhauptstadt des Landes. Lange dominierten hier Ausritte den Tourismus, doch seit wenigen Jahren bieten immer mehr lokale Veranstalter an, ehemalige Arbeitselefanten in ihrer natürlichen Umgebung aus nächster Nähe zu beobachten – reiten ist ausdrücklich verboten, anfassen erlaubt.

Sophie ist für die morgendliche Bananenfütterung etwas zu spät dran, Lucky und Princess haben nicht mehr viel übrig gelassen. Enttäuscht tastet das Schwergewicht mit dem Rüssel nach weiteren Leckerbissen, während die Touristen verzückt die Finger über ihre borstige Lederhaut streifen lassen. Mister Tree deutet auf ein untertellergroßes Loch im Ohr des Tieres. „Sophie war früher in der Holzindustrie, jetzt wird sie mit jedem Tag fetter – sie wiegt schon mehr als vier Tonnen“, stellt er sichtlich zufrieden fest.

Kein Arbeitsalltag in der Holzindustrie

Mister Tree heißt natürlich nicht wirklich „Baum“, sondern eigentlich Hong Ngun, aber der Name passt. Denn seine Leidenschaft sind zwar die Elefanten, doch um die zu retten, musste der 31-Jährige erst einmal den Wald vor der Abholzung bewahren. „Die Bunong-Dörfer hier verdienen meist ihr Geld mit dem Verkauf von Holz nach Vietnam. Dadurch wird der Lebensraum der Elefanten zerstört. Wilde Elefanten gibt es deshalb kaum noch“, erklärt der Kambodschaner. „Als ich klein war, hatten wir zwei Elefanten in unserem Dorf, aber heutzutage leben nur noch wenige domestizierte Tiere in Mondulkiri – nur 53, und die müssen schwer arbeiten.“

Natürlich sind die drei Elefantendamen des „Mondulkiri Project“ auch nicht wirklich frei. Drei Mahouts leben mit den Tieren im Wald und sorgen dafür, dass sie sich nicht über die grünen Berge aus dem Staub machen. Und so haben die Elefanten zwar keinen Arbeitsalltag mehr in der Holzindustrie, auf den Feldern oder als Reittiere, sie folgen aber doch dem Zeitplan der Touristen: Vormittags gibt es eine Bananenfütterung, danach dürfen sie umher streifen und Kiloweise Bambus fressen. Am Nachmittag steht dann das Baden mit den Urlaubern auf dem Programm. „Das ist eine sehr feine Linie zwischen den Touristenelefanten, die zum Reiten benutzt werden, und dem, was wir hier machen“, gibt der Australier Lee Hudson zu, der das Projekt mit einer 12 000-Dollar-Spende überhaupt erst möglich gemacht hat. „Aber wenn die Elefanten wirklich frei wären, würden sie wahrscheinlich sehr schnell eingefangen – ein Elefant ist hier 20 000 Dollar wert.“

Riesige rosa Zunge

„Dun, dun“, ruft Lon mehrmals hintereinander. Es sind kurze, kehlige Laute, auf die Lucky sofort reagiert. Der Elefant gehört erst seit knapp zwei Wochen zum „Mondulkiri Project“ und auch Mahout Lon ist neu. Trotzdem wirken die beiden wie ein eingespieltes Team. Lons Bambusstock lehnt nutzlos neben ihm, während der 30-Jährige mit der Hand wedelt, um dem Elefanten die Richtung zu weisen. Überhaupt scheinen die Tiere hier – zumindest begrenzt – ihren eigenen Vorlieben folgen zu dürfen. Während Sophies Badevergnügen nur aus der Ferne beobachtet werden darf, scheint Princess, die auch die Bananen gerne direkt auf die riesige rosa Zunge gelegt bekommt, tatsächlich das Bad mit den Menschen zu genießen. Ein- oder zweimal spritzt sie mit ihrem Rüssel selbst ein wenig Wasser, ansonsten lässt sie sich ausgiebig schrubben und hält ihre Ohren, die als Klimaanlage eigentlich immer in Bewegung sind, erstaunlich still, als das kühle Nass an die schwer zu erreichende Stelle geschaufelt wird.

Auch die Bunong profitieren

Doch nicht nur die Elefanten im Ruhestand profitieren von dem Umdenken in der Tourismusindustrie, auch die Bunong, die meist in sehr ärmlichen Verhältnissen leben, erhalten so ein regelmäßiges Einkommen. Mister Tree mietet seine Tiere für je 1000 Dollar im Monat, zusätzlich zahlt er die auf 30 Jahre angelegte Pacht für das Waldgebiet und schafft Arbeitsplätze für das Bergvolk – als Trekking-Führer oder Angestellte in der angeschlossenen Lodge. Im Gegenzug haben sich die Dorfbewohner verpflichtet, den Wald nicht weiter abzuholzen.

„Das Waldgebiet, das wir pachten, gehört 27 Familien, ein einziger Elefant wird von fünf bis zwölf Familien geteilt“, sagt Tree. „Elefanten sind ein wertvolles Gut und die Besitzer merken, dass es ihnen bei uns gut geht.“ Eine positive Entwicklung, die der Tour-Guide auch in Zukunft nutzen will: „Als nächstes planen wir, junge Elefanten zu mieten, die wir für ein Zuchtprogramm nutzen können. So können wir langfristig dazu beitragen, das Überleben der Elefanten in Kambodscha zu sichern.“