Eines der letzten Abenteuer auf der Welt
2012-10-18T16:02:00+0200
Plötzlich ist die Musik wieder da und schrammelt durch die Bordlautsprecher. Reiseleiter Wolfgang Eggers wünscht einen angenehmen Morgen. Das Signal zum kollektiven Aufstehen. 180 Menschen sind jetzt auf den Beinen und verteilen sich in 18 Waggons. Mindestens genauso viele Nationen treffen sich auf den schmalen Gängen oder im Speisewagen, dem Herrschaftsgebiet von Olga. Die Kellnerin macht mit ihrem russischen Charme sofort klar, wer hier das Sagen hat.
Zwischen Piroggen, Bortsch , Lachs und Wodka ist kein Widerwort erlaubt. Egal, die Stimmung kann nicht kippen. Alle im Zug haben sich ihren Traum erfüllt, „eins der letzten Abenteuer dieser Welt zu erleben“. Für Martha aus den USA und Herrn Singh aus Indonesien ist alles einfach wundervoll, faszinierend, atemberaubend, genial. Viel besser als der Traum.
Anreise: Mit Lufthansa ( 01805/80 58 05,
www.lufthansa.com) oder Air China (www.airchina.de) ab Frankfurt direkt nach Peking.
Veranstalter: Der Sonderzug Zarengold wird auf unterschiedlichen Routen von Lernidee Erlebnisreisen ( 030/7 86 00 00,
www.lernidee.de) angeboten. Die Reise zwischen Peking und Moskau wird zwischen Mai und September 2013 zu 6
Terminen angeboten, in entgegengesetzter Reiserichtung ebenfalls. Inklusive Flug ab 3790 Euro.
Ein riesiges Jurten-Camp kündet von der Ankunft in Ulan Bator . Verarmte Nomaden haben sich an der Peripherie der Hauptstadt niedergelassen und hoffen, eine Unze zu ergattern. Im Süden des Landes lagern Bodenschätze von unermesslicher Vielfalt und nicht abschätzbarem Wert.
Wie gebügelt liegt er da, der See der Superlative
Gold, Silber, Uran, Kupfer, Öl, Gas, Kohle. „Die Mongolei hat große Güter und eine große Geschichte.“ Daher müssten in dem Land nach der Überzeugung von Gero Bone, einem hier lebenden deutschen Lehrer, „eigentlich Verhältnisse wie in Dubai herrschen“. Aber: „3000 Menschen in Ulan Bator leben vom Müllsammeln“, schätzt Bone.
Vom gigantischen Bauboom in der Hauptstadt profitieren vornehmlich chinesische Investoren, die Geld und Arbeiter schicken, während 15 bis 20 Prozent der Mongolen arbeitslos sind. Der ungeliebte südliche Nachbar dominiert das Land auch 20 Jahre nach dem Ende des Sozialismus.
Leben im Rhythmus der letzten Jahrhunderte
Nur knapp 60 Kilometer hinter der Hauptstadt scheint das Leben der Nomaden dem Rhythmus der letzten Jahrhunderte zu folgen. Im Nationalpark Terelj dösen Pony-Herden in der Sonne, grasen Jaks vor sich hin und hinter der nächsten Bergkuppe steht eine Jurte. Links vom Eingang haben die Besitzer einen Brunnen gebohrt, rechts ein Loch gebuddelt: Waschbecken und Klo.
Ein minimalistisches Leben? Falsch. Denn spätestens, wenn Familienvater Gerelt mit dem Handy am Ohr hoch zu Pony angaloppiert, wird klar: Die Moderne hat Einzug gehalten in diesem hintersten Winkel der Erde: In der Jurte thront neben dem Altar der Flachbildschirm.
Größter Süßwassersee der Erde
Der „Zarengold“ wartet in Ulan Bator. Hans Engberding, Gründer und Inhaber der „Lernidee“, hat ein individuelles Programm zusammengestellt: Mongolische Pferderennen besuchen, russische Altgläubige befragen, die beste Pekingente schmausen.
Es geht weiter nach Norden, Richtung Sibirien. An Tag sieben nach Peking liegt er plötzlich da wie gebügelt: der Baikalsee. Ein See der Superlative. Der größte Süßwasserspeicher der Erde, der tiefste See und der einzige, der Robben eine Heimat bietet. Aus dem Fenster sieht man den Uferbereich. Am Port Baikal heißt es dann Abschied nehmen vom Zarengold, von dieser spektakulären Reise. Von wunderbaren Eindrücken – und von Erinnerungen, die bleiben.
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