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Eine Gratwanderung zwischen Bunkern und Blumen

04.08.2010 | 13:40 Uhr
Eine Gratwanderung zwischen Bunkern und Blumen

Geteiltes Land: In Südkorea ermöglichen neue Wanderwege einen Blick auf den kommunistischen, völlig entfremdeten Norden der Halbinsel

Einige Studenten jubeln begeistert, als sie den Gipfel erklimmen. Viele der jungen Leute machen Fotos von der Aussicht. Was wie eine normale Bergtour wirkt, ist bei näherer Betrachtung eine historische Gratwanderung. Denn der Pfad führt unweit der Grenze zu Nordkorea durch unbesiedeltes Terrain in Südkorea, das nach dem Korea-Krieg vor 60 Jahren fast gänzlich unberührt blieb.

Vor dem Hintergrund zunehmender Spannungen strömen seit der Öffnung der Wege tausende Südkoreaner in die Grenzregion, um wenigstens aus der Ferne einen Blick auf das entfremdete Nachbarland zu werfen. Quer durch die koreanische Halbinsel zieht sich seit der Teilung eine vier Kilometer breite, schwer bewachte und entmilitarisierte Zone. Südlich davon erstreckt sich ein Streifen Land, für den Zivilpersonen eine spezielle Genehmigung brauchen. Fauna und Flora gedeihen prächtig in dem menschenleeren Gebiet an der Grenze. Deshalb beschlossen die Behörden der Grenzprovinz Gyeonggi um Seoul, es für Wanderer zu öffnen. Vor zwei Monaten wurden 182 Kilometer Wanderwege am Rand des Grenzstreifens eröffnet. Seither wanderten rund 10 000 Menschen auf den Wegen, angezogen von der Schönheit der Natur, von den Relikten des Krieges und der Aussicht auf eine Gelegenheit, im Dunst am Horizont Nordkorea zu sehen.

Zwölf verschiedene Strecken zwischen acht und 21 Kilometern Länge werden von verschiedenfarbigen Bändern an Bäumen markiert. Langfristig sollen die Wanderwege von der West- bis an die Ostküste ausgebaut werden. Der für das Projekt verantwortliche Beamte Han Bae Soo betont die politische Dimension der Wege. „Beim Wandern kann man über die angespannte Situation auf der koreanischen Halbinsel und über Koreas Einheit nachdenken, vor allem nach dem Vorfall von Cheonan.”

Info
Südkorea

Anreise: Lufthansa

01805/80 58 05

www.lufthansa.com

und Korean Air

01805/00 98 00

www.koreanair.com

fliegen von Frankfurt nach Seoul.

Einreise: Mit gültigem Reisepass. Für Aufenthalte von mehr als 90 Tagen ist ein Visum nötig.

Veranstalter: Meier's Weltreisen bietet neuntägige Studienreisen „Südkorea” ab 1599 Euro p.P. (ohne Flüge). Gebeco bietet eine 13-tägige Tour „Korea zum Kennenlernen” für 2295 Euro p.P. (inklusive Flug).

Kontakt: Korea Tourism Organisation

069/23 32 26

www.tour2korea.com

Ein Ereignis, der die Spannungen auf der Halbinsel wieder verschärft hat. Die „Cheonan”, eine südkoreanische Korvette, war nach Überzeugung der Regierung in Seoul mit einem nordkoreanischen Torpedo versenkt worden. 46 Seeleute kamen ums Leben. Pjöngjang bestreitet aber eine Verwicklung, lehnt eine Entschuldigung ab.

Wanderer können jetzt einen Blick auf nordkoreanisches Territorium werfen, vor allem von der Bergfestung Munsu zum Aegibong-Gipfel. „Hier erleben die Leute sowohl Freude als auch Trauer, weil sie nordkoreanische Dörfer mit bloßem Auge erkennen”, heißt es auf der Website der Provinz. In den Dörfern bilden schmucke Häuser mit Gärten einen scharfen Kontrast zu den Symbolen des Krieges: Hier und da sind alte, überwucherte Bunker aus alten Reifen und Sandsäcken zu sehen. Auch Byun Mi-Sook aus Seoul wandert an der Grenze entlang. „Es ist komisch, die Realität in Korea zu erleben”, sagt er. „Ich wünschte, diese Dinge würde es nicht geben. Aber der Krieg ist noch nicht vorbei.” afp

DerWesten

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